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Ostholstein Beltpicknick an der Fährhafenmole
Lokales Ostholstein Beltpicknick an der Fährhafenmole
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Christa Woitalla (großes Foto rechts) bereitet mit Helferinnen den Picknicktisch vor. Herbert Neumann schmückt ein blaues Beltkreuz mit Protest- Luftballons. Und Dr. Johannes Grünitz, Harry Brandt und Hendrick Kerlen (Foto unten, von links) ergreifen das Wort. Quelle: Fotos: Schwennsen

Viele kommen zu Fuß oder mit dem Fahrrad. Manche sind noch mit Wintermantel, Mütze und Schal dick eingemummt. Unerwartet frisch ist es am Belt. Umso mehr wärmt der heiße Kaffee oder der Becher mit Tee, die serviert werden. Picknick am Mönchsweg in Sichtweite der Fährhafen-Mole in Puttgarden: Einige verbinden dieses Treffen kurz vor Mittag mit einem kleinen Deichspaziergang.

Tunnelgegner erwachen aus dem Winterschlaf — Kleine, friedliche Aktion am Wochenende in Puttgarden.

Die Veranstalter

Aufgerufen zum Beltpicknick haben die IG „Lebenswertes Fehmarn“, die vor allem gegen die Schweinemastanlage bei Petersdorf kämpft, und die BUND-Ortsgruppe Fehmarn.

Beteiligt waren aber auch Mitglieder vom Aktionsbündnis gegen eine feste Fehmarnbeltquerung, der Initiative „Bewahrt Fehmarn“ und der Beltretter.

Doch Christa Woitalla von der „IG Lebenswertes Fehmarn“, die zusammen mit der BUND-Ortsgruppe zu diesem Wochenend- Treffen aufgerufen hat, kommt schnell zur Sache. „Die Winterpause ist vorbei, es muss endlich wieder was wackeln.“ Und lenkt, als sich gerade eine Scandlines-Fähre nähert, die Aufmerksamkeit auf den Widerstand gegen den Belttunnel.

Eine bunte Gruppe hat sich hier zusammengefunden. Nach und nach trudeln 60 bis 70 Tunnelgegner ein. Kritisch beäugt werden sie allenfalls von einigen dänischen und schwedischen Grenzhandelskunden, die erwartungsvoll zum Einkaufsparadies „Portcenter“ marschieren und den fröhlichen Aufstand so recht nicht verstehen. Derweil genießen die fünf Polizisten den allmählich wärmer werdenden Apriltag — es ist und bleibt eine friedliche Zusammenkunft.

Blaue Kreuze, bunte Luftballons, jede Menge Protestplakate säumen den Weg zum Deich. Auch die lebensgroße hölzerne Mönchsfigur am Fuß der alten Pilgerweges „Via Scandinavica“ wird geschmückt. Nebenan schmieren fleißige Helfer Mettwurst- oder Käsebrötchen. Es gibt beim Picknick gegen den Belttunnel Matjes, Tomaten und so manche süße Leckerei.

Unter dem Motto „Wir wehren uns“ wird zudem ein dickes Paket an Missständen aufgetischt. Immer mehr und größere Windmühlen, bei Petersdorf eine „Schweinemastindustrieanlage mit 17000 Schweinen auf engstem Raum und jährlicher Gülleproduktion von 30000 Tonnen“, zu allem der „gigantische“ Tunnelbau im Fehmarnbelt: Dr. Johannes Grünitz von der IG übt heftige Kritik. Er rückt die aus seiner Sicht fehlende Verhältnismäßigkeit zurecht: Dutzende Hektar im Inselnorden sollen zubetoniert werden, gleichzeitig verweigere die Untere Naturschutzbehörde der Fehmarn Festival Group eine 1,5 Hektar große Wiese in Flügge für die Nutzung einmal im Jahr für ihr Rockfestival. Grünitz: „Die Menschen, die hier leben, werden mit Füßen getreten.“ Starke Worte, für die es viel Beifall gibt.

Aber auch für Christa Woitalla, die sich empört: „Im Fehmarnbelt soll nicht mehr geangelt , gefischt und gekitet werden, aber ein Absenktunnel trübt ihn viele Jahre mit einer trüben Brühe. Das passt nicht zusammen.“ Danach beginnt das gemeinsame Picknick. Mit lockerem Klönschnack über die kommenden gemeinsamen Ziele für ein lebenswertes Fehmarn.

Von Gerd-J. Schwennsen

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