Menü
Lübecker Nachrichten | Ihre Zeitung aus Lübeck
Anmelden
Ostholstein Betrug: Ein Ahrensböker wehrt sich
Lokales Ostholstein Betrug: Ein Ahrensböker wehrt sich
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
11:45 31.07.2017
Ahrensböker Kurt Steffens Quelle: Zill

Steffens hatte ihnen den Vorschlag gemacht, mitzufahren und den Betrug aufzudecken. Dies habe die Polizei verweigert. Aber auch allein hat sich der 75-Jährige nicht auf die Machenschaften eingelassen. Jetzt will er anderen Betroffenen Mut machen, sich gegen Betrüger zur Wehr zu setzen. Mit welchen Tricks die Anrufer arbeiten, hat der Senior selbst erfahren. Er habe 250000 Euro gewonnen, sagte man ihm einmal. Damit er das Geld erhalten könnte, müsste er schnell 800 Euro von seiner Bank auf eine andere Bank überweisen, die dann wiederum das Geld an die Lotterie überweist. Erst dann könne der Gewinn an ihn ausgezahlt werden. „Ich bin gleich zur Polizei“, erzählt Steffens. Diese Anrufe gäbe es ständig, hätten ihm die Beamten gesagt. Noch vier Mal erkundigten sich die „Glücksbotschafter“ per Anruf, ob Steffens das Geld schon überwiesen hätte. Als seine Frau Ursula Steffens schließlich den Anrufern klar zu verstehen gab, dass sie mit so einem „Gaunerkram“ nichts zu tun haben wollen, war Ruhe. „Das konnte man gut abwürgen“, sagt Steffens.

Polizei warnt

Wenn jemand dubiose Anrufe erhält, rät Polizeisprecher Dierk Dürbrook, keine Hinweise auf Finanzen oder Vermögen zu geben. Wer Opfer von Betrugs-Anrufen wird, soll sich bei der Polizei melden.

Doch als der 75-Jährige vor etwa drei Wochen die Nummer seiner Bank auf dem Display las, das Gespräch entgegennahm und hörte, dass die Bank sein Konto sperren wolle, bekam er Panik. „Das Vertrauen zu meiner Bank ist ja da, das war dann eine ganz andere Sache“, erinnert sich das Opfer. Warum das Konto gesperrt werden sollte, konnte die Frau am Telefon auch nicht sagen. „Ich sollte die Staatsanwaltschaft in Berlin anrufen. Dort rief ich auch an.“ Dort sagte man ihm, dass er einen Vertrag mit einer Lottofirma abgeschlossen habe, bei der inzwischen Mahnkosten in Höhe von 1365 Euro aufgelaufen wären. „Ich habe nie eine Mahnung bekommen“, betont Steffens. Das Verfahren könnte allerdings eingestellt werden, wenn er sofort 1000 Euro bei einer Adresse an der Glockengießerstraße in Lübeck abgeben würde. Er müsse aber sofort losfahren. Steffens stieg ins Auto – aber nicht Richtung Lübeck, sondern erneut Richtung Polizeistation in Ahrensbök. Als er von seinem Fall berichtete und erzählte, dass er an einer genauen Adresse 1000 Euro abgeben sollte und ob man ihn begleiten will, soll die erhoffe Hilfe erneut ausgeblieben sein. „Die Polizisten haben das abgelehnt“, erklärt Steffens. Das mache wohl zu viel Arbeit. Steffens ist enttäuscht über das Verhalten der Ahrensböker Polizei, die immer wieder auf diese Betrugsmaschen aufmerksam macht und um Hinweise aus der Bevölkerung bittet. Auch Polizeisprecher Dierk Dürbrook weist darauf hin, dass sich Opfer sofort bei der Polizei melden sollen. Dass die Beamten in Ahrensbök bei diesem Fall nicht geholfen haben sollen, könne er sich nicht vorstellen. „Normalerweise versuchen die Kollegen, bei einer Geldübergabe dabei zu sein. So etwas lässt sich eigentlich niemand entgehen“, so Dürbrook. Das von Kurt Steffen beschriebene Verhalten der Polizei sei untypisch. Das Ziel sei immer der Zugriff.

Gerade ältere Menschen werden Opfer von betrügerischen Anrufen. Auch Kurt Steffens hat zunächst immer mit den Personen am anderen Telefon gesprochen. „Je ehrlicher ein Mensch ist, desto schneller fällt er auf die Masche rein. Man kann sich einfach nicht vorstellen, dass der andere am Telefon lügt“, sagt Steffens, der sich am Schluss aus dem Gespräch „rauswinden“ konnte. Die Betrüger arbeiten zudem mit der Angst und setzten die Opfer unter Druck.

Deshalb rät Steffens, immer misstrauisch zu sein – und bloß nie mit „ja“ auf gestellte Fragen zu antworten, ergänzt er. „Die schneiden Telefonate mit und verwenden deine Antworten.“ Auch Polizeisprecher Dierk Dürbrook betont, immer vorsichtig zu sein, wenn der Angerufene nicht den Namen des Anrufers erfährt. „Man sollte sich immer vergewissern: Mit wem telefoniere ich überhaupt?“ Die Betrüger versuchten oft, Namen der Verwandtschaft herauszubekommen, um sich dann als diese Person auszugeben, Vertrauen zu erwecken und womöglich nach Geld zu fragen. „Das ist immer dieselbe Masche“, erklärt Dürbrook als Beispiel das Vorgehen der sogenannten „Enkeltrick- Betrüger“. Dürbrook rät weiterhin, keine Hinweise auf Finanzen oder auf Vermögen zu geben. „Wenn man das Gefühl hat, dass man dem Gesprächspartner nicht gewachsen ist, einfach auflegen.“

Bisher ist Kurt Steffens von erneuten Anrufen verschont geblieben. Wenn der Apparat jedoch wieder klingelt, er abnimmt und dubiose Machenschaften ahnt, legt Kurt Steffens einfach auf.

Beke Zill

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 22:00 und 07:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!
Anzeige