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Ostholstein Betreten von Stränden verboten: Vögel sollen ungestört brüten
Lokales Ostholstein Betreten von Stränden verboten: Vögel sollen ungestört brüten
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23:25 10.04.2016
Zwergseeschwalben bauen ihre Nester auf dem Boden. Sie mögen ein Sand-Stein-Gemisch. Quelle: Fotos: Nabu Wallnau, Rosenkötter

/Fehmarn. Fuchs und Marder wollen ihren Nachwuchs fressen, Badegäste dort liegen, wo sie brüten. Der Lebensraum der Zwergseeschwalben hat sich in den vergangenen Jahrzehnten deutlich verkleinert. Die Population wurde minimiert. Die gerade einmal 45 Gramm schweren Vögel sind vom Aussterben bedroht. Um ihnen zu helfen, werden ab dem 1. Mai zwei Strandabschnitte im Bereich Lensterstrand (Gemeinde Grömitz) abgesperrt. Es ist eines von acht Gebieten im Kreis Ostholstein, in denen Menschen nicht immer willkommen sind.

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Einige Abschnitte an Ostholsteins Küste und Gewässern sind für Menschen tabu — Die Regelungen gelten bis auf eine Ausnahme nur in den Sommermonaten.

Für Karl-Peter Horst gilt das Verbot nicht. Der Vorsitzende der Nabu-Gruppe Lensterstrand ist so etwas wie der Hüter der Zwergseeschwalben. Jedes Jahr sperren er und seine Helfer eine etwa 850 sowie eine rund 8000 Quadratmeter große Fläche am Strand ab. Gleich unterhalb des FFK-Campingplatzes Sonnenland erwartet der Tierarzt in den kommenden Wochen zwischen 50 und 60 Vogelpaare. So viele gibt es an keinem anderen Ort in Schleswig-Holstein. Jedes wird sich einen Platz am Boden suchen, eine Art Mulde errichten und zwei bis drei Eier legen.

Damit Fuchs, Marder, Hermelin und Igel von dem Nachwuchs fernbleiben, wird die kleinere Fläche mit einem etwa ein Meter hohen Elektrozaun abgesperrt. Möwen und Krähen stört dies zwar wenig, dennoch erhöhen sich die Chancen, zu überleben, enorm. „Wir haben hier mit drei Paaren angefangen. Im vergangenen Jahr waren 62 hier“, erinnert sich Karl-Peter Horst. Dass er all diese Zahlen so präsent hat, liegt an seiner unermüdlichen Bestandsaufnahme. „Ich nummeriere die Nester, beringe die Jungen und mache Fotos. Ich bin jeden zweiten, dritten Tag da“, erläutert der Cismaraner.

Durch das Beringen habe man auch herausfinden können, dass die Zwergseeschwalben teils bis nach Afrika fliegen, um dort den Winter zu verbringen. „Mit den Jungen fliegen sie zur Hohwachter Bucht.

Dort lernen sie fischen. Dann geht es weiter an die Nordsee; nach Belgien, Spanien und bis in den Senegal. Das ist das Weiteste, was wir dokumentieren konnten“, so der Vorsitzende der Nabu-Ortsgruppe.

Dass sich die Arbeit von Karl-Peter Horst lohnt, bekräftigt auch Jan Henrich, stellvertretender Pressesprecher des Kreises Ostholstein. „Die Population der Zwergseeschwalben ist stabil und wäre ohne die intensive Einzäunung und Betreuung durch den Fachdienst Naturschutz nicht mehr existent. Es gibt seit Jahrzehnten nur drei Brutpopulationen in Schleswig-Holstein, die sich für die Vögel tradiert haben“, erläutert er. Deshalb sei die Art extrem gefährdet. Durch die Errichtung von Schutzgebieten würden zudem nicht nur die Zwergseeschwalben geschützt, sondern auch weitere seltene Arten, wie der Austernfischer und der Sandregenpfeifer.

Die meisten Betretungsverbote gibt es übrigens auf Fehmarn. In Gold, bei Westerbergen und an der Wulfener Steilküste soll so die Uferschwalbe ungestört leben können. Für diese Art gibt es zudem einen Bereich in Dahmeshöved. Die Strandbrüter haben einen vom Menschen abgetrennten Bereich auf der Fehmaraner Kohlhofinsel sowie Strandabschnitte am Fastensee. Und der Eisvogel kann ungestört an der Schwentine in Fissau brüten. Es sei denn, Fuchs und Marder finden einen Weg zum Gelege.

Seit mehr als 36 Jahren für Tiere im Einsatz

Zwergseeschwalben sind akut vom Aussterben bedroht. Sie stehen auf der Roten Liste und unterliegen besonderem Schutz. In Schleswig-Holstein gibt es lediglich drei Brutpopulationen.

Die Ortsgruppe des Naturschutzbundes (Nabu) Lensterstrand wurde am 30. November 1979 gegründet. Der Vorsitzende Karl-Peter Horst, Tierarzt aus Cismar, ist von Beginn an dabei. Die Gruppe kümmert sich auch um den Schutz von Erdkröten und hat eine eigene Heidschnuckenherde. Diese übernimmt die Pflege des Vordeichgeländes.

Von Sebastian Rosenkötter

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