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Ostholstein Bittere Bilanz: Rückzug von Alexander Bauer
Lokales Ostholstein Bittere Bilanz: Rückzug von Alexander Bauer
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21:18 14.09.2016
Glückwunsch damals bei der Wahl von Alexander Bauer, nun übernimmt vorerst Karlheinz Jepp. Quelle: aj

Es gab einen Moment auf der Sitzung des Mobilitätsbeirates, da war es am Dienstagabend ganz still. Es war eine Stille, die ein Ende markierte, denn kurz zuvor hatte der Vorsitzende Alexander Bauer unverhohlen bewegt sein Amt niedergelegt. Seit der Gründung des Beirates mit 16 Stimmberechtigten im März 2014 hatte er die Funktion inne, sein Stellvertreter Karlheinz Jepp (SPD) wird übernehmen, bis nach einer Neuausrichtung ein neuer Vorsitzender gewählt wird.

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Enttäuschung beim Mobi-Beitratschef – Stellvertreter Karlheinz Jepp übernimmt.

Astrid Jabs zum Rückzug von Alexander Bauer aus dem Vorstand des Mobilitätsbeirats

Daran, dass es ein bitterer Abschied war, den er nahm, ließ Bauer keinen Zweifel: Anhand dreier Fragen hatte er zunächst seine Einschätzung der Rolle des von ihm bis dato geführten Gremiums gegeben: „Läuft die inhaltliche und organisatorische Zusammenarbeit mit der Verwaltung und mit den Gremien der Stadt optimal? Gibt es einen ausreichenden fachlichen Austausch mit der Selbstverwaltung Eutins? Ist – nach zweieinhalb Jahren Beiratsarbeit – der in der Satzung definierte Auftrag gelungen; oder sind wir wenigstens auf dem richtigen Weg?“ Sein Urteil: „Diese Fragen müssen aus meiner Sicht derzeit mit einem NEIN beantwortet werden.“ In die Diskussion wichtiger Themen sei der Beirat nicht eingebunden gewesen, erklärte Bauer und nannte als jüngste Beispiele den vorerst ausgesetzten Verkehrsversuch am Rosengarten und die Umgestaltung des Zob. Dazu, wie er persönlich den Kontakt zu Gremien und Verwaltung erlebt hat, sagte er: „Ich bin (...) beeindruckt, wie oft Eutin die dargebotenen Schätze von uns Ehrenamtlern ignoriert, abwertet oder sofort mit spitzen Fingern in den Mülleimer fallen lässt.“

Für Bauamtsleiter Bernd Rubelt stellte sich dies indes anders dar: „Die Zusammenarbeit fand ich konstruktiv, Ihr klares Nein kann ich nicht bestätigen“, so Rubelt, in dessen Fachgebiet viele der Themenfelder des Mobilitätsbeirates fallen. Den Schwarzen Peter mangelnden Respekts gab er zurück: „Die Stimmung war häufig davon geprägt nachzuweisen, wo Verwaltung Fehler gemacht hat. Und letztlich macht dabei der Ton die Musik.“

Einig waren sich Bauer und Rubelt darüber, dass Rolle und Aufgabenfeld des Beirates für die Zukunft neu diskutiert werden müssten. An diesem Punkt seien auch die politischen Fraktionen gefragt, betonte Monika Obieray (Bündnis 90/Grüne). Als Vorsitzende des Bauausschusses machte sie für ihr Gremium eine starke Präsenz des Beirates aus, die allerdings nicht zu Beschlüssen geführt habe: „Es muss Menschen nahegebracht werden, was Standard ist. Das dauert in Eutin lange“, meinte sie. Ein aus seiner Sicht grundsätzliches Manko sah Jens Rose-Zeuner (Fahrradinitiative) darin, dass in Eutin keine Stelle für einen Beauftragten für Mobilitätsfragen geschaffen wird: „Die Ablehnung dieser Funktion habe ich als Bruch erlebt und es hat dazu geführt, dass Ehrenamtler sich dieser Arbeit annehmen.“ Ohne eine diesbezügliche Lösung werde das Problem bleiben und die Stimmung nicht besser werden. Für Alexander Bauer gab es Dank und Anerkennung von den Beiratsmitgliedern. Als Vertreter des Verkehrsclubs Deutschland wird er weiter im Beirat mitarbeiten.

Ein zu hoher Preis

Verkehr ist Kommunikation. Und dass Eutin einen offenen, konstruktiven Dialog abseits der vertrauten Schleichwege und unübersichtlichen Brennpunkte braucht, erleben fast alle, die zu Fuß, auf dem Fahrrad, im Auto, mit Kindern oder im Rollstuhl in der Stadt unterwegs sind. Es gibt kundige Menschen, die diesen Austausch gestalten wollen – in den Institutionen und im Ehrenamt. Alexander Bauer gehört zu letzteren. Sein Engagement hat man ins Leere laufen lassen, so hat er es empfunden und das hat ihn zum Rücktritt bewogen.

Bestenfalls geht davon eine Signalwirkung aus, und eine ergebnisorientierte Zusammenarbeit mit Gremien und Verwaltung wird nun möglich. Der Rückzug dieses Vorsitzenden aber bleibt auch dann ein (zu) hoher Preis.

Astrid Jabs

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