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Ostholstein Belttunnel: Kontroverse um Fährhafen-Anbindung
Lokales Ostholstein Belttunnel: Kontroverse um Fährhafen-Anbindung
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21:50 04.07.2017
Zweite Anhörungswoche in der Kulturwerft Gollan in Lübeck. Diskutiert wurden vor allem die Fährhafenanbindung sowie die Tunnelsicherheit. Quelle: Foto: Mantik
Lübeck

Scandlines fordert schon lange eine gleichberechtigte Anbindung des Fährhafens, während Femern A/S die Hauptzuwegung zum Tunnelbauwerk plant.

Scandlines-Anwalt Herbert Posser betonte gestern, dass auch die Landesregierung eine ideale Anbindung des Fährhafens befürworte. Dies sei aus den Planungen von Femern A/S aber nicht ersichtlich. Bei der vorgelegten Variante handle es sich um eine erhebliche Verschlechterung für die Reederei. Matthias Laubenstein, Tunnelexperte bei Femern A/S, entgegnete: „Die Anbindung entspricht den Regelwerken und ist ideal.“ Die von Scandlines gewünschte Anbindung sei laut Femern A/S nicht realisierbar.

Die Stimmung in der Gollan-Halle blieb also auch gestern weiter angespannt. Dr. Wilhelm Mecklenburg, Anwalt der Beltretter, monierte, dass er immer wieder von der Rednerliste gestrichen werde.

Auf die Frage, ob er wie gefordert die vollumfänglichen Unterlagen von Femern A/S erhalten habe, sagte Mecklenburg: „Natürlich nicht.“ In der Debatte mit Femern A/S schlugen bei ihm immer wieder Emotionen durch. Aussagen wie: „Wir sind hier nicht zu Kaisers Zeiten“, wurden von den Beltrettern im Saal mit Applaus quittiert.

Bauherr Femern A/S hält unterdessen Kurs – Kritik wird kategorisch zurückgewiesen, während die Gegner des Projektes versuchen, eben dieses Taktieren aufzubrechen. Ein zähes Ringen, wie auch Mecklenburg bestätigte. Dennoch sei es wichtig, „Ausdauer zu beweisen und zu ertragen, immer wieder abgebügelt zu werden“. Eine Beltgegnerin sprach gestern von einem pseudodemokratischen Prozess.

Vorhabenträger Femern A/S befände sich in weiten Teilen komplett im wissenschaftlich luftleeren Raum. Immer waren Ironie und Zynismus aus den Wortbeiträgen zu hören. Ein Herr stellte fest: „Im Belt wird ein Schutzgebiet mit Angelverbot installiert, aber ein Tunnel ist okay.“ Moderatorin Dörte Hansen vom Landesbetrieb Straßenbau und Verkehr dazu: „Das wird in den kommenden Tagen Thema werden.“

Erneut von den Beltgegnern aufgegriffen wurde das Thema Tunnelsicherheit. Eine Bürgerin wollte wissen, wie es bei einem Terroranschlag um den Tunnel stünde. Femern A/S erwiderte, dies sei vorige Woche ausführlich besprochen worden. Dem pflichtete auch Hansen bei. Wieder einmal Kopfschütteln bei den Beltrettern.

Femern A/S versucht auch heute und morgen jeweils von 9.30 Uhr bis 17 Uhr, Fragen zu beantworten. Ob es danach zusätzliche Termine gibt, ist noch nicht absehbar.

Mehr als 10000 Mitarbeiter wollen mitverdienen

Die Anhörungstermine sind nicht nur für den Bauherrn Femern A/S sowie die Projektgegner von Bewandtnis. Auch Baltic FS verfolgt wirtschaftliche Interessen an der Querung. Geschäftsführer Mirko Schönfeldt: „Die Anhörungstermine sind für uns als heimische Wirtschaft von großer Bedeutung.“ Man investiere seit fast sechs Jahren zweistellige Millionenbeträge, um die Teilhabe an diesem großen Projekt zu ermöglichen. Den mittelständischen Familienbetrieben ginge aber irgendwann die Luft aus. Daher sei ein schneller Baustart wichtig. „Die mehr als 10000 Mitarbeiter, die hinter den Partnern der Baltic FS stehen, haben nur dann sichere und gut bezahlte Jobs, wenn wir so viel Aufträge wie möglich bekommen.“ pm

 Peter Mantik

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