Menü
Lübecker Nachrichten | Ihre Zeitung aus Lübeck
Anmelden
Ostholstein „Brücke“ hilft Menschen mit Messie-Syndrom
Lokales Ostholstein „Brücke“ hilft Menschen mit Messie-Syndrom
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
20:18 30.03.2016
Jutta Blosze, Diplom-Sozialpädagogin, betreut Frau M. im Auftrag der Brücke Ostholstein. Quelle: Tams

Wie es bei „Messies“ aussieht, wissen die meisten. Was sich dahinter verbirgt, aber kaum. Sendungen im Fernsehen zeigen die Wohnungen und Häuser der am Messie-Syndrom Erkrankten. Dort stapeln sich Müll und Lebensmittel in Massen. Da Kommentare aber häufig fehlen oder unprofessionell sind, entsteht ein falsches Bild.

„Ich bin sau- er, wie Messies dargestellt werden.“Ehemalige Betroffene

„Messies sammeln nicht, sie horten Dinge und binden sie so an sich.“ Dozentin Janice Pinnow

Eines vorweg: Menschen, die in einem solchen Chaos leben, sind weder zu faul noch unfähig, Ordnung in ihr Leben zu bringen, sondern leiden an einer komplexen schweren psychischen Störung. Frau M.

sagt dazu: „Ich bin als Betroffene sauer, wie Messies im Fernsehen dargestellt werden. Sie werden so negativ betitelt und das ,Warum‘ bekommt zu wenig Aufmerksamkeit. Statt Akzeptanz schüren die Sender die Sensationslust und bieten keine Aufklärung und Fürsorge.“

Frau M. wird seit 2009 von Mitarbeitern der Brücke Ostholstein begleitet. Diplom-Sozialpädagogin Jutta Blosze und Hauswirtschafterin Martina Fabricius treffen Frau M. in ihrer Wohnung in einer kleinen Stadt in Ostholstein. Blosze und Fabricius betreuen die Klientin im Auftrag der Sozialpsychiatrischen Ambulanten Hilfen der Brücke Ostholstein. Frau M. führt sie durch den aufgeräumten Flur in ihr gemütliches Wohnzimmer. Es sieht aus wie in einem durchschnittlichen Haushalt in Deutschland. Auf dem Esstisch liegt eine frische, karierte Decke. Frau M. erzählt aus ihrer Vergangenheit und ihrem Leben. In der Wohnung lebe sie schon viele Jahre und seit einiger Zeit allein. Die beiden Kinder besuchen sie aber regelmäßig. Früher sei sie berufstätig gewesen, aber aufgrund ihrer rezidivierenden Depression krankgeschrieben. „In meiner Kindheit wurde ich missbraucht“, erklärt sie und fügt hinzu, dass das aber kein sexueller Missbrauch gewesen sei. „Seit ich denken kann, bin ich ein trüber, melancholischer Typ. Ich habe eine stark ausgeprägte Form der Empathie. Wo andere schon abgeschottet haben, setze ich mich noch ein“, so Frau M.. Von einem Elternteil sei sie es gewohnt, Liebe und Anerkennung nur als Antwort auf Leistung zu erhalten. „Es gab Phasen — Tage, Wochen, Monate —, in denen ich missachtet und mir die Liebe entzogen wurde. Darauf reagierte ich ganz extrem. Ich musste mir dann die Liebe erkämpfen und wurde nie um meiner selbst willen geliebt“, erzählt Frau M. und man merkt ihre Erregung.

Jutta Blosze möchte über die Hintergründe der Erkrankung aufklären. In einer Fortbildung zum Thema „Messie-Syndrom“ lernte sie, dass die Störungen in den ersten Lebensjahren entstehen. Es seien Grenzverletzungen passiert und unbewusster Zwang wurde ausgeübt. Daraus resultiere der Widerstand heute. „Das Messie-Syndrom ist eine Beziehungs- und keine Aufräumstörung. Messies sammeln nicht, sie horten Dinge und binden sie so an sich“, erklärte Janice Pinnow, die Dozentin der Fortbildung.

Mittlerweile hat sich die Situation bei Frau M. positiv entwickelt. „Ich fühle mich aber jetzt im Umbruch. Inzwischen ist so viel passiert. Seit April habe ich auch noch eine tolle Therapeutin.“

Kontakt zur Brücke Ostholstein: Bahnhofstraße 18 in Eutin; Tel. 04521/ 70940; online auf www.bruecke-oh.de.

Von Regine Tams

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 22:00 und 07:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!

Mit dem Surfmast geht‘s über die Kopendorfer Au und zurück. Für manchen endet der tollkühne Sprung aber auch im kühlen Nass — zur Gaudi der Zuschauer.

30.03.2016

Bei einem Verkehrsunfalls auf der Bundesstraße 501 sind am Dienstag drei Personen verletzt worden. Nach Polizeiangaben wollte ein 85-jähriger Mercedes-Fahrer auf die B 501 in Richtung Grömitz gefahren.

30.03.2016

Einen gesuchten Straftäter haben Beamte der Polizei Heiligenhafen wiedererkannt, als dieser am Dienstag in einem Opel Zafira dem Funkwagen ihrem Funkwagen am Dienstag entgegenkam.

30.03.2016
Anzeige