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Ostholstein Brandstifter-Prozess: Mann soll sein Zuhause angezündet haben
Lokales Ostholstein Brandstifter-Prozess: Mann soll sein Zuhause angezündet haben
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20:10 18.10.2017
Im Januar steht die Obdachlosenunterkunft in der Straße Am Holm in Flammen. Die Feuerwehr Neustadt ist stundenlang im Einsatz. Quelle: Foto: Rosenkötter
Lübeck/Neustadt

Gleich zu Verhandlungsbeginn am Lübecker Landgericht machte Jürgen H. gestern gegenüber Richter Kai Schröder deutlich, dass er kein faires Verfahren erwarte. „Deshalb halte ich mich zurück.“ Eine Begründung lieferte er nicht. Er meinte nur, dass er kein Backpapier besessen habe und jeder wisse, dass dieses nicht brennen würde. Doch eben dieses Backpapier stand am ersten Verhandlungstag im Mittelpunkt. Ein Polizist sagte, dass nach einem der Brände Überreste von Backpapier gefunden worden seien – mit den Fingerabdrücken von Jürgen H.. Dies habe das Landeskriminalamt ermittelt.

„Seien Sie jetzt ruhig!Richter Kai Schröder reagiert auf Zwischenrufe des Angeklagten.

Rückblick: Insgesamt brannte es im Januar gleich fünfmal in der Straße Am Holm. Am 1. und 2. Januar musste die Neustädter Feuerwehr innerhalb von 30 Stunden viermal ausrücken. Dreimal war die Obdachlosenunterkunft betroffen. Dort brannte zunächst eine Fußmatte, dann gab es ein Feuer vor einer Tür und später in einer Wohnung. Diese wurde so stark beschädigt, dass sie nicht mehr genutzt werden konnte. Zudem brannte am 2. Januar ein Segelboot auf dem Gelände der angrenzende Kunya-Yachtwerft. Dieses Feuer war jedoch nicht Gegenstand der gestrigen Verhandlung. Dafür ging es um ein Großfeuer am 25. Januar.

An diesem Tag brannte die Wohnung des Angeklagten vollständig aus, weite Teile des Daches wurden dabei zerstört und Rauch drang in die anderen Wohnungen ein. Daraufhin musste die Stadt die Bewohner anderweitig unterbringen. Am 26. August wurde Jürgen H. von der Polizei festgenommen. Seitdem ist er in U-Haft. Außer der Brandstiftung wird H. vorgeworfen, Mitarbeiter eines von der Stadt eingesetzten Sicherheitsdienstes bedroht zu haben. „Der Angeklagte hatte damals gerufen, sie aufschlitzen zu wollen“, so ein als Zeuge geladener Polizist.

Ein ehemaliger Mitbewohner (43) sagte zudem aus, dass H. mehrfach angekündigt hätte, die Unterkunft abzufackeln. „Wir sind alle der Meinung, dass er es war. Er wollte hier nicht wohnen. Er wollte alles abbrennen“, so der 43-Jährige. Jedoch gibt es laut Gericht auch Aussagen, dass andere Bewohner den Brand gelegt hätten, um Jürgen H. loszuwerden.

Sicher ist, dass die Männer häufiger Schwierigkeiten miteinander hatten. Polizeieinsätze in der Unterkunft kamen immer wieder vor. Fast alle Bewohner sind den Beamten namentlich bekannt. Mal gab es Ärger um eine eingeworfene Scheibe, mal um eine Antenne oder einen Fernseher. Ein Polizist erinnerte sich an gegenseitige Beschuldigungen.

Die Brandserie hielt die Stadt Neustadt und die Feuerwehr wochenlang in Atem. Bürgermeisterin Dr. Tordis Batscheider (SPD) engagierte nach den ersten Bränden zu Jahresbeginn sogar die erwähnten Sicherheitskräfte. Darüber hinaus sorgten Polizei und Staatsanwaltschaft für eine verdeckte Observation durch Polizisten. Ein Zeuge sagte aus, dass es die allerdings nur tagsüber gegeben hätte. Mehr sei aus Personalnot nicht möglich gewesen. Zudem habe man die Aktion mangels Erfolg nach zwei Wochen eingestellt. Jedoch habe eine eigens an einem Nebengebäude installierte Videokamera die Gegend gefilmt. Ob dies zulässig war, ließ Richter Kai Schröder offen.

Der Prozess gegen Jürgen H. soll am 25. Oktober fortgesetzt werden. An vier Verhandlungstagen sind 24 Zeugen und eine Sachverständige (Psychologin) geladen.

Das Urteil wird für Montag, 27. November, erwartet.

Von Sebastian Rosenkötter

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