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Ostholstein Bosauer Bürger wollen Abschiebung stoppen
Lokales Ostholstein Bosauer Bürger wollen Abschiebung stoppen
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18:09 22.03.2019
Die Nachbarn Frank Braun (links) und Anika Ingenkamp (rechts) sowie zahlreiche Freunde stehen zu ihrer Bosauer Flüchtlingsfamilie und sprechen deren Mitgliedern Mut für den Kampf gegen ein laufendes Abschiebeverfahren zu. Quelle: Dirk Schneider
Bosau

Vor eineinhalb Jahren kam der jemenitische Familienvater A. mit seiner Ehefrau und seinen vier Kindern nach Bosau und hat sich dort mittlerweile eingelebt. Obwohl die Integration auch durch vielfältige ehrenamtliche Unterstützung voranschreitet, droht der Flüchtlingsfamilie die Abschiebung nach Griechenland. Eine Bosauer Bürgerinitiative will dies verhindern.

Der Hintergrund: Auf der Flucht vor dem Krieg, der in ihrem Heimatland tobt, aber auch aus Gründen der politischen Verfolgung, floh die Familie im Juni 2015 von der arabischen Halbinsel nach Europa und erreichte nach sieben Monaten auf gefährlichen Wegen Griechenland. Dort ließen sich die Flüchtlinge registrieren und wurden als Asylbewerber anerkannt. Weil es vor Ort keinerlei weitere Hilfe gegeben habe und die Familie obdachlos auf der Straße leben musste, zog A. nach Deutschland weiter und kam schließlich in Bosau an, berichtete Anika Ingenkamp. Die Bosauerin setzt sich in einer Bittschrift für den Verbleib der Familie in der Gemeinde ein. Die Petition richtet sich an die Ausländerbehörde des Kreises Ostholstein, die am 13. März verfügt hatte, dass sich die Neubosauer bis Montag, 25. März in der Sammelunterkunft Boostedt melden müssen.

Aus Fremden wurden Freunde

Die ganze Familie habe sich in der Gemeinde bereits gut eingelebt, begründete Ingenkamp die Eingabe. „Sie haben ihre Integrations- und Sprachkurse absolviert und aktiv den Anschluss zur Bevölkerung gesucht.“ Die engagierten Neubürger hätten auch an vielen Veranstaltungen teilgenommen, sich ins Dorfleben und Vereine eingebracht. Mittlerweile seien gute Freundschaften entstanden, sagte Ingenkamp.

Auch Frank Braun setzt sich für den Verbleib seiner neuen Nachbarn in Bosau ein. „Der jüngste Sohn macht gerade an der Berufsschule seinen Schulabschluss, mit gerade mal eineinhalb Jahren Deutschunterricht eine unglaubliche Leistung“, sagte Braun. Zwei weitere Söhne bereiten sich auf eine Berufsausbildung, die älteste Tochter auf die Wiederaufnahme eines im Jemen begonnenen Betriebswirtschaftsstudiums vor. Der Vater (ein Bauingenieur) sowie die Mutter (eine Lehrerin, die gerne zur Kindergärtnerin umschulen würde) büffeln ebenfalls eifrig die deutsche Sprache und haben schon einige Kurse erfolgreich bestanden.

Härtefallkommission soll Ermessensspielraum nutzen

„Das sind doch die Zuwanderer, die wir uns wünschen, die wir brauchen, die wir wollen“, sagte Braun. Bei allem Verständnis für rechtliche Regeln müsse es in solchen Fällen doch einen Ermessensspielraum geben, appelliert Braun an die Entscheider in Behörden und Ämtern. „Für mich ist das ein Fall für die Härtefallkommission.“ Bei der Auslegung von Gesetzen müsste auch das Menschliche berücksichtigt werden.

Viele Mitglieder der Bosauer Gemeindevertretung, denen die Situation am Mittwochabend geschildert wurde, zeigten sich betroffen. Mangels kommunaler Zuständigkeit könne die Gemeinde keinen Widerspruch einlegen, erklärte Bürgermeister Mario Schmidt (parteilos). Aber natürlich habe jeder Einzelne die Möglichkeit, die Petition persönlich zu unterstützen, stellte er fest und unterzeichnete das Schreiben. Zahlreiche Gemeindevertreter folgten diesem Beispiel.

Zur Petition: https://www.change.org/p/wir-wollen-familie-a-in-bosau-behalten-stoppt-die-abschiebung-nach-griechenland

Dirk Schneider

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