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Ostholstein So klingt die Orgel wieder harmonisch
Lokales Ostholstein So klingt die Orgel wieder harmonisch
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16:00 03.04.2019
Orgelbaumeister Hans-Ulrich Erbslöh setzt die gerichteten Federn für die Mechanik ein, mit der die Züge zwischen den Tasten des Manuals und den Ventilen der Pfeifen gesteuert werden. Quelle: Dirk Schneider
Bosau

Die Orgel der Vicelin-Kirche St. Petri zu Bosau pfeift sinnbildlich auf dem letzten Loch. Die Spezialisten Hans-Ulrich Erbslöh und Jan Kirschner sind derzeit damit beschäftigt, die Königin der Instrumente wieder zum Singen und Klingen zu bringen.

In einem ersten Arbeitsgang mussten zunächst alle Oberflächen gereinigt werden, berichtet Orgelbaumeister Erbslöh. „Die Orgel war stark verstaubt.“ Unter der dicken Staubschicht habe man dann an einigen Stellen eine leichte Schimmelbildung festgestellt, die nun bekämpft werde. Die eigentlichen Defizite lägen allerdings im klanglichen Bereich. „Viele Töne klingen schräg, manche Pfeifen lassen sich gar nicht mehr anspielen und bleiben stumm“, lautet Erbslöhs ernüchternde Bestandsaufnahme. Verstärkt werde dieses Problem durch eine schwergängige Mechanik.

Die Beläge aus Elfenbein waren durchgespielt

Aus diesem Grund hat Erbslöh zunächst damit begonnen, die Manuale wieder gangbar zu machen. Die höher liegenden Tasten für die Halbtöne, die bei der Orgel im Gegensatz zum Klavier weiß gefärbt sind, mussten dabei komplett überarbeitet werden. „Die Beläge aus Elfenbein waren durchgespielt, die Kanten teilweise so dünn, dass man sich die Finger daran schneiden konnte“, erzählt Erbslöh. Die scharfkantigen Tasten wurden ausgebaut, etwas flacher gesägt und komplett abgeschliffen. Für die neue Auflage verwendete der Orgelbauer kein Elfenbein, sondern Rinderknochen.

Die Pfeifen von St. Petri werden instandgesetzt

Im zweiten Schritt richtet Erbslöh die Mechanik zwischen Tasten und Ventilen. Alle Züge werden gangbar gemacht und gerichtet, jede Feder wird ausgebaut. Bei der Spannungsprüfung stellt Erbslöh etwas verwundert fest, dass diese meist nicht ausgeleiert, sondern zu stramm seien, was die Spielbarkeit deutlich verschlechtert habe. Vor dem Einbau werden die Metallteile mit viel Fingerspitzengefühl neu justiert und anschließend auch gleich ausprobiert. „Der Anschlag stimmt schon mal wieder“, sagt Erbslöh nach einem kurzen Zwischenspiel zufrieden.

Puzzle aus 1244 Pfeifen

Jan Kirschner ist parallel damit beschäftigt, die 1244 Pfeifen des 47 Jahre alten Instruments auszubauen, zu reinigen, zu kontrollieren und zu richten. In ein paar Tagen, wenn das riesige Puzzle auf engstem Raum wieder zusammengesetzt ist, beginnt die Hauptarbeit für die Orgelbauer. „Die 18 Register müssen neu intoniert werden“, erklärt Erbslöh. Das bedeutet, dass das Zusammenspiel aller Pfeifen in verschiedensten Kombinationen aufeinander abgestimmt werden muss. In zwei Wochen sollen sämtliche Arbeiten abgeschlossen sein, so dass die 1972 erbaute Orgel nach der Generalüberholung rechtzeitig zu Ostern den sakralen Raum bei Gottesdiensten und Konzerten wieder mit harmonischem Wohlklang erfüllen kann.

Dirk Schneider

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