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Ostholstein Besuch beim Bataillon: Hoher Militär gibt Eutin die Ehre
Lokales Ostholstein Besuch beim Bataillon: Hoher Militär gibt Eutin die Ehre
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22:28 12.07.2018
Kommandeur Oberstleutnant Tobias Aust zeigte Generalleutnant a. D. Hans-Otto Budde (l.) Gebäude und Fahrzeuge der Aufklärer. Quelle: Foto: Peyronnet
Eutin

Natürlich könnte er einen zackigen Kasernenhofton anschlagen, schließlich war Budde Soldat mit Leib und Seele. „Ich glaube, wenn man etwas lange gemacht hat, legt man das nicht ab. Die Uniform zieht man genauso wenig aus wie der Pastor den Talar.“ Aber der ehemalige Generalinspekteur des Heeres (2004-2010) ist ein unterhaltsamer Erzähler und einer, der gerne und gar nicht militärisch über seine Profession spricht. Das erfuhren junge Offiziersanwärter und Mitglieder des Vereins der Freunde und Förderer der Eutiner Aufklärer bei einer Diskussion mit Budde.

Der war zwar nie in Eutin stationiert, hat aber trotzdem enge Verbindungen zu den Soldaten des Aufklärungsbataillons 6 „Holstein“ aus der Rettberg-Kaserne. Er lernte sie bei Einsätzen in Afghanistan gut kennen. Er war da, als der damalige Kommandeur Oberstleutnant Stephan Leistenschneider nach der Hilfe des Generalinspekteurs rief, als der Bataillonschef um den Neubau der Truppenküche kämpfte.

Und der heutige Kommandeur, Oberstleutnant Tobias Aust, war mal einige Jahre Buddes Ordonnanzoffizier. „Das ist der, der die Vorgänge kurz sichtet, was muss der Chef sofort sehen, was hat Zeit?“, definiert der ehemalige Generalinspekteur in der Rückschau Austs damalige Aufgabe.

Budde und Aust sind der gleiche Typ Soldat, so wirkt es jedenfalls. Beide geistig beweglich, beide redefreudig und zupackend in der Sprache. „Der Soldatenberuf ist nicht so lustig“, stellt Budde mit Blick auf gefährliche Auslandseinsätze fest. Und weiter: „Die Truppe hat ein großes Problem, das sie erträgt: Eine Dienstzeitregelung, die für Soldaten nicht geeignet ist.“ Der Generalleutnant, der einst feststellte, die Truppe brauche „den archaischen Kämpfer, und den, der den High-Tech-Krieg führen kann“, ist offenbar einer, der bürokratische Regeln eher schief ansieht. Stechuhren gebe es in den Kasernen noch nicht, erläutert Aust. Aber: „Wir müssen tatsächlich auf die Stunden achten.“

Mehr Vertrauen in die Truppe

Weniger Hierarchie und mehr Verantwortung auf allen Ebenen, das wünscht sich Budde für die Bundeswehr. Das stehe in der guten Tradition der sogenannten Auftragstaktik, auch „Führen mit Auftrag“

genannt. „Das ist ganz wichtig, das macht die Berufszufriedenheit aus“, sagt Budde. Auftragstaktik heißt konkret: Egal, wo jemand in der militärischen Hierarchie steht, ihm wird mitgeteilt, welches Ziel er mit welchen Mitteln erreichen soll. Wie er das macht, ist seine Sache. Das bedeute mehr Kompetenzen für die Kommandeure, verlange allerdings Mut der Vorgesetzten und Vertrauen in die Untergebenen.

Der ehemalige Generalinspekteur, der als solcher verantwortlich war für Personal und Ausstattung des Heeres, betrachtet seine Bundeswehr mit kritisch-liebevollem Blick. „Ich bin froh, dass erkannt wurde, dass die Bundeswehr nicht mehr nur für Friedensmissionen da ist. Wir müssen auch dazu da sein, unser Land und unsere Partner zu verteidigen.“ In Eutin hatte Budde nur Lob zu vergeben. „Das Bataillon macht auf mich einen sehr guten Eindruck. Der Personalstand ist gut, die Infrastruktur ist deutlich besser geworden.“ Von der Gesellschaft wünscht er sich mehr Anerkennung für die Truppe.

„Es ist in Deutschland schwieriger als in anderen Ländern, in der öffentlichen Meinung zu bestehen.“ In Amerika etwa werde die Politik bekämpft, nicht die Soldaten. Oder, wie Aust das Bild der Soldaten in anderen Ländern beschreibt: „Denen bringt man Solidarität entgegen, das ist ein fairer Umgang.“

Von Susanne Peyronnet

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