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Ostholstein Bosau überlegt, wie es seine Flüchtlinge behalten kann
Lokales Ostholstein Bosau überlegt, wie es seine Flüchtlinge behalten kann
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23:15 19.02.2016

Keine Spur von Fremdenfeindlichkeit in Bosau. Die Menschen wettern nicht gegen Flüchtlinge, ganz im Gegenteil. Sie wollen alles tun, damit die neu hinzugezogenen Menschen in ihrer Gemeinde bleiben. Das machte eine Einwohnerversammlung deutlich.

96 Bürger waren der Einladung von Bürgervorsteher Alfred Jeske (CDU) gefolgt, sich umfassend über die Situation der Flüchtlinge informieren zu lassen. Dabei wurde schnell deutlich, dass sich nicht nur viele Bosauer in der ehrenamtlichen Flüchtlingshilfe engagieren, sondern dass die Neubürger mehr als willkommen sind. „Wie können wir die Flüchtlinge hier halten?“, wollte denn auch Maha Bickel wissen. Und an dieser Stelle wurde deutlich, wie paradox die Situation sein kann. Denn: Es fehlt an bezahlbarem Wohnraum, den Flüchtlinge nach ihrer Anerkennung beziehen könnten. „Der freie Markt ist von mir abgegrast“, teilte Peter Boye mit, beim Amt Großer Plöner See, für das Bosau die Geschäfte führt, zuständig für die Flüchtlingsunterbringung. „Die Flüchtlinge, die wir hier haben, versuchen wir durch Praktika zu halten. Das bindet sie an uns.“ Wie sich das alles entwickele, könne er aber nicht sagen: „Das ist alles neu.“ Bürgermeister Mario Schmidt (parteilos) fügte hinzu, nur wenn die Flüchtlinge im Raum Bosau eine Beschäftigung finden könnten, bestehe die Hoffnung, sie in der Gemeinde zu behalten.

Wie sehr sich die Bosauer um ihre Flüchtlinge kümmern, machten weitere Fragen deutlich. Ob sich die Menschen auch nach der Schließung der Hutzfelder Volksbankfiliale mit Bargeld versorgen könnten, wollte Birgit Steingräber-Klinke (SPD) wissen. Antwort von Boye: Mit einer Meldebescheinigung können die Flüchtlinge ein Konto eröffnen und Bargeld am Automaten abheben. Ein Vertreter des Sportvereins fragte, ob der Bosauer SV einen Flüchtling als geringfügig Beschäftigten einstellen kann. „Reden wir darüber“, bot Boye an. Weitere Fragen drehten sich um die Möglichkeiten, den Gemeindebus für Fahrten mit den Flüchtlingen zu nutzen, andere darum, was man sagen solle, wenn ein Flüchtling Hilfe bei der Gartenarbeit anbiete, wie es mit der Versicherung bestellt sei.

Einigkeit herrschte auch darüber, dass Integration nur mit den Flüchtlingen und nicht über ihre Köpfe hinweg gelingen kann. „Es hat sich bewährt, mit den Flüchtlingen zusammenzuarbeiten. Es wird kulturelle Veranstaltungen mit ihnen geben. Ich will eine Plattform schaffen, wo man sich trifft und Ängste abbaut“, kündigte der Flüchtlingskoordinator des Amtes, Johannes Acker, an. Er denke dabei zum Beispiel an Sport oder gemeinsame Essen.

Ein paar andere Themen gab es in der Versammlung auch noch. Mehrere Redner beklagten den Zustand von Straßen, fehlende Radwege und Tempolimits. Cornelia Frerichs, Sprecherin der Windkraftgegner, scheiterte mit ihrem Antrag, über dieses Thema zu sprechen. Die Mehrheit wollte es nicht auf der Tagesordnung sehen.

Susanne Peyronnet

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