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Ostholstein Bestatter planen Krematorium in Ahrensbök
Lokales Ostholstein Bestatter planen Krematorium in Ahrensbök
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08:49 20.01.2017
So soll das Krematorium aussehen, das Bestatter in der Straße Leeschhörn errichten lassen wollen. GRAFIK: HORST GMBH/FOTO: S. LATZEL
Ahrensbök

Generell gilt die Neuansiedlung eines Gewerbes als gute Nachricht – bei einem aktuell für Ahrensbök geplanten Projekt mag aber vielleicht auf subjektiver Ebene ein mulmiges Gefühl mitschwingen: Mehrere Bestatter wollen im Gewerbegebiet Barghorst ein Krematorium bauen lassen. Die Ahrensböker Verwaltung ist dafür.

 

Bauamtsleiterin Eike Cleven und Bürgermeister Andreas Zimmermann im Gespräch mit den Bestattern Michael Puttkammer und Knud Petersdotter (v. l.).

Informationen für alle Bürger über das geplante Krematorium gibt es am Mittwoch, 25. Januar, von 19 Uhr an im Bürgerhaus am Mösberg. Vertreter der Verwaltung, Bestatter und ein Ofenbauer wollen sich allen Fragen stellen.

Info-Abend

„Unsere Gesellschaft braucht solche Einrichtungen. Andreas Zimmermann

Bürgermeister

„Ich war zunächst etwas distanziert“, räumt der Ahrensböker Bürgermeister Andreas Zimmermann (parteilos) ein: „Ich habe vor allem an Emissionen gedacht.“Mehrere Gespräche, unter anderem mit einem Ofenbauer, hätten seine Bedenken ausgeräumt, „diesbezüglich gibt es nichts zu befürchten“. Politische Vertreter in der Gemeinde hätten das Projekt ebenfalls positiv aufgenommen, berichtet der Bürgermeister und fügt hinzu, dass ihn auch die Einstellung der Bestatter überzeugt habe: „In Bezug auf Ethik und Wahrung der Totenwürde setzen sie hohe Ansprüche.“

„Es gibt diverse Kollegen in Ostholstein, die an der Nutzung eines Krematoriums in Ahrensbök interessiert wären“, erklärt der Bestatter Michael Puttkammer aus Neumünster. Er und sein Kompagnon Olaf Hufenbach sowie die Bestatter Knud Petersdotter aus Preetz und Knut Schröder aus Flintbek wollen, zusammengeschlossen als Kommanditgesellschaft, das sechste Krematorium in Schleswig-Holstein errichten lassen – es gibt bereits Einrichtungen für Einäscherungen in Lübeck, Kiel, Flensburg, Ahrensburg und Tornesch. Der Bedarf sei drastisch gestiegen, sagt Puttkammer: „In den vergangenen 30 Jahren ist der Anteil der Feuerbestattungen von 25 auf 90 Prozent gewachsen.“ Die Bestatter möchten außerdem ein Krematorium in eigener Regie betreiben, „so, wie wir es richtig finden“. Ahrensbök biete sich wegen seiner zentralen Lage als Standort an.

Die Bestatter wollen von der Gemeinde ein 4000 Quadratmeter großes Grundstück am Ende der Straße Leeschhörn kaufen. Dort soll ein 400-Quadratmeter-Bau in modernem Stil entstehen und so begrünt werden, dass seine Funktion „von außen nicht erkennbar“ sei. Insgesamt sollen 2,6 Millionen Euro investiert werden – allein der Ofen, in dem die Einäscherungen bei 800 bis 850 Grad stattfänden, schlage mit 850000 Euro zu Buche, erklärt Knud Petersdotter, „und die Filteranlage ist doppelt so groß“. Die Feuerbestattungen seien absolut geruchsfrei, betont Bürgermeister Zimmermann, „es entweichen lediglich trockener Rauch und Wasserdampf“.

Die Verstorbenen würden in neutralen Fahrzeugen zum Krematorium gefahren, „da rollen keine Kolonnen von Leichenwagen durch den Ort“, so Zimmermann. Die Transporter würden zudem erst in der Fahrzeughalle bei geschlossenem Tor geöffnet. Geplant sind 2000 Einäscherungen im Jahr, das seien etwa zehn pro Tag. Im Ahrensböker Krematorium werde es allerdings weder Aufbahrungen noch eine Trauerhalle geben, sagt Michael Puttkammer.

„Wir wollen bei diesem sensiblen Thema eine transparente Informationspolitik betreiben und die Bevölkerung rechtzeitig erreichen“, stellt der Bürgermeister klar. Deswegen ist für Mittwoch, 25.

Januar, eine öffentliche Informationsveranstaltung angesetzt. Der Beschluss für ein Krematorium könnte im April im Bauausschuss gefasst werden, die Bauzeit werde ein Jahr betragen. latz

LN

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