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Ostholstein Bossel-Frauen holen dritten Titel in Folge
Lokales Ostholstein Bossel-Frauen holen dritten Titel in Folge
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20:25 05.04.2014
Es erfordert Kraft und Gefühl, die 4,5 Kilo schwere Bossel ins Zielfeld zu werfen. Mit Augenmaß muss zudem die Daube anvisiert oder eine fremde Bossel weggeschoben werden. Quelle: Fotos: Benthien

Die Verwechslung und Verwirrung kennen die Sportler schon. „Das hören wir immer wieder, dass die Leute Bosseln gar nicht kennen oder es mit dem Boßeln verwechseln“, sagt Ingelore Herrmann lächelnd. Sie sehen es den Unwissenden nach und erklären es ihnen: Geboßelt wird vor allem gern in Nordfriesland, dabei ist das Ziel, im Freien eine Kugel mit möglichst wenigen Würfen über eine festgelegte Strecke zu werfen. Gebosselt wird dagegen in der Halle, auf einem Spielfeld, das eine Wurfbahn und ein Zielfeld umfasst. Die Spieler der Sportgemeinschaft (SG) Eutin, zu denen auch Ingelore Herrmann gehört, richteten gestern in der Sporthalle der Weber-Schule ihre Landesmeisterschaften im Bosseln aus, mit einem Top-Ergebnis: Die Damenmannschaft sicherte sich zum dritten Mal in Folge den Landesmeistertitel, die Herrenmannschaft belegte Rang drei.

Dabei lief es für Ingelore Herrmann, ihre Mitspielerinnen Helga Plötz, Ingrid Migge und Kirsten Schulz zwischenzeitlich nicht optimal. Im ersten Durchgang gewannen sie mit 2:0 Punkten (23:19) gegen das Team aus Itzehoe (am Start waren nur diese beiden Mannschaften), dann verloren sie mit 0:2 Punkten (19:22). Nach einem zweiten Durchgang gewannen die Eutinerinnen schließlich mit nur einem Wurfpunkt und freuten sich im Anschluss riesig.

Das Herren-Team mit Holger Holst, Dietrich Anwald, Klaus Wieckhorst und Heinz Macheil musste sich mit Mannschaften aus Lübeck, Itzehoe und Rendsburg messen. Mit viel Gefühl warfen die Eutiner ihre Bosseln — abgeflachte halbkugelige Körper mit geschwungenem Griff und Bürstenbesatz aus Rosshaar. Im Wettkampf gegen eine zweite Mannschaft gilt es jeweils, die Bossel auf der Wurfbahn möglichst dicht an die Daube, eine kleines rotes Klötzchen im Zielfeld, heranzubringen. „Es macht Spaß und zeugt von Können, wenn es gelingt, die anderen Bosseln wegzudrücken“, sagt Klaus Wieckhorst. Das klappte gestern nicht wie gewohnt. „Am Anfang lief es so gut, aber nachher fehlte die Konzentration“, bedauerte SG-Vorsitzender Uwe Tewes, der den Wettkampf in der Halle durchgehend begleitete. Das Team landete letztlich hinter Rendsburg und Lübeck auf Platz drei, vierter wurde die Mannschaft aus Itzehoe.

Bosseln ist im Behinderten- und Versehrtenbereich eine beliebte Sportart. „Für Meisterschaften sind aber nur Teams zugelassen, deren vier Teilnehmer mindestens vier Punkte, bemessen am Grad ihrer Behinderung, haben. Nur ein Teilnehmer darf unversehrt sein“, erklärt Ingelore Herrmann. Der Wettkampf mache ihm jedes Mal viel Spaß, so Klaus Wieckhorst. Schon seit 15 Jahren trainiert er mit der 4,5 Kilo schweren, aus Buchenholz gefertigten Bossel.

Wie in der überwiegenden Zahl von Vereinen, fehlt es auch bei der SG, die ihren Mitgliedern auch die Sparten Sitzball, Gymnastik und Spiele sowie Schwimmen bietet, an Nachwuchs. „Das ist sehr schade“, findet Uwe Tewes, der sich schon seit vielen Jahren für den Behinderten- und Versehrtensport einsetzt. Nachdem er in diesem Jahr erstmals mit Plakaten auf die Landesmeisterschaft aufmerksam gemacht hat, habe er in der Halle einige junge Zuschauer wahrgenommen. „Vielleicht hat ja der eine oder andere doch mal Lust, bei uns vorbeizuschauen.“

Trainingszeit fürs Bosseln ist dienstags von 20 bis 22 Uhr in der Sporthalle des Weber-Gymnasiums. Mehr Infos über die 1955 gegründete Sportgemeinschaft Eutin sind zu finden unter www.sg-eutin.de.

„Das hören wir immer wieder, dass die Leute Bosseln und Boßeln verwechseln.“
Ingelore Herrmann
„Es macht Spaß und zeugt von Können, wenn es gelingt, die anderen Bosseln wegzudrücken.“
Klaus Wieckhorst

Ulrike Benthien

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