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Ostholstein Belttunnel: Ein Riff soll für Ausgleich sorgen
Lokales Ostholstein Belttunnel: Ein Riff soll für Ausgleich sorgen
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21:51 09.06.2017
Ein Expertenteam aus Wissenschaftlern und Tauchern fährt mit der „Praunus“ zu „Sagas Bank“. Quelle: Fotos: Peter Mantik (4)
Fehmarn

Das Forschungsschiff „Praunus“ legt in Burgstaaken ab. An Bord sind Meeresbiologen, Forschungstaucher und eine gebuchte dänische Journalistin. Sie sind im Auftrag von Femern A/S, dem Bauherrn des geplanten Belttunnels zwischen Puttgarden und Rødby, an Bord. Doch an diesem sonnigen Tag geht es nicht hinaus in den Belt, sondern zur „Sagas Bank“, einem Riff vier Kilometer vor der Küste von Süssau und Rosenfelde.

Ausgleichsmaßnahme für Beltprojekt – Grundsätzliche Kritik des Nabu.

Das ist Femern A/S

Staatliche Projektgesellschaft aus Dänemark und Bauherr des geplanten Belttunnels ist Femern A/S. Die feste Querung wird mit einer Länge von knapp 18 Kilometern der längste Absenktunnel der Welt.

Thomas Meyer, Diplom-Biologe und Geschäftsführer von „MariLim“, erklärt: „Wir wollen dieses Riff als Ausgleichsmaßnahme für den Bau des Tunnels ertüchtigen.“ Die Kosten schätzt er auf rund zehn Millionen Euro, etwa ein Drittel der Mittel, die von Femern A/S für Kompensationsmaßnahmen aufgebracht werden müssen. „Das Engagement am Riff ist außergewöhnlich“, sagt Meyer. Denn die Maßnahme sei nachhaltig gedacht. Zum einen, weil Gesteine aus dem Belt Verwendung finden, zum anderen, weil an der „Sagas Bank“ die Natur bereichert würde. Meyer: „Die Maßnahme soll mit einem Monitoring über zehn bis 15 Jahre begleitet und überprüft werden.“ Die Firma „MariLim“ war auch schon an der Erstellung der Umweltgutachten beteiligt. Sie gilt in der Branche als erfahren und professionell.

Zwei Taucher bringen an diesem Tag Proben vom Riff, vor allem Algen, Tang und Muscheln an Bord. Dann muss die „Praunus“ umkehren. Es gibt eine Unwetterwarnung. Meyer: „Bald wird es hier ungemütlich.“

Kritisch bewertet allerdings der Naturschutzbund (Nabu) Schleswig-Holstein die durchweg positiven Darstellungen von Femern A/S. Insbesondere die bereits ins Verfahren eingebrachten Gutachten für den Belttunnelbau. Denn laut Nabu-Sprecher Ingo Ludwichowski sei es ein Manko, dass die Forscher nicht etwa von der für die naturschutzrechtliche Prüfung zuständigen Fachbehörde kämen, sondern vom Bauherrn Femern A/S beauftragt wurden. Ludwichowski: „Und der möchte natürlich etwaige artenschutzrechtliche Hindernisse für sein millionenschweres Projekt ausgeräumt wissen und in der Öffentlichkeit positiv wahrgenommen werden.“ Daher fordert der Nabu bei diesem und anderen Großprojekten, dass Schluss sein müsse mit Gefälligkeitsgutachten. Bund und Länder seien aufgefordert, die dafür notwendigen rechtlichen Änderungen vorzunehmen.

Für Anders Bjørnshave, Abteilungsleiter der Umweltabteilung von Femern A/S, ist der deutsche Weg im Verfahren noch unergründlich. „Haben wir in Dänemark ein Problem, löst dies die Politik. Dann wird auch mal ein Gesetz verändert.“ Nur so funktioniere schnelle Entwicklung. „Wir können das.“

 Peter Mantik

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