Menü
Lübecker Nachrichten | Ihre Zeitung aus Lübeck
Anmelden
Ostholstein Belttunnel: Scandlines erhebt schwerwiegende Einwände
Lokales Ostholstein Belttunnel: Scandlines erhebt schwerwiegende Einwände
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
23:15 10.07.2014
Im Halbstundentakt läuft der Fährverkehr auf der Vogelfluglinie. Scandlines fürchtet Wettbewerbsnachteile schon während der Bauzeit. Quelle: gjs
Fehmarn

Eine Flut von Einwänden gegen den Belttunnel hat den Landesbetrieb Straßenbau- und Verkehr in Kiel erreicht: Binnen einer Woche schnellte die Zahl von 1800 auf deutlich über 3000 hoch. Das bestätigte Direktor Torsten Conradt. Eine ganz besonders umfangreiche kommt von Scandlines: Auf mehreren hundert Seiten erhebt die Reederei schwerwiegende Einwände im Planfeststellungsverfahren.

Durch das Tunnelbauprojekt befürchtet sie einen „massiven Eingriff“ in die Nutzung des Hafens Puttgarden und den Fährbetrieb. „Wir fordern faire Wettbewerbsbedingungen“, betonte gestern Geschäftsführer Dr. Gernot Tesch. Bereits im Juni hatte Scandlines bei der EU eine Klage eingereicht — gegen unerlaubte Wettbewerbsverzerrung auf der Route PuttgardenRødby, da der Tunnel mit dänischen Staatsgarantien von 5,4 Milliarden Euro gebaut werden solle.

Jetzt legt Scandlines nach. Die Reederei sieht sich von den Planungen unmittelbar betroffen, weil für die Anbindung des Tunnels Grundstücke im Eigentum von Scandlines enteignet werden müssten. Zudem drohten nach den vorgelegten Plänen schon in der Bauphase erhebliche Verkehrsbehinderungen bei der An- und Abfahrt zum Fährhafen sowie auf See zwischen Puttgarden und Rødby. Das hat auch die Stadt Fehmarn in ihrer 48-seitigen Stellungnahme beanstandet. „Ich finde es gut, dass ein bestehender Gewerbebetrieb wie Scandlines diese Bedenken einbringt, die auch die Stadt Fehmarn teilt“, erklärte Bürgermeister Otto-Uwe Schmiedt (parteilos).

Scandlines moniert ferner einen nachhaltig negativen Einfluss auf die Schutzgebiete sowie die sensible Tier- und Pflanzenwelt im Fehmarnbelt. Beanstandet werden auch eine sicherheitstechnisch inakzeptable Bauausführung ohne Rettungskonzept, die nicht den deutschen Sicherheitsstandards entspreche. Weiterhin kritisiert das Unternehmen geschönte Verkehrsprognosen ohne nachgewiesenen Bedarf — und „in grober Unkenntnis des Marktes keine echte Alternativenprüfung sowie unrealistische Kostenansätze“.

Tesch: „Wir hoffen, dass die Planfeststellungsbehörde unsere Einwände unvoreingenommen prüfen und das Projekt stoppen wird.“

Der geplante Absenktunnel richte erheblichen ökologischen, ökonomischen und sozialen Schaden für die Region an. Ohne Begründung werde unterstellt, dass der Fährbetrieb mit der Fertigstellung des Tunnels eingestellt werden soll. Claus F. Baunkjær, Vorstandsvorsitzender von Femern A/S, erklärte gestern: „Wir sind gut auf die Bearbeitung der Stellungnahmen vorbereitet. Wenn wir alle Einwendungen erhalten haben, werden wir uns mit jeder einzelnen davon auseinandersetzen.“ Er geht vom Planfeststellungsbeschluss im Mai 2015 aus und rechnet mit dem Baubeginn im Spätsommer 2015.

20 Jahre Aktionsbündnis
Ostholsteins älteste Bürgerinitiative gegen die Beltquerung ist seit 20 Jahren dabei. 1994 wurde auf Fehmarn das „Aktionsbündnis gegen eine feste Fehmarnbeltquerung
gegründet — mit der Zielsetzung, aus ökologischen und wirtschaftlichen Gründen eine feste Querung zu verhindern. 2010 konstituierte es sich als Verein, um die Arbeit auf eine solide Rechtsgrundlage zu stellen. Inzwischen wurde ihm die Gemeinnützigkeit zuerkannt.
Trotz Fußballfieber fand jetzt die Mitgliederversammlung statt. An der Spitze des Aktionsbündnisses wurde Christine Albert (Ostermarkelsdorf) zur neuen stellvertretenden Vorsitzenden gewählt. Sie ist Nachfolgerin von Nikola Vagt (Nabu Wallnau), die aus beruflichen Gründen nicht wieder kandidierte. Der bisherige Vorsitzende Hendrick Kerlen (Westermarkelsdorf) und Kassenwart Rolf König (Marienleuchte) wurden in ihren Ämtern bestätigt.
In seiner Jahresbilanz blickte Kerlen auf mehr als 150 Aktivitäten zurück. Besonders wichtig: Beim Planfeststellungsverfahren für den Belttunnel entstand unter Federführung des Aktionsbündnisses und mit Beteiligung des Landesnaturschutzverbandes Schleswig-Holstein sowie zwölf weiteren Umweltvereinigungen eine 570 Seiten umfassende Dokumentation von Einwendungen, die fristgemäß an die Anhörungsbehörde in Kiel eingereicht wurde. gjs

Gerd-J. Schwennsen

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 22:00 und 07:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!