Menü
Lübecker Nachrichten | Ihre Zeitung aus Lübeck
Anmelden
Ostholstein Bonbon für Stromtrassen-Gegner
Lokales Ostholstein Bonbon für Stromtrassen-Gegner
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
23:18 30.05.2018
Robert Habeck sprach in Ratekau vor vollem Haus. Quelle: Foto: Peyronnet
Ratekau

Der Grünen-Kreisverband Ostholstein und die Landtagsabgeordnete Marlies Fritzen hatten zu einer Versammlung ins Ratekauer Rathaus eingeladen. Habeck wollte den aktuellen Stand in Sachen Ostküstenleitung aufzeigen. Die vielen Gegner der Stromtrasse, die im Sitzungssaal saßen und von denen einige draußen mit Protestplakaten beklebte Fahrzeuge abgestellt hatten, machten aus ihrem Widerstand keinen Hehl.

„Wenn die Leitung nicht gebraucht wird, wird sie nicht gebaut. Wir gehen aber davon aus, dass der Bedarf da ist.

Robert Habeck,

Umweltminister

Von Habeck erhielten sie am Ende der Veranstaltung Lob, weil es sachlich blieb, keine Trillerpfeifen gellten oder Buhrufe erklangen. Zu Beginn hatte der Minister zwei Dinge klar gemacht. „Aus meiner Sicht reden wir über das Wie, nicht das Ob des Netzausbaus.“ Einen Weg, der eine erneuerbare Energieversorgung unmöglich mache, gehe er nicht mit. Und er verwahre sich dagegen, dass die Bundesnetzagentur oder sonst jemand als korrupt oder von eigenen Interessen getrieben diffamiert werde.

Nachdem dieses Terrain abgesteckt war, begründete Habeck die Notwendigkeit der Ostküstentrasse damit, dass Ostholstein so viel Strom aus erneuerbaren Energien produziere, dass die jetzigen Transport-Kapazitäten nicht ausreichten. Er rechne damit, dass noch vor den Sommerferien die neuen Windenergiegebiete veröffentlicht werden. An der Windstrommenge werde das vermutlich wenig ändern.

Aber: „Wenn die Leitung nicht gebraucht wird, wird sie nicht gebaut. Wir gehen aber davon aus, dass der Bedarf da ist.“

Redner aus dem Publikum meldeten Zweifel an, ob eine 380-kV- Leitung nicht überdimensioniert sei, ob eine 220-kV-Leitung nicht ausreichen würde. Diese Leitungen, so Habeck, würden gar nicht mehr gebaut. Die Alternative Erdkabel sei umstrittener als Freileitungen, der Widerstand erheblich. „Erdverkabelung geht nicht“, sagte Habeck, mit Ausnahme von wenigen, kurzen Abschnitten.

Ein Zuckerl hatte er für die von Hochspannungsleitungen über ihren Häusern gebeutelten Ostholsteiner. „Ich gebe die Zusage, dass die anderen Leitungen verschwinden, wenn die 380-kV-Leitung gebaut wird.“

„Na, das wäre doch was“, kam ein Zwischenruf aus dem Publikum. Die Lösung liegt darin, dass die 110-kV-Leitungen oben auf die Masten der 380-kV-Leitung draufgelegt werden. „Wir sprechen mit Tennet (der Auftragnehmer, d. R.) über eine Mitführung der 110-kV- Leitung. Die Signale sind gut“, sagte der Staatssekretär im Umweltministerium, Tobias Goldschmidt.

Eine andere Frage zielte darauf ab, was die Landesregierung unternehme, um „dieser gebeutelten Region“, also Ostholstein, etwas Gutes zu tun. Habecks etwas flapsige Antwort: „Was Sie wollen, müssen Sie selber sagen. Ich bin nicht der Weihnachtsmann.“ Dann etwas ernster: „Jeder in der Landesregierung weiß, dass Ostholstein unter Druck steht.“ Ausgleich einzufordern, so sieht es auch ein Zwischenrufer, sei Sache der Gemeinden.

Aber nicht immer, wie ein Landwirt einwandte. „Es gibt so viele Eingriffe in Ostholstein. Können Sie uns zusichern, dass auch wir hier etwas von der Natur zurückbekommen, oder geht das weiter weg?“

Mögliche Ausgleichsflächen könnten bei Eckernförde oder sonst wo liegen. Habeck: „Das ist das Problem in Ostholstein, der Raum ist so verdammt eng.“

 Susanne Peyronnet

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 22:00 und 07:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!