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Ostholstein Biologen schlagen Alarm: Gefahr für die Schweinswale
Lokales Ostholstein Biologen schlagen Alarm: Gefahr für die Schweinswale
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11:12 14.06.2017
Ingo Ludwichowski vom Nabu schwebt als neue Sundquerung ein Bohrtunnel vor. Quelle: Fotos: Peter Mantik, Florian Graner/dpa
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Großenbrode

Die LN treffen Ingo Ludwichowski, Pressesprecher des Nabu, im Ortsteil Großenbroder Fähre mit Blick auf die Sundbrücke.

Nabu Schleswig-Holstein präferiert Bohrtunnel am Sund.

Er erklärt: „Schweinswale sind besonders bedroht, ihr Erhaltungszustand ist schlecht.“ Die Sterberate sei höher als die Reproduktionsrate. Daher sei es geboten, bei Planungen wie etwa für Sund- und Beltquerung eine besondere Sorgfalt walten zu lassen. Doch beim Blick in die Gutachten wie etwa von Bauherr Femern A/S zu den Schweinswalen im Belt sagt Ludwichowski: „Hier ist eindeutig zu wenig Sorgfalt eingeflossen.“

Belt und Sund seien Durchzugs- und Nahrungsgebiete. Man wisse vom Nabu in Wallnau auf Fehmarn und von vielen Seglern, dass sehr oft Schweinswale um Fehmarn herum gesichtet würden. Schweinswale seien extrem lärmempfindlich, weil ihre Orientierung durch die Akustik gesteuert würde. Sie seien die Fledermäuse des Meeres. Während des Belttunnelbaus sollen laut Femern A/S die Schweinswale vergrämt, also punktuell mit lauten Geräuschen vertrieben werden, um sie vor noch lauteren Geräuschen zu bewahren. Doch Ludwichowski sagt: „Wir wissen aber gar nicht, wie die Tiere auf die Vergrämung reagieren.“ Ludwichowski befürchtet, dass Kälber und Weibchen durch Vergrämungen in Panik geraten und bei der Flucht voneinander getrennt werden könnten. Daher behalte sich der Nabu auch den Klageweg offen.

Denn große Unterstützung wie etwa von der Europäischen Union erwartet der Nabu nicht. „Die EU schaut alle sieben Jahre, wie es dem Schweinswal geht. Fällt ihr etwas auf, wird die Bundesregierung informiert. Das ist keine direkte Hilfe“, meint Ludwichowski. Er wisse zwar, dass sich das Projekt zumindest juristisch nicht auf Dauer aufhalten lasse, doch er sagt auch: „Unsere Erfahrungen zeigen uns, dass wir das Projekt um vier bis fünf Jahre verzögern können.“

Als aktuelles Beispiel benennt er die Elbvertiefungen, wo für die Natur stark nachgebessert werden müsse. Dies koste viel Geld. Die Finanzierung bei den Banken würde für die Baukonsortien wie etwa beim Belttunnel zur Belastungsprobe. Ludwichowski glaubt: „Das wird ein Thema für das Bundesverwaltungsgericht in Leipzig. Die Fertigstellung des Belttunnels sehe ich nicht vor 2033.“

Das Ziel des Nabu bleibt der größtmögliche Schutz der Natur. Daher hat der Verband auch eine klare Präferenz, wenn es um das Thema neue Sundquerung geht. Ludwichowski meint, dass angesichts der vielen FFH-Gebiete am Sund eine Bohrtunnellösung die verträglichste Variante wäre. Laut Experten der Bahn aber auch eine extrem teure.

Wale

Schweinswale sind 1,60 bis 2,0 Meter lang, schwimmen bis zu 22 Kilometer pro Stunde schnell, wiegen zwischen 50 und 90 Kilogramm, werden bis zu 23 Jahre alt und ernähren sich von Fischen und Kalmaren. Natürliche Feinde sind Haie und Menschen mit ihren Fischernetzen.

Lebensraum ist vor allem die nördliche Erdhalbkugel, zum Beispiel in Fjorden. In der Ostsee sind die Wasserverschmutzung sowie der Unterwasserlärm ein Problem für die Tiere.

 Peter Mantik

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