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Ostholstein Bilder gegen das Vergessen
Lokales Ostholstein Bilder gegen das Vergessen
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22:04 06.06.2018
Jan Schenck fotografiert das Schild der Eutiner Schützengilde „Seid fröhlich“ auf dem Festplatz, auf dem 1933 Bücherverbrennungen stattfanden. Quelle: Foto: Bz
Eutin

Der 36-Jährige hat vor fünf Jahren das von einem gemeinnützigen spendengeförderten Verein getragene Projekt „Verbrannte Orte“ gestartet, um von den Arealen der nationalsozialistischen Bücherverbrennungen sowohl Fotos in den Atlas zu stellen als auch Kurzbeschreibungen zu den Orten zu liefern. Das Ziel: eine Onlineseite zu den etwa 100 Vorfällen von 1933 zu erstellen . „Ich möchte den Orten ein Gesicht geben“, erklärt Schenck seine Motivation. Er will eine Informationsplattform schaffen, um Orte, Geschehnisse und die lokalen Zusammenhänge sichtbar zu machen.

Auf seiner Reise durch das nördlichste Bundesland machte er auch Halt in Eutin. Auf dem Festplatz am Vogelberg schaute er sich um und berichtete vom 25. Juni 1933. Dem Tag, als die Nationalsozialisten ihre Sommersonnenwendfeier in Eutin veranstalteten. Bereits am 10. Mai hatte die Deutsche Studentenschaft dazu aufgerufen, die Werke von ihr verfemter Autoren in die Flammen zu werfen. Die Aktion fand auf dem ehemaligen Berliner Opernplatz, dem heutigen Bebelplatz statt und war Höhepunkt der sogenannten Aktion wider den undeutschen Geist. Auch Werke von Erich Kästner fielen den Flammen zum Opfer.

Durch die Bücher dieses Autors und Gegners des NS-Regimes wurde der gebürtige Hamburger Jan Schenck erst auf die Geschehnisse von damals aufmerksam und las daraufhin „Das Buch der verbrannten Bücher“

von Volker Weidermann, um mehr zu erfahren. Dann besuchte er zunächst die Plätze der Verbrennungen in seiner Heimatstadt, wo nichts mehr an die Geschehnisse von damals erinnert. „Es waren Orte, die ich kannte“, erzählt Schenck, wie das Projekt seinen Anfang nahm.

Wenig Informationen über Bücherverbrennung in Eutin

Zurück nach Eutin: Vor fast genau 85 Jahren wurden auf dem Festplatz in einem festlichen Rahmen Werke bekannter Autoren vernichtet. „Oft wurden die Verbrennungen von nationalistischen Verbindungen organisiert. In Eutin sind die Besucher mit Fackeln vom Marktplatz zum Festplatz gelaufen“, erzählt Schenck. Mehr weiß er auch nicht. „Es ist nicht so viel bekannt über Eutin“, sagt er.

Wie über die meisten Orte der Bücherverbrennungen, an denen einfach das Leben weitergegangen ist – wie auf dem Festplatz der Eutiner Schützengilde von 1668.

Als der Fotograf auf dem Eutiner Areal nach einem passenden Motiv für den Online-Atlas sucht, fällt ihm das Schild mit der Aufschrift „Seid fröhlich“ ins Auge und positioniert sich mit seiner Großformat-Fachkamera vor dem Spruch. „Es hat etwas Absurdes“, sagt er. Wenn er das Bild im Kasten hat, pflegt er die acht Orte aus Schleswig-Holstein in den Atlas ein. 15 können schon nachgeschlagen werden. Es sollen noch viel mehr dazukommen. „Es geht darum, die Erinnerung am Leben zu halten und nicht zu vergessen.“

Den Online-Atlas finden Sie auf www.verbrannte-orte.de

 Von Beke Zill

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