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Ostholstein Brandserie in Oldenburg: 42-Jähriger steht vor Gericht
Lokales Ostholstein Brandserie in Oldenburg: 42-Jähriger steht vor Gericht
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20:29 27.09.2017

Der Oldenburger hat die Taten zum Prozessauftakt direkt gestanden. Die Staatsanwaltschaft wirft ihm unter anderem schwere Brandstiftung in Tateinheit mit gefährlicher Körperverletzung vor, geht jedoch von einem Zustand verminderter Schuldfähigkeit aus. Der psychiatrische Gutachter Dr. Thomas Bachmann bescheinigte dem geistig behinderten Angeklagten eine „leichte Intelligenzminderung mit einer Verhaltensstörung“. Hinzu komme eine Alkoholabhängigkeit – der Konsum von Bier und Schnaps habe ihn „über die Schwelle getragen“.

Wenn er Alkohol trinke, könne ihn das „aggressiv und wütend“ machen, sagte der Angeklagte, der bis zu seiner Verhaftung als Gärtner in einer Behinderteneinrichtung gearbeitet hat. Manchmal hätten seine Kollegen ihn „provoziert“, erzählte er, hätten ihm gesagt, dass er etwas falsch mache und „vernünftig arbeiten“ solle. Das habe ihn gestresst, und dann habe er getrunken und etwas angezündet.

Grillanzünder habe er immer in der Jackentasche gehabt. „Hinterher habe ich mich dafür geschämt“, so der 42-Jährige.

Der Oldenburger könne durchaus zwischen richtig und falsch unterscheiden, erklärte Psychiater Bachmann. Er wisse auch, was Feuer anrichten könne. Bei einem Brand im Sommer 2013 in der Ostlandstraße mussten sogar zwei Frauen von der Feuerwehr mit der Drehleiter aus ihren Wohnungen gerettet werden. Bei ihnen bestand anschließend der Verdacht auf eine Rauchgasvergiftung. Zwölf weitere Male soll der mutmaßliche Brandstifter zwischen April 2016 und März 2017 zur Tat geschritten sein. Einmal hat er laut Staatsanwaltschaft erneut im Keller eines Wohnhauses Feuer gelegt, in den elf übrigen Fällen soll er Müllcontainer angezündet haben. Zweimal habe dabei die Gefahr bestanden, dass das Feuer auf angrenzende Gebäude übergreift.

Dem Angeklagten sei grundsätzlich bewusst, dass durch seine Taten Menschen zu Schaden kommen hätten können, so Bachmann. In den entsprechenden Situationen sei „seine Impulsivität jedoch so hoch, dass seine Steuerungsfähigkeit eingeschränkt“ gewesen sei. Der 42-Jährige habe eine „verminderte Frustrationstoleranz“, so der Gutachter. Er habe keineswegs gezündelt, weil Feuer auf ihn eine Faszination ausübe, wie es bei vielen Pyromanen der Fall ist. Vielmehr seien seine Taten durch unangenehme Erlebnisse ausgelöst worden. Er habe ein Ventil für seine Wut gesucht und ein „dysfunktionales Verhalten“ entwickelt, nachdem er festgestellt habe, dass das Brände legen ihm (für kurze Zeit) ein besseres Gefühl geben könne.

Die Gefahr sei groß, dass er im Alltag in dieses Muster zurückfallen könnte, warnte der Fachmann. Er empfahl eine – wie auch immer geartete – geschlossene Unterbringung. Bisher wurde der Oldenburger ambulant betreut. Eine eigene Wohnung halte er allerdings für „äußerst ungünstig“, betonte Bachmann. Der 42-Jährige brauche klare Strukturen und einen geregelten Tagesablauf. Das sei auch der Grund, weshalb er auf die momentane Untersuchungshaft nicht negativ reagiere – dort habe er das alles.

Ob eine reguläre Haftstrafe für den Oldenburger gegebenenfalls infrage kommen würde, ist bisher unklar. Am ersten Prozesstag wurde auch über eine etwaige Unterbringung in einer psychiatrischen Einrichtung gesprochen. Ein Urteil wird für den kommenden Mittwoch, 4. Oktober, erwartet. Der Prozess wird um 9.30 Uhr fortgesetzt.

Von Jennifer Binder

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