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Ostholstein Belt: Dänische Tunnelplaner gehen in die Offensive
Lokales Ostholstein Belt: Dänische Tunnelplaner gehen in die Offensive
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22:05 27.08.2018
Fehmarn

Sie soll im Internet ein wirksames Gegengewicht zu den anhaltenden Vorwürfen der Tunnelgegner darstellen. Aus triftigem Grund: Als „ein Schreckensszenario“, verurteilte der Regionalbeauftragte Dr.

Dieses Bild schlug Anfang März überregional wie eine Bombe ein. „Fehmarn vor dem Kollaps“ warnten die „Beltretter“ mit einer Computersimulation vor Nordeuropas größter Baustelle. Das Echo war sehr geteilt. Inzwischen hat Femern A/S mit einer „dynamischen Karte“ reagiert.

Malte Hinrichsen (Femern A/S) noch Monate später im Sommer die spektakuläre „Beltretter“-Simulation.

Denn die Tunnelgegner hatten per aufwendiger Computeranimation eine aufgerissene Insel entlang der Vogelfluglinie gezeigt. Straßen- und Brückenbauten, die Baustellen zur neuen Sundquerung bis aufs Festland und für die Güterbahntrasse sowie die Großbaustelle zwischen Puttgarden und Marienleuchte – alles drohe der Insel gleichzeitig.

Der Aufschrei war riesig. Die Kritiker des Tunnelprojektes fühlten sich bestätigt. Die Bahn indes sprach von „bewusster digitaler Desinformation“. Und Fehmarns Tourismusdirektor Oliver Behncke fürchtete bereits, derlei Szenarien hielten Gäste davon ab, auf der Sonneninsel Urlaub zu machen.

Auch Femern A/S widersprach energisch: Die Bauten seien nicht parallel, sondern zeitlich versetzt geplant. Dennoch: Der Nachhall der Computeranimation der „Beltretter“ war groß – und anhaltend. Auf LN-Online.de gehörte sie damals zu dem meistgeklickten Artikeln des Tages.

Inzwischen hat Femern A/S gekontert – ebenfalls mit einer aufwendigen Aktion. Die Besucher des Stadtfestes Fehmarn konnten diese dynamische Karte im Sommer sogar schon testen – direkt neben der großen Tunnel-Hüpfburg für Kinder.

Doch sie ist vor allem als Online-Angebot gedacht. Wer will, kann sie unter www.femern.de in der Rubrik „Region“ unter der Thematik „Rücksicht auf die Anwohner“ anschauen. Im Detail kann sich der Nutzer dort über Baudenkmäler, Windkraftanlagen nahe der Trasse sowie den Lärm entlang der künftigen Belt-Straße und -schiene informieren. Besonders ausführlich sind die Informationen zum Bereich Natur: Parzellengenau eingezeichnet wurden FFH- und Vogelschutzgebiete sowie Natur- und Landschaftsschutzgebiete, ferner Biotope, Geotope, gesetzliche Schutzstreifen an Gewässern, überschwemmungsgefährdete Bereiche, außerdem trassennahe Minimierungs- und Kompensationsmaßnahmen. „Diese Karte ist ein nützliches Werkzeug. Sie zeigt die tatsächlichen Ausmaße der Planungen“, kündigt Direktor Lars Friis Cornett von Femern A/S. Gezeigt werde ausdrücklich auf Grundlage der Planfeststellungsunterlagen die maximale Ausdehnung der künftigen Baustelle. Für die dänische Nachbarinsel Lolland gibt es ebenfalls online eine aktuelle dynamische Karte.

Unterdessen setzt Femern A/S seine Informationsoffensive auf deutscher Seite fort. Im Info-Center in Burg wurde gerade eine neue Ausstellung aufgebaut. Sie soll noch in dieser Woche im Rahmen eines Sommerempfangs vorgestellt werden. Zudem wird Ende September der regelmäßige Bürgerdialog für Bewohner in Puttgarden, Presen, Marienleuchte, Bannesdorf und Todendorf fortgesetzt. Das Thema lautet diesmal: „Seeseitige Bauarbeiten und Sicherheit des Schiffsverkehrs“.

„Natürliche Rasenmäher“ auf Lolland

Wo früher Bahntrassen verliefen, weiden auf Fehmarns dänischer Nachbarinsel Lolland jetzt zehn Ziegen (Foto). Die Tiere sind Teil der Naturschutzmaßnahmen im Zusammenhang mit dem geplanten Belttunnel. Dafür hat Bauherr Femern A/S ein 5,5 Hektar großes Gebiet in der Nähe eines alten Güterbahnhofs in Rødbyhavn übernommen. Auf dem Gelände sind bereits drei neue Tümpel entstanden. Die Ziegen sollen hier Gräser, Sträuche und Bäume zurückhalten, damit es für dort lebende Arten hell und offen bleibt. „Die Initiative ist Teil unserer Bestrebungen, die Natur während des Baus zu schützen. Die Ziegen dienen uns als ein ,natürlicher Rasenmäher' auf dem Gelände, auf dem wir ansonsten Maschinen einsetzen müssten“, erklärt Anders Bjørnshave, Leiter der Umweltabteilung bei Femern A/S. Außerdem wird unter anderem die Wiederherstellung eines Steinriffs auf der Sagas-Bank südöstlich Fehmarns geplant. gjs

Gerd-J. Schwennsen

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