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Ostholstein Buchholz fordert: Weg vom Kirchturmdenken
Lokales Ostholstein Buchholz fordert: Weg vom Kirchturmdenken
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17:42 04.12.2018
Gemeinsam für den Tourismus: Plöns Bürgermeister Lars Winter (v.r.), Eutins Bürgermeister Carsten Behnk, TZHS-Geschäftsführerin Caroline Backmann, Minister Bernd Buchholz und Malentes Bürgermeisterin Tanja Rönck. Quelle: Dirk Schneider
Plön

 Die Präsentation des Tourismusentwicklungskonzepts (TEK) Holsteinische Schweiz 2030 lockte 170 Besucher – darunter viele Kommunalpolitiker – in den Rittersaal des Plöner Schlosses. In Auftrag gegeben wurde das Strategiepapier für die langfristige Entwicklung der Region von der Tourismuszentrale Holsteinische Schweiz. Die Kosten für das TEK, das vom Institut für Tourismus- und Bäderforschung in Nordeuropa (NIT) erstellt und vom Land gefördert wurde, belaufen sich auf 50 000 Euro.

Wirtschafts- und Tourismusminister Bernd Buchholz (FDP) war prominenter Gast und Redner bei der Vorstellung des TEK Holsteinische Schweiz 2030. An vielen Wochenende suche er Ruhe und Erholung in seinem Ferienhaus in Bosau. Aus diesem Grund kenne er die Region und könne die Situation auch gut einschätzen. „Wir haben es mit einer wachzuküssenden Schönheit zu tun, von der zu wenige wissen, dass es sie gibt“, betonte Buchholz. Aus seiner Sicht müsse die interkommunale Zusammenarbeit über Gemeinde- und Kreisgrenzen hinweg verbessert werden. „Der Geheimtipp heißt nicht mehr Bosau oder Dersau, sondern Holsteinische Schweiz“, kritisierte Buchholz das noch weit verbreitete „Kirchturmdenken“.

„Es ist höchste Zeit, aus dem Knick zu kommen“, appellierte er an die lokalen Politiker. Denn nur mit einer gemeinsamen Anstrengung werde es gelingen, die Holsteinische Schweiz wieder an die positive Entwicklung anzukoppeln. Als einziges Ferien- und Urlaubsgebiet des Landes sei sie deutlich unterproportional an dem derzeitigen Tourismusboom beteiligt. Als wichtige Voraussetzungen nannte er dabei, die Schaffung, Verbesserung und Förderung der touristischen Hotspots, bei denen das Land auch gerne helfe. Es gebe bislang allerdings kaum entsprechende Förderanträge aus dem Binnenland, sondern fast nur aus den Seebädern, sagte Buchholz verwundert. In den Orten, in denen Seebrücken als kommunale Infrastruktur gebaut worden seien, hätten sich private Betriebe mit einem zehnfachen des ursprünglichen Investitionsvolumens angesiedelt.

Unterschätzter Wert des Tourismus

In seiner Bestandsaufnahme verdeutlichte der NIT-Leiter Kai Ziesemer den aus seiner Sicht unterschätzten Wert des Tourismus für die Holsteinische Schweiz mit eindrucksvollen Zahlen. Die Wertschöpfung liege in der Region bei neun Prozent und damit deutlich über dem Landesdurchschnitt von fünf Prozent. In Malente als Spitzenreiter liege die Quote sogar bei 15 Prozent. Das generierte Steueraufkommen liege bei 4,6 Millionen Euro, zudem sichere der Tourismus 4000 Arbeitsplätze. Um diese positiven Zahlen halten und wieder ausbauen zu können – in den vergangenen zehn Jahren seien knapp 20 Prozent der gewerblichen Betten durch Hotelschließungen verloren gegangen – sollte das Marketing der Region von Grund auf neu gedacht werden.

48 spannende Projekte für die Verbesserung der Infrastruktur

Mit dem TEK Holsteinische Schweiz 2030 werde ein Perspektivwechsel eingeleitet, sagte Ziesemer. Aufbauend auf diese Leitidee für das künftige Marketing seien auch 48 Projekte für die Verbesserung der touristischen Infrastruktur in den Kommunen der Tourismuszentrale Holsteinische Schweiz (TZHS) entwickelt worden. Die Bandbreite reicht von Seepromenaden und städtischen Erlebnisräumen über E-Moblitätsnetze und ländlichen Erlebniswanderwegen bis zur Sicherung und Vermarktbarkeit touristischer Flächen für Beherbergungsbetriebe. Allzu viele Vorhaben scheiterten bereits im Vorfeld, weil baurechtliche und naturschutzrechtliche Voraussetzungen nicht in einem angemessenen Zeitraum geschaffen werden könnte, bemängelte Ziesemer. „Wir brauchen eine Erhöhung der touristischen und planerischen Kompetenz in den Verwaltungen.“

Sommerrodelbahn für den Bungsberg

Und diese wären angesichts der Projektliste gut ausgelastet: So finden sich unter den zehn übergeordneten Vorhaben die touristische Inwertsetzung des Schönow-Gelände an der Schwentine und des Seescharwalds einschließlich der historischen Badeanstalt in Eutin. Eine sehr konkrete Anregung ist der Bau einer Sommerrodelbahn am Bungsberg bei Schönwalde.

Für die Finanzierung der vielen Projekte regte TZHS-Geschäftsführerin Caroline Backmann augenzwinkernd eine Lösung an, die zumindest in den Stadt- und Gemeindevertretungen auf wenig Gegenliebe stoßen dürfte. Wie wäre es, wenn man die durch den Tourismus gewonnenen Steuereinnahmen, sowie die Gebühren und Abgaben aus zwei Jahren nähme und über einen Zeitraum von fünf Jahren in die touristische Infrastruktur investierte, fragte Backmann in einem kleinen Zahlenspiel. „Das wären dann zehn Millionen Euro, mit denen wir vieles realisieren könnten.“ Doch leider sehe die Realität so aus, dass man derzeit mit einzelnen Kommunen über Mitgliedsbeiträge von 10 000 Euro intensiv verhandeln müsse. Dies zeige, wie wichtig ein Perspektivwechsel sei.

Dirk Schneider

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