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Ostholstein Betrüger am Telefon: Vorsicht vor falschen Polizisten
Lokales Ostholstein Betrüger am Telefon: Vorsicht vor falschen Polizisten
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17:57 16.01.2019
Betrüger geben sich am Telefon als Polizisten aus und fragen Senioren über ihre Wertsachen aus. Quelle: BINDER
Oldenburg

Siegmar W. (79) hat richtig reagiert. Als sich ein Unbekannter am Telefon als Polizist ausgab und wissen wollte, wie er seine Wertsachen zu Hause verwahre, beendete der Oldenburger das Gespräch und informierte die (echte) Polizei. Es sind Fälle wie dieser, die die Beamten in Ostholstein und Lübeck zurzeit auf Trab halten. Allein in Oldenburg gingen diese Woche mehr als 30 Anzeigen wegen verdächtiger Anrufe ein. Auch im übrigen Kreisgebiet und in Lübeck versuchen Betrüger immer wieder, gerade ältere Menschen unter dubiosen Vorwänden zur Herausgabe von Geld oder Schmuck zu bewegen. Im Lübecker Stadtteil Kücknitz haben falsche Polizisten erst am Mittwoch einen 90-jährigen Mann um eine hohe Summe gebracht (den genauen Geldbetrag nennen die Ermittler aus taktischen Gründen nicht).

Tipps der Polizei

Ob Fragen am Telefon oder Unbekannte, die plötzlich vor der Tür stehen – die Polizei mahnt, sich nicht unter Druck setzen zu lassen. Auf keinen Fall sollten Betroffene Fremde in die eigenen vier Wände lassen. Polizisten und andere Menschen in offizieller Funktion könnten sich ausweisen. Bestehe auch nur der geringste Zweifel, solle man am besten die jeweilige Dienststelle oder auch direkt die 110 anrufen. Wichtig: Die vermeintlichen Beamten sollten Betroffene so lange vor der geschlossenen Haustür warten lassen. Am Telefon sollten außerdem keine persönlichen Informationen herausgegeben werden. Hier gelte: Im Zweifel einfach auflegen und die Polizei informieren.

Bei Siegmar W. klingelte das Telefon am Dienstag gegen 12 Uhr. Zuerst meldete sich seine Frau, die den Hörer aber schließlich verunsichert an ihren Mann weiterreichte. Der vermeintliche Polizist am anderen Ende der Leitung kam ihr komisch vor. Von zwei rumänischen Einbrechern berichtete er dem Oldenburger Ehepaar. Angeblich habe die Polizei die Täter festgenommen und bei ihnen eine Karte mit weiteren Einbruchszielen gefunden – darunter das Haus der W.s. Nun wolle man sich versichern, dass die Sicherheitsvorkehrungen ausreichten. Eine Geschichte, die der mutmaßliche Betrüger am gleichen Tag auch mindestens einer Nachbarin der W.s erzählt hat.

Betrüger forderten Oldenburger auf, Geld zu überweisen

Wie schon seine Frau schöpfte Siegmar W. Verdacht, dass an dem Anruf etwas faul war. Er fragte den Anrufer nach den Namen seiner vermeintlichen Kollegen bei der Polizei in Oldenburg – mit dem Verweis darauf, dass er die meisten Beamten dort schließlich persönlich kenne. Das sei ihm spontan eingefallen, sagt W. später, und offenbar habe es den Anrufer auch tatsächlich verunsichert. Zwar habe er noch versucht, sich damit herauszureden, dass er von einer Hamburger „Sonderkommission“ sei, dann aber aufgegeben und das Gespräch beendet.

Der Anruf sei derweil nicht der einzige Betrugsversuch in jüngster Zeit gewesen, berichtet Siegmar W.: Auch eine E-Mail – angeblich von einem Bekannten – habe er bekommen, mit der Bitte, wegen eines „Notfalls“ mehr als 3000 Euro auf ein fremdes Konto zu überweisen. Auch diesen Vorfall meldete er der Polizei.

Fieser Trick: Im Display erscheint eine Telefonnummer der Polizei

Dort weiß man um den Einfallsreichtum von Betrügern, wenn es darum geht, ältere Menschen über den Tisch zu ziehen. Sich als Polizeibeamte auszugeben, sei dabei immer wieder eine beliebte Masche. Am Telefon würden Senioren in der Regel aufgefordert, Geld oder Wertgegenstände an einen angeblichen „Kollegen“ zu übergeben. Die falschen Polizisten bedienten sich dabei einer Reihe von Vorwänden – etwa, dass Wertsachen zu Hause nicht mehr sicher seien oder auch auf Spuren untersucht werden müssten. Mit einer speziellen Technik gelinge es den Tätern sogar, ihren potenziellen Opfern die Notrufnummer 110 oder die Nummer einer örtlichen Polizeidienststelle anzeigen zu lassen. In Ostholstein gab es in der vergangenen Woche mehrere solcher Fälle in Eutin und Schönwalde.

Auch Axel Gieseler, Sicherheitsberater für Senioren in Bad Schwartau und früher selbst Polizist, kennt die Tricks der Betrüger. „Sie denken sich immer wieder Neues aus.“ In der Solbadstadt hätten ihm zuletzt ebenfalls diverse ältere Einwohner von dubiosen Anrufen vermeintlicher Polizisten berichtet. Eine Frau habe zudem eine Menge Geld verloren, weil ihr eine Notsituation vorgegaukelt worden war.

Wie die Polizei rät Gieseler Betroffenen: „Im Zweifel einfach auflegen.“ Das allerdings sei für viele Menschen viel schwieriger, als es klinge – schon mit Blick darauf, dass so etwas als „unhöflich“ gelte, sei bei Betroffenen häufig eine Art psychologische Sperre vorhanden. Die Täter wüssten sich am Telefon oft sympathisch darzustellen, würden versuchen, das Vertrauen ihrer Opfer zu gewinnen.

Der Sicherheitsberater mahnt, sofort die Polizei zu alarmieren, wenn einem ein Anruf oder auch ein Besuch von Unbekannten verdächtig vorkomme. Er weiß: Noch viel schlimmer als der Verlust von Bargeld oder Schmuck ist für Betroffene der seelische Schaden. Werde das eigene Vertrauen auf eine solch niederträchtige Weise missbraucht, trügen nicht wenige Menschen ein richtiges Trauma davon.

Auch die Frau von Siegmar W. – die ihren Namen nach dem Vorfall lieber nicht in der Zeitung lesen möchte – hat der Anruf des Unbekannten verunsichert. Zwar habe sie nach dem Telefonat zunächst nur darüber nachgedacht, wie merkwürdig die Situation gewesen sei. In der Nacht habe sie dann jedoch nicht besonders gut geschlafen, gibt sie zu, und sei bei jedem Geräusch aufgeschreckt. „Irgendwie steckt man das doch nicht ganz so einfach weg.“

Jennifer Binder

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