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Ostholstein Starker Gegenwind für Windenergie-Planung
Lokales Ostholstein Starker Gegenwind für Windenergie-Planung
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13:21 27.11.2018
Windpark Grammersdorf bei Ovendorf, Bürgerentscheid, Windräder, Windkraft Quelle: Susanne Peyronnet
Bosau/Hutzfeld

 Die Pläne des Landes, in der Gemeinde Bosau zwei Vorranggebiete für Windenergie auszuweisen, stoßen weiter auf Gegenwind. Die Mitglieder des Bau- und Umweltausschusses beschlossen einstimmig eine neue Stellungnahme, die sich gegen den Bau von Windkraftanlagen ausspricht. Dem Beschluss ging eine intensiv und emotional geführte zweieinhalbstündige Diskussion voraus, in der auch einige der 60 anwesenden Bürger kritische Fragen stellten und mit besorgten Beiträgen zu Wort kamen.

Gleich zu Beginn goss Enno Meier-Schomburg vom Büro „Planung kompakt“ Wasser auf die Mühlen der Windradgegner, als er den Stand der Dinge erläuterte und der Landesentwicklungsplanung einige Abwägungsmängel bei der Bewertung der ersten, bereits vor zwei Jahren eingereichten Stellungnahme attestierte.

So sei die touristische Bedeutung der topographisch herausragenden Standorte seiner Meinung nach nicht ausreichend berücksichtigt worden, erklärte Meier-Schomburg, der die Stellungnahme im Auftrag der Gemeinde überarbeitet. So lägen mögliche Windkraftanlagen in der Sichtachse des elf Kilometer entfernten Plöner Schlosses. Da die neue Generation der Windräder meist auch deutlich größer als der vom Land angenommene Referenzwert von 150 Meter gebaut werde – kleine Anlagen seien kaum noch wirtschaftlich zu betreiben –, habe dies erhebliche Auswirkungen auf das Landschaftsbild. Nicht nachvollziehbar sei auch, wieso in dem bereits als Naturpark ausgewiesenen Gebiet plötzlich Unterschiede des ökologischen Werts verschiedener Flächen gemacht würden. Und auch die Problematik der Großvögel und ihrer Standorte finde keine Beachtung, sondern solle erst im Falle eines tatsächlichen Baugenehmigungsverfahrens geklärt werden, monierte Meier-Schomburg.

Energiewende ja, aber bitte keine Windräder in meiner Nachbarschaft“

Diese deutliche Kritik an dem Verfahren genügte vielen Anwesenden jedoch nicht. Das Gros der Wortmeldungen begann mit einem positiven Bekenntnis zur Energiewende, bevor die unterschiedlichsten Gründe aufgezählt wurden, warum die beiden vorgesehenen Flächen bei Hutzfeld und Kiekbusch für den Bau von Windrädern ungeeignet seien.

Die Mitglieder des Bosauer Bau- und Umweltausschusses unter der Leitung des Vorsitzenden Frank-Michael Sobieski (stehend) diskutierten mit 60 Bürgern in der Hutzfelder Turnhalle über eine ablehnende Stellungnahme zu den Bestrebungen der Landesplanung, zwei Vorranggebiete für Windenergie in der Gemeinde auszuweisen. Quelle: Dirk Schneider

Die ablehnenden Argumente reichten von sehr individuellen Ansichten wie die optische Verschandelung der Landschaft durch die Windmühlen über den spekulativen Wertverlust der Immobilien – „wer möchte schon in der Nachbarschaft eines Windparks wohnen“ – bis zu prognostizierten gesundheitsschädlichen Einflüssen durch Schattenwurf und Lärmbelästigung. Als im Publikum schließlich verschiedene esoterisch angehauchte Studien über Energiefelder und -flüsse zitiert wurden, platzte Birgit Steingräber-Klinke (SPD) der Kragen. „Wenn jetzt noch die roten Lichter aufgeführt werden, die uns am Einschlafen hindern, machen wir uns lächerlich.“ Ziel der Stellungnahme sei es doch, Ernst genommen zu werden. Und dafür sollte man die guten Argumente, die man bereits erarbeitet habe, nicht durch Überflüssiges schwächen, sagte Steingräber-Klinke.

Ähnlich kritisch sah sie den Vorstoß von Cornelia Frerichs (BfB und Bürgerinitiative Bosauer Gegenwind), das geplante Gewerbegebiet bei Hutzfeld zum Mischgebiet zu machen. Hintergrund: Der Mindestabstand von Windkraftanlagen beträgt bei Gewerbegebieten und Siedlungen im Außenbereich 400 Meter, bei Misch- und Wohngebieten 1000 Meter. Neben dem taktischen Argument spreche die Möglichkeit dafür, die Fläche anders zu nutzen, falls die Gewerbeansiedlung scheitere, schlussfolgerte Frerichs. „Sobald jedoch die erste Windkraftanlage in diesem Bereich genehmigt wird, verlieren wir diese Option.“

Individuelle Stellungnahme möglich

Der Ausschussvorsitzende Frank-Michael Sobieski (Grüne) mühte sich, sämtliche sinnvolle Änderungswünsche in die Stellungnahme der Gemeinde zu integrieren. „Wir werden alles versuchen, damit da nichts hinkommt“, versicherte er allen Zuhörern. Einigen Bosauern, die von undemokratischen Vorgängen und intransparenten Entscheidungen sprachen, hielt er vor, dass ja gerade alles ausführlich und öffentlich diskutiert würde. „Ansonsten kann ich Ihnen nur raten: Nutzen sie das Beteiligungsverfahren, um eine eigene individuelle Stellungnahme abzugeben. Das ist eine echte Chance.“

Dirk Schneider

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