Menü
Lübecker Nachrichten | Ihre Zeitung aus Lübeck
Anmelden
Ostholstein Billig, billiger, Bosau: Ort wirbt mit niedrigen Steuern
Lokales Ostholstein Billig, billiger, Bosau: Ort wirbt mit niedrigen Steuern
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
22:12 14.09.2016

So günstig wie in Bosau kommen Betriebe nirgends in Schleswig-Holstein bei der Gewerbesteuer davon. Ihren konkurrenzlos niedrigen Steuersatz will die Gemeinde jetzt offensiv vermarkten und damit um neue Firmen werben.

„Hier wird sich keine große Spedition ansiedeln.“ Max Plieske, Grüne

Der Hebesatz der Gewerbesteuer beträgt in Bosau 255 Prozent und liegt weit unter dem kreisweiten Durchschnitt von 349 Prozent. Deutschlandweit liegt die Gemeinde auf Platz 10320 von 11328 Kommunen (je niedriger die Gewerbesteuer, desto weiter hinten auf der Rangliste). Spitzenreiter in Ostholstein ist Malente mit 380 Prozent, gefolgt von Süsel, Timmendorfer Strand, Neustadt und Eutin mit jeweils 370 Prozent. Zweitgünstigster Ort ist Sierksdorf mit 325 Prozent.

Trotz des geringen Steuersatzes bringen die Gewerbesteuerzahler viel Geld in den Bosauer Haushalt ein. Der Betrag ist kontiniuierlich gestiegen. Nach Angaben von Bürgermeister Mario Schmidt (parteilos) waren es zu Beginn der 2000er-Jahre noch 80000 Euro, mittlerweile sind es 1,1 Millionen Euro pro Jahr.

Klingt gut. Damit das auch so bleibt, hatte die CDU-Fraktion vorgeschlagen, ein Marketingkonzept für Gewerbeansiedlungen in Bosau zu erarbeiten und offensiver mit dem niedrigen Steuersatz zu werben.

Ein Vorschlag, der bei den anderen Fraktionen auf Zustimmung stieß. Ein Zwischenergebnis für ein solches Konzept lag jetzt dem Wirtschafts- und Tourismusausschuss vor, erarbeitet vom Büro Georg Consulting aus Hamburg.

Die Bestandsaufnahme bestätigt mit Zahlen, was die Bosauer wissen und die Bosau-Urlauber schätzen: Die Gemeinde ist ruhig, ländlich, von der Natur geprägt und von „hoher Tourismusintensität“. Der Arbeitsmarkt ist klein, die Zahl der Auspendler sehr hoch. Entsprechend der Struktur der Gemeinde ist das Gastgewerbe bei den Bosauer Betrieben überdurchschnittlich vertreten. Es folgen Handel und Reparatur von Kfz, Baugewerbe, sonstige Dienstleistungen, der Rest ist zu vernachlässigen.

Gewerbegebiet – das ist in Bosau beinahe ein Fremdwort. Nur einer Fläche in Quisdorf ist als solches ausgewiesen, erläutert Schmidt. Was aber nicht bedeute, dass Betriebe nicht willkommen sind und kein Platz für sie da ist. „Wenn eine Firma kommt, suchen wir geeignete Flächen“, so Schmidt. Die Interessenten würden beraten, Vertreter der Gemeinde begleiten sie zur Landesplanung, und wenn es losgehen soll, wird die Bauleitplanung auf den Weg gebracht. Bosau, so Schmidt, tue alles, um maßgeschneiderte Angebote zu unterbreiten.

Der Ausschuss nahm die Analyse zur Kenntnis. Die Gewerbeansiedlung, so der Vorsitzende Max Plieske (Grüne), sei nicht ganz einfach, weil der Schwerpunkt der Gemeinde im Tourismus liegt. „Hier wird sich keine große Spedition ansiedeln“, so sein Fazit.

Susanne Peyronnet

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 22:00 und 07:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!

Ostholstein zeichnet unter der Schirmherrschaft des Kreispräsidenten Ulrich Rüder (CDU) erstmalig besonders familienfreundliche Unternehmen in Ostholstein aus.

14.09.2016

Zweckverband soll Ahrensböker Abwasser entsorgen.

14.09.2016

Malte Bergmann hat den Titel erst ein Jahr und sitzt im Ausschuss der Handwerkskammer.

14.09.2016
Anzeige