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Ostholstein Brandschutz an der Küste: Feuerwehren unter Druck
Lokales Ostholstein Brandschutz an der Küste: Feuerwehren unter Druck
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19:34 21.08.2017
Großeinsatz im Mai für die Grömitzer Feuerwehren: Im Cismaraner Ortsteil Henriettenhof brannte ein Mehrfamilienhaus. *FOTO: ARNE JAPPE

In vielen Urlaubsorten reicht die Zahl der ehrenamtlichen Feuerwehrleute mittlerweile nicht mehr aus. In Grömitz droht sogar eine Pflichtwehr – eine Notlösung, bei der qualifizierte Einwohner per Gesetz zur Mithilfe in der Feuerwehr verpflichtet werden, um den Brandschutz im Gemeindegebiet sicherzustellen. Statt der geforderten 63 gibt es dort zurzeit nur 36 aktive Einsatzkräfte (die LN berichteten).

Erhöhter Bedarf an Einsatzkräften – Auch Kommunen in der Pflicht.

Kreisbrandmeister Thorsten Plath fordert vor allem bei der Nachwuchswerbung mehr Unterstützung durch die Kommunen. Obwohl Brandschutz in der Verantwortung der Gemeinden liege, bleibe es in der Regel den Feuerwehren selbst überlassen, Mitglieder zu akquirieren. „Es reicht nicht, den Ehrenamtlern ein Fahrzeug hinzustellen, und dann zu erwarten, dass sie sich um alles weitere selbst kümmern“, kritisiert Plath.

Auch Heiligenhafens Wehrführer Michael Kahl würde sich wünschen, dass die Kommunen sich stärker für die Werbung neuer Feuerwehrkräfte engagieren. „Vor allem wäre es schön, wenn wir Mitglieder aus städtischen Eigenbetrieben hätten“, sagt Kahl, „die dann auch tagsüber verfügbar wären.“ Zwar sei die Wehr mit aktuell 83 Aktiven im Gegensatz zu Grömitz grundsätzlich noch gut aufgestellt. Von ihnen arbeiteten allerdings etwa 50 außerhalb der Stadt. Erschwerend komme hinzu, dass in Heiligenhafen ein Hotel nach dem anderen gebaut werde. „Die Urlaubsgäste werden mehr, wir aber nicht – das ist ein Problem“, sagt der Wehrführer. Entsprechend könne er Arbeitgebern gar nicht genug danken, die ihre Angestellten noch immer für Feuerwehreinsätze vom Dienst befreiten.

Die Zahl der Touristen werde auch im Feuerwehrbedarfsplan einer Gemeinde berücksichtigt, erklärt Kreisbrandmeister Plath. Deshalb sei es für Urlaubsorte häufig auch besonders schwierig, genug Aktive vorzuhalten. Die vorgeschriebene Einsatzstärke einer Wehr bemesse sich nicht nur nach der Einwohnerzahl, sondern auch danach, welche „Risikofaktoren“ es im Gebiet gebe. Dazu gehöre alles vom Altenheim über Industriebetriebe bis eben zu touristischen Einrichtungen. Insofern seien für Grömitz mit seinen vielen Übernachtungsmöglichkeiten, Restaurants oder auch der „Welle“ als großem Schwimmbad eine hohe Zahl an Einsatzkräften und das entsprechende Equipment wie etwa die Drehleiter vorgeschrieben.

Eine Pflichtwehr als Alternative zur Freiwilligen Feuerwehr sieht Plath derweil trotz allem kritisch. „Wenn ich etwas freiwillig mache, bin ich in der Regel motivierter, als wenn ich dazu gezwungen werde“, begründet er seine Skepsis.

Generell habe in Ostholstein bisher jeder Einsatz gut mit Ehrenamtlern gemeistert werden können, bilanziert Plath. Dass sich der Kreis keine Berufsfeuerwehren – wie sie Städte mit mehr als 100

000 Einwohnern haben – leisten könne, daran gebe es nichts zu rütteln. Grundsätzlich sehe er in dieser Hinsicht aber auch keinen Bedarf: Die Freiwilligen hätten es stets geschafft, alle Aufgaben zu bewältigen, lobt er.

Lösungen wie in Bad Schwartau oder Eutin, wo hauptamtliche Gerätewarte das ehrenamtliche Team verstärken, seien indes eine Möglichkeit, die Freiwilligen zu entlasten, so Plath. Das eigentliche Problem werde dadurch jedoch nicht beseitigt: „Ein Hauptamtler kann nicht 15 fehlende Einsatzkräfte aufwiegen“, betont der Kreisbrandmeister. Er fordert: „Wir brauchen ein größeres Bewusstsein in den Gemeinden dafür, wie wichtig es ist, zusätzliche Ehrenamtler zu gewinnen.“

In Grömitz zumindest ist das offenbar angekommen. Bürgermeister Mark Burmeister (parteilos) will mit persönlichen Gesprächen versuchen, neue Mitglieder zu werben. Er hofft, die Pflichtwehr doch noch abzuwenden.

 Jennifer Binder

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