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Blinde Patientin würdelos behandelt?

Timmendorfer Strand/Neustadt Blinde Patientin würdelos behandelt?

Empörung herrscht im Timmendorfer Aura-Hotel über das, was einer 64-jährigen Urlauberin passiert ist: Sie wurde offenbar mit gebrochener Schulter ins Taxi gesetzt - mit offenem OP-Hemd und Kanüle im Arm, heißt es. Die Schön-Klinik äußerte sich auf LN-Nachfrage nur sehr zurückhaltend.

Statt entspannter Urlaubstage erlebte Gudrun Gniot (Mitte) ein schlimmes Wochenende. Betreuerin Margret Neuendorf (rechts) und Monika Daubertshäuser, Vorsitzende des Blinden- und Sehbehindertenvereins Wuppertal, stehen ihr zur Seite.

Quelle: Benthien

Timmendorfer Strand/Neustadt. Es hatte ein fröhlicher, erholsamer Urlaub werden sollen. Aber schon am zweiten Tag nach ihrer Ankunft im Timmendorfer Aura-Hotel stürzte Gudrun Gniot mittags in ihrem Zimmer. Die blinde Frau verletzte sich dabei an der Schulter und musste mit dem Rettungswagen ins Krankenhaus gebracht werden. In der Neustädter Schön-Klinik wurde ein Bruch diagnostiziert. Den anschließenden Umgang mit der Patientin beschreibt die Gästebetreuerin des Hotels, Christiane Jörger, empört als „unglaublich und würdelos“.

„Ich habe gleich den Rettungswagen gerufen.“ Christiane Jörger, Gästebetreuerin

Gudrun Gniot sei am Abend wieder nach Timmendorfer Strand gebracht worden – in einem Taxi, den Arm fixiert, am Oberkörper nur mit dem hinten offenstehenden OP-Hemd bekleidet. Ihre Reisegruppe, der Blinden- und Sehbehindertenverein Wuppertal, und Christiane Jörger waren entsetzt. „Frau Gniot hatte sogar noch die Kanüle im Arm“, so Christiane Jörger. Auch Elektroden klebten noch am Oberkörper der 64-Jährigen. „Einen Transportschein für die Taxifahrt hatte man ihr auch nicht mitgegeben.“

Die Gästebetreuerin im Aura-Hotel, das auf blinde und sehbehinderte Menschen spezialisiert ist, hatte am Freitag gegen 13.30 Uhr, als Gudrun Gniot von ihrer Gruppe vermisst wurde, mit einem Generalschlüssel die Tür des Hotelzimmers geöffnet und die Frau hilflos auf dem Boden liegend gefunden. Gudrun Gniot war gestolpert und so unglücklich gestürzt, dass sie nicht allein aufstehen konnte. „Sie hatte starke Schmerzen, und ich habe nicht lange gefackelt, sondern gleich den Rettungswagen gerufen“, beschrieb Jörger die Ereignisse. In der Schön-Klinik sei beim Röntgen eine Fraktur in der linken Schulter erkannt worden.

Am Donnerstag, 8. September, sei ein OP-Termin frei, habe man der Patientin im Krankenhaus und ihren Mitreisenden im Aura-Hotel telefonisch mitgeteilt. So schildern es Gudrun Gniot sowie Monika Daubertshäuser, Vorsitzende des Wuppertaler Vereins, und Margret Neuendorf, ehrenamtliche sehende Helferin. Alle waren ratlos: Die Reisegruppe fährt am Montag, 12. September, nach Hause zurück.

Bis dahin wäre Gudrun Gniot nicht in der Lage, die Heimreise im Bus anzutreten, habe es aus der Klinik geheißen, berichteten die Frauen. Um einen Krankentransport nach Wuppertal müsse der Verein sich kümmern, die Schön-Klinik sei nicht zuständig.

Zeit, das Vorgehen zu durchdenken, habe es für die Reisegruppe – 20 Blinde beziehungsweise stark in ihrem Sehen eingeschränkte Menschen – nicht gegeben. Als klar geworden sei, dass der vorgeschlagene OPTermin eher nicht in Frage komme, habe die Schön-Klinik Gudrun Gniot nur noch loswerden wollen, heißt es. „Sie wollten sie nicht einmal für die Nacht von Freitag auf Sonnabend dort behalten“, so Monika Daubertshäuser entrüstet. Es habe einen Anruf gegeben – „Frau Gniot kommt nachher mit dem Taxi“ – und von da an habe immer eine Person vor dem Hotel auf den Wagen gewartet.

Christiane Jörger bezeichnet das Verhalten der Ärzte und Angestellten aus dem Sekretariat, mit denen mehrere Telefongespräche geführt worden seien, als beschämend. Als sie am Sonnabend – Gudrun Gniot kam erst am Freitagabend gegen 20.45 aus Neustadt zurück – in der Schön-Klinik angerufen und beklagt habe, dass Gudrun Gniot noch eine Kanüle im rechten Arm habe und sie diese ja nicht einfach ziehen könne, habe man ihr gesagt: „Dann bringen Sie sie doch einfach her.“

„Aber auch dafür sollten wir keinen Transportschein bekommen, Frau Gniot hätte das auf eigene Kosten machen müssen“, empört sich die Gästebetreuerin. Auch dass zwar im Arztbrief steht, die Schmerztabletten seien viermal pro Tag einzunehmen, dies aber der Patientin nicht gesagt worden sei, rege sie auf: „Die Frau ist schwarzblind, sie kann nichts sehen.“

Die Schön-Klinik äußerte sich auf LN-Nachfrage nur sehr zurückhaltend. „Wir sind dabei, den dargestellten Sachverhalt zu prüfen, wobei wir zugleich um Verständnis bitten, dass wir uns zu einem Behandlungsfall nicht öffentlich äußern werden“, heißt es von dort. In der medizinischen Behandlung von Frau Gniot habe kein Fehler vorgelegen. Beschwerden nähme man in der Schön-Klinik „sehr ernst“, sie würden „gewissenhaft“ aufgearbeitet, „zumal wir stetig daran arbeiten, unsere Qualität weiter zu verbessern“.

Die Lage für Gudrun Gniot verbesserte am Sonnabend zunächst ein herbeigerufener Bereitschaftsarzt, berichtet Christiane Jörger: „Er hat die Kanüle gezogen.“ Nach der Vermittlung durch eine Niendorfer Arztpraxis sei die Verletzte schließlich am gestrigen Montag in der Lübecker Sana-Klinik erneut untersucht worden. Dort soll sie heute operiert und später, wenn sie transportfähig ist, nach Wuppertal gebracht werden. „Jetzt müssen wir mit dem sozialen Dienst sprechen und die Kostenfrage regeln“, sagt Christiane Jörger, die hofft, dass die unglückselige Geschichte für die Timmendorfer Urlauberin noch ein glimpfliches Ende nehmen wird.

 ben/latz

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