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Ostholstein Bremst der Brexit in Ostholstein?
Lokales Ostholstein Bremst der Brexit in Ostholstein?
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13:52 12.08.2016
Schöler GmbH Spezialmaschinenbau Pansdorf: Industriemechaniker Jan von Domarus-Böttger – hier ein Archivbild – an der von Schöler gebauten Maschine, die Lamellen für Wärmetauscher in Auto-Kühlergrills faltet. Quelle: Susanne Peyronnet
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Das „No“ der Briten zur Europäischen Union ist zwar aus den Top-Nachrichten verschwunden. Für die Wirtschaft sind der Brexit und seine möglichen Folgen aber unverändert ein Thema. Die negativen Signale vom Arbeitsmarkt im Vereinigten Königreich und die dortige Leitzinssenkung auf ein Rekordtief zeigen: Den Briten stehen ökonomisch schwierige Zeiten ins Haus. Bekommen das womöglich Unternehmen in Ostholstein zu spüren? Immerhin ist Großbritannien Deutschlands drittwichtigster Handelspartner.

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Auch im Kreis gibt es Export-starke Unternehmen – Wie drei von ihnen die EU-Abkehr der Briten einschätzen.

„Großbritannien begibt sich auf Drittland-Niveau.“Ken Koops, Schöler GmbH

Die LN haben bei knapp einem Dutzend Firmen im Kreis nachgefragt, die im Exportgeschäft engagiert sind. Nur drei waren bereit, Auskunft zu geben. Dazu zählt die Homrich Maschinenbau GmbH in Bad Schwartau. Das Unternehmen mit seinen 25 Mitarbeitern, seit Jahrzehnten im Eisenbahngeschäft aktiv, hatte im vergangenen Oktober einen Auftrag über eine Million Euro aus London an Land gezogen: die Lieferung von Batteriecontainern für die Züge der neuen U-Bahn-Linie Crossrail unter der britischen Metropole.

„Crossrail sollte kein einmaliger Auftrag sein, diese von uns entwickelte Bauweise sollte Basis für eine Reihe von Zügen sein. Gerechnet hatten wir mit einem Volumen von rund 5,5 bis 6 Millionen Euro“, erläutert Firmenchef Andreas Homrich. Was daraus wird, sei nach dem EU-Austritt der Briten schwer abschätzbar. Eine wichtige Rolle spiele dabei der Pfundkurs, sagt Homrich. Ein niedriger Wechselkurs zum Euro verteuert schließlich deutsche Produkte auf der Insel. „Sicherlich wird sich die deutsche Technik auch weiterhin behaupten. Aber es wird mehr Fertigung in England geben, um den negativen Effekt etwas zu kompensieren“, prognostiziert Homrich.

Tammo Bettex von der Bad Schwartauer Krüger & Salecker Maschinenbau GmbH ist da zuversichtlicher. „Unsere Maschinen – und ich denke, das gilt generell für den deutschen Maschinenbau – bestehen am Markt nicht durch günstige Preise, sondern durch Know How und Qualität“, betont der Operations Manager.

Krüger & Salecker ist mit seiner etwa 45-köpfigen Belegschaft einer der weltweit führenden Hersteller formgebender Maschinen für die Nahrungsmittelindustrie. Der Exportanteil liegt bei 80 Prozent, die Hälfte davon geht in die USA, Japan und andere Nicht-EU-Staaten. Die Ausfuhren nach Großbritannien bezeichnet Bettex als schwankend. In den zurückliegenden beiden Jahren habe der britische Markt rund drei Prozent zum Umsatz beigetragen.

Prognosen zum Brexit und seinen Folgen sind nach Einschätzung des Krüger & Salecker-Managers derzeit nicht möglich, zu vielfältig könnte die Ausgestaltung der künftigen Handelsbeziehungen ausfallen.

Auch beim Blick auf den Wechselkurs bleibt er gelassen. Bettex: „Natürlich, ein schwaches Pfund verteuert deutsche Maschinen in Großbritannien. Aber Pfund und Euro waren nie fest gekoppelt und unterlagen immer Schwankungen.“

Die Schöler GmbH in Pansdorf beschäftigt dort 145 Mitarbeiter, weltweit sind es 153. Das Unternehmen fertigt insbesondere für die Autoindustrie Spezialmaschinen, etwa zur Herstellung von Kondensatoren, Wasser-, Öl- und Ladeluftkühlern. Schöler zählt hier zu den Weltmarktführern. Pressesprecher Ken Koops rechnet vor allem mit negativen Folgen für Großbritannien selbst. Das Land begebe sich durch den Brexit „auf Drittland-Niveau.“ Nicht nur der mögliche Wegfall des freien Warenverkehrs und ein niedriger Pfundkurs dürften die Geschäfte eintrüben, auch der Wegfall einheitlicher Normen und Standards. Koops: „Der Standort Großbritannien passt zukünftig nicht mehr in eine flexible europäische Unternehmensstruktur. Daher sind weitere Kapazitätsverlagerungen weg von der Insel hin zu anderen europäischen Standorten durchaus denkbar – was sich jedoch nicht negativ auf die Situation von Schöler auswirken dürfte.“

 Arnold Petersen

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