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Ostholstein Blinde lernen Segeln mit Paralympics-Sieger
Lokales Ostholstein Blinde lernen Segeln mit Paralympics-Sieger
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21:03 24.08.2017
Testen die Wassersportmöglichkeiten in Großenbrode (v. l.): Simon, Karin, Bernd, Fabian, Horst und Anja aus Nürnberg. Quelle: Fotos: Billhardt

„Ich bin überzeugt, dass keine andere Sportart so inklusiv ist wie der Wassersport“, sagt Heiko Kröger – und er weiß, wovon er redet. Kröger wurde ohne linken Unterarm geboren. Trotzdem segelt er von Anfang an gegen Nichtbehinderte. „Auf dem Wasser werden alle gleich behandelt“, betont der Goldmedaillen-Gewinner der Paralympics von Sydney im Jahr 2000. In London 2012 holte er dann Silber. Jetzt kam Heiko Kröger nach Großenbrode und erläuterte der Blindengruppe das Segeln mit dem Katamaran. „Ich habe sonst wenig Zeit, bin im Training oder im Wettkampf. Aber hier ist es schön, mal ohne Druck aufs Wasser zu gehen.“

Gruppe aus Nürnberg testet Wassersport-Angebot mit Heiko Kröger.

Während der ersten beiden Tage in Großenbrode haben die Gäste aus dem Frankenland Stand-up- Paddeling und Windsurfen bei der Wassersportschule Sailaway ausprobiert. „Vor zehn Jahren stand ich schon mal auf einem Brett. Ich war überrascht, dass ich mich wieder so schnell darauf halten konnte“, erzählt Bernd. Für sie alle sei es aber eine Premiere und eine klasse Erfahrung an der Ostsee. „Es ist ein tolles Team, das sich um uns kümmert“, sagt Karin und kann nicht aufhören zu schwärmen: „Ich bin fasziniert vom Meer.“

Tobias Michelsen von der Wassersportschule hat 2015 den Verein „Sail United“ gegründet, der sich „barrierefreien Wassersport für alle“ auf die Fahnen geschrieben hat: „Blinde und Sehbehinderte erlernen den Wassersport manchmal sogar viel schneller als Normalsehende.“ Sie würden durch die geschärften anderen Sinne eher spüren, wie der Wind sich dreht oder woher die Böe kommt, erläutert Michelsen. „Außerdem schafft der Wassersport Selbstvertrauen, steigert Selbstwertgefühl und Teambildung.“ Auch helfe es beim gleichberechtigten Leben in der Gesellschaft.“

In Deutschland gebe es mittlerweile acht Segelvereine, die sich dem Inklusionsmotto „Segeln für alle“ verschrieben hätten, sagt Kröger, doch er wünsche sich noch viel mehr. „Es muss in die Köpfe der Leute, dass es dafür nicht groß Veränderungen braucht.“ Blinde und auch Rollstuhlfahrer könnten ohne Weiteres segeln. Der mehrfache Kieler Woche-Sieger, Deutsche Meister und Weltmeister hat dazu selbst ein Handbuch geschrieben. „Ich versuche darin von A bis Z in prägnanten Worten zu erläutert, wie es geht.“

„Wir haben viel Spaß dabei, die ganzen Wassersportmöglichkeiten kennenzulernen und sind jetzt ganz gespannt auf das Katamaran- Segeln mit dem Profi“, sagt Simon, der wie die anderen erst einmal das Boot von vorne bis hinten ertastet, bevor es nach einer Einweisung raus auf die Ostsee geht.

 Markus Billhardt

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