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Ostholstein Belttunnel: Scandlines ringt mit Land
Lokales Ostholstein Belttunnel: Scandlines ringt mit Land
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09:53 19.05.2016
Die Gefahrgutfähre „Holger Danske“ läuft in Puttgarden ein. Mit der „Kronprins Frederik“ wird Ende 2016 eine Reservefähre auf die Vogelfluglinie verlegt, die vor allem im Frachtverkehr eingesetzt werden soll.

Scandlines rüstet sich auf der Vogelfluglinie für die künftige Konkurrenz durch den Belttunnel. Sogar dreifach: Für eine Reservefähre, die bis Ende 2016 kommen soll, wird bis Ende August im Fährhafen Puttgarden ein zusätzliches Fährbett flott gemacht. Zweitens: Mit emissionsfreien Fähren, die bis Ende 2018 geplant sind, setzt die Reederei auf eine saubere Schifffahrt. Und drittens kämpft sie für eine Gleichbehandlung mit dem Tunnelbetreiber Femern A/S.

Reederei lehnt Anbindung zur vierspurigen B 207 als nicht gleichberechtigt ab – Søren Poulsgaard Jensen: Ampeln bei An- und Abfahrt verursachen Staus – Umbau im Fährhafen Puttgarden für neue Reservefähre läuft.

Denn anders als zuletzt vom Kieler Verkehrsministerium bekräftigt, ist für Scandlines eine faire und konkurrenzfähige Anbindung des Fährhafens an die künftig vierspurige B 207 keineswegs sichergestellt. Im Gegenteil: Ihr CEO Søren Poulsgaard Jensen spricht im LN-Exklusiv-Gespräch klar von einem „Überlebenspunkt für uns“, den die Reederei im weiteren Planungsverfahren zum Belttunnel durchsetzen will.

Konkret geht es darum, wie und wo Fahrzeuge, die weiter mit der Fähre fahren, ab 2028 die Trasse zum Belttunnel verlassen. Poulsgaard Jensen hat darüber kurz vor Pfingsten mit Verkehrsstaatssekretär Dr. Frank Nägele (SPD) in Kiel gesprochen. Zwar gibt es Korrekturen der ursprünglichen Pläne, in denen der Zielverkehr vom und zum Fährbahnhof weitgehend über Nebenstrecken führte. Doch die reichen Scandlines nicht.

Die Berechnungen der Planungsbehörden verteilen den Verkehr – jährlich über 1,5 Millionen Pkw, knapp 400000 Lkw und 30000 Busse – einfach auf 24 Stunden eines Tages. „Ein großes Missverständnis“, so Poulsgaard Jensen: „Tagsüber boomt es natürlich stärker als nachts. Wenn am Tag ein Fährschiff kommt, benötigen wir genügend Kapazitäten, damit die Fahrzeuge leicht auf die B 207 kommen. Und nicht drei oder vier Ampeln – dann haben wir garantiert Stau.“

Seine Gegenrechnung: In Spitzenzeiten verlassen pro Ankunft im Halb-Stunden-Takt bis zu 364 Pkw und 1200 Passagiere das Fährschiff. Und zwar nicht im Schneckentempo: Lediglich 15 Minuten Liegezeit kalkuliert Scandlines pro Fähre ein. Neun Minuten fürs Beladen, sogar nur sechs Minuten fürs Entladen. Vor allem in der Hauptsaison zählt da jede Minute.

Die Forderung nach einer gleichberechtigten Anbindung vertritt auch die Stadt Fehmarn. Dabei hat Bürgermeister Jörg Weber (SPD) nicht nur den florierenden Fährverkehr von Scandlines mit rund 600 Arbeitsplätzen im Auge. Grundsätzlich will die Stadt den Tiefwasserhafen Puttgarden nicht von der B 207 abkoppeln – für den Fall, dass er eines Tages mit ganz anderen Zielen genutzt werden könnte.

Scandlines selbst ist allerdings zuversichtlich, auch nach Eröffnung der festen Beltquerung mit voller Kraft weiter auf der Vogelfluglinie zu fahren – egal ob der Tunnel 2028 oder erst 2030 kommt.

Derzeit laufen sogar umfangreiche Baumaßnahmen in Puttgarden und Rødby. Denn die „Kronprins Frederik“, die noch auf der Route Rostock-Gedser im Einsatz ist, soll künftig in Puttgarden liegen. Sobald nach der „Berlin“ auch die neue Schwesterfähre „Copenhagen“ in Dienst gestellt ist, wird die 35 Jahre alte Fähre auf der Werft umgebaut. Poulsgaard Jensen: „Sie soll künftig als Fracht- und Back-up-Fähre vor allem zwischen Puttgarden und Rødby laufen.“

Wegen der Verzögerungen bei den Neubauten wird das wohl erst zum Jahresende sein. „Wir können das frühestens für die Weihnachtsmärkte schaffen“, so Poulsgaard Jensen. Mit dieser fünften Fähre und der Gefahrgutfähre „Holger Danske“ ist Scandlines dann besser denn je aufgestellt – in den Spitzenzeiten, ebenso aber bei längeren Werftzeiten einer Regelfähre.

 Gerd- J. Schwennsen

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