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Bluttat in Kabelhorst: Ehefrau fürchtete Voodoo-Zauber

Prozessbeginn Bluttat in Kabelhorst: Ehefrau fürchtete Voodoo-Zauber

Im Prozess um den Tod von Jean-Claude T. aus Kabelhorst wird ein Geständnis erwartet. T.s Ehefrau, die sich seit gestern wegen Mordes vor dem Lübecker Landgericht verantworten muss, erwarte eine „gerechte Strafe für die Tat, die sie zutiefst bereut“, sagte ihr Anwalt zum Prozessauftakt.

Quelle: DDP

Lübeck/Kabelhorst. Die 43-Jährige soll im vergangenen Oktober ihren schlafenden Mann erstochen haben. Die beiden kleinen Kinder des Paares sind seither in einer Pflegefamilie untergebracht (LN berichteten). Nach der Tat hatte die Frau noch behauptet, zwei Männer seien nachts ins Haus eingedrungen und hätten den Familienvater getötet, während sie selbst daneben lag. Vor Gericht will die zweifache Mutter offenbar nicht an dieser Version festhalten: „Sie wird gestehen“, kündigte Rechtsanwalt Stefan Tripmaker eine „umfassende Erklärung“ seiner Mandantin für den dritten Verhandlungstag an (4. Mai, 9 Uhr).

Jean-Claude T. wurden nach Angaben der Staatsanwaltschaft mit einem „größeren Messer“ acht Stiche in den Kopf- und Halsbereich sowie sechs in die rechte Bauchseite zugefügt, während er geschlafen hat. Während die Anklage seiner Frau heimtückischen Mord vorwirft, ist die Tat laut Verteidigung allerdings eher als „minderschwerer Fall von Totschlag“ zu werten. Die Ehe sei „zerrüttet“ gewesen, T. habe seine Frau betrogen, tyrannisiert und gedemütigt, so Tripmaker. Auch Voodoo und Hexerei sollen im Spiel gewesen sein. Die Frau kamerunischer Herkunft sei „von der Angst erfüllt gewesen, vom eigenen Mann zurück nach Afrika geschickt und von den eigenen Kindern getrennt zu werden“, sagte der Verteidiger. Sie habe unter einer „tiefgreifenden Bewusstseinsstörung“ gelitten und sei zum Tatzeitpunkt „nicht in der Lage gewesen, ihr affektives Verhalten zu steuern“. Mit dem Vorwurf des Mordes mache man es sich „ein bisschen zu leicht“.
Staatsanwalt Niels-Broder Greve hielt dagegen, die 43-Jährige habe definitiv in der Absicht gehandelt, zu töten. Ihr Mann habe sich im Schlaf nicht gegen den Angriff wehren können. Der Tatort wurde als Zeugnis extremer Gewalt beschrieben: Notfallsanitäter sprachen von „Blutlachen“ und „klaffenden Wunden“, ein Polizist schilderte seinen ersten Eindruck mit den Worten: „Es sah aus, als sei der Kopf des Opfers abgetrennt worden.“

Laut Rechtsanwalt Tripmaker „würde sie ihre Tat ungeschehen machen, wenn sie könnte“. Die Angeklagte „wollte ihren Kindern nicht den Vater nehmen“, betonte er. Die beiden vier und zwei Jahre alten Söhne des Kabelhorster Ehepaars werden beim Prozess ebenfalls durch einen Anwalt vertreten: Kurzfristig wurde dem Antrag stattgegeben, dass die Kinder – in Abwesenheit, versteht sich – als Nebenkläger auftreten.

Die beiden sind seit der Verhaftung ihrer Mutter etwa eine Woche nach dem Tod des Vaters bei Pflegeeltern untergebracht. Ihre Mutter haben sie seither nicht gesehen; im Gefängnis durften sie sie nicht besuchen. Eine Nachbarin beschrieb die Kinder vor Gericht als „sehr ruhig und zurückhaltend“. In der ersten Pflegefamilie seien die beiden „regelrecht aufgeblüht“, hätten „herumgekaspert“ und gelacht.
Die Ehe von Jean-Claude T. und seiner Frau habe sie „eigentlich immer für gut gehalten“, sagte die Nachbarin. Erst im Nachhinein seien ihr Gerüchte zu Ohren gekommen, dass der Mann seine Frau schlecht behandelt habe. Ihr gegenüber habe die 43-Jährige davon nie etwas erwähnt – offenbar habe sie jedoch anderen Nachbarn „ihr Leid geklagt“.

Diese und weitere Zeugen sollen im weiteren Verlauf des Prozesses noch gehört werden. Insgesamt sind bis zum 15. Juli neun Verhandlungstage anberaumt. Der nächste Termin ist am kommenden Freitag, 29. April, um 9 Uhr in der Schwartauer Landstraße 9-11.

Jennifer Binder

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