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Ostholstein Bürger protestieren gegen Stadtentwicklungskonzept
Lokales Ostholstein Bürger protestieren gegen Stadtentwicklungskonzept
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23:53 08.11.2013
Quelle: Peter Mantik
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Heiligenhafen

„Wer soll denn das alles bezahlen?“, lautete die erste Frage aus den Reihen der 200 Heiligenhafener Bürger bei der Einwohnerversammlung im Binnensee-Pavillon, nachdem Referent Nils Meyer von der City-Marketing (CIMA) Beratung und Management GmbH aus Lübeck seine Zwischenpräsentation des Stadtentwicklungskonzeptes vorgestellt hatte. An dieser hatten sechs Bürger- Arbeitsgruppen und eine Lenkungsgruppe, bestehend aus Vertretern von Verwaltung und Politik, mitgearbeitet.

Ein Katalog von 30 Maßnahmen wurde erstellt, verteilt auf die Themenschwerpunkte Bauen und Wohnen, Einzelhandel, Gewerbe und Altstadt. Meyer skizzierte, dass die Altstadt zum Ankerplatz des Meeres umfunktioniert werden solle, dass die Überarbeitung des Kurparks — ein Bürger hatte sogar von Parkplätzen gesprochen, was aber verworfen wurde — ein wichtiger Punkt sei und natürlich der Gestaltung des Marktplatzes eine zentrale Rolle zukäme. Er sprach auch kleinere Punkte an, wie etwa, dass es eine große Zustimmung für möwensichere Abfalleimer gäbe. Zum Thema Finanzierung fiel Meyer aber wenig ein, außer auf Fördergelder von Land und EU hinzuweisen. Auf die Frage, wie er Geschäftsleute anlocken wolle, gab es Allgemeinplätze wie „Modelle schaffen“ als Antwort. Irgendwann wurde es einem Bürger zu bunt, der dann sagte: „Wir heißen doch Heiligenhafen, warum dann nicht voll auf den Hafen konzentrieren?“ Gelächter im Saal. Antwort Meyer: „Weil man die Altstadt sich nicht selbst überlassen sollte. Sie kann ein wunderbarer Gegenpol zum Hafen sein.“

In der hintersten Stuhlreihe saßen zwei SPD-Veteranen und schauten sich alles interessiert an. Peter Ascheberg und Gemeindevertreter Gerhard Poppendiecker wirkten wie Schuljungen, die auf der hintersten Schulbusbank sitzen und das Treiben mit etwas Abstand begleiten. Während die Bürger nach der Fragerunde der Aufforderung nachkamen, per Aufkleber an den drei Tafeln — für kurzfristige, mittelfristige und langfristige Maßnahmen — ihre Prioritäten zu verteilen, sagte Ascheberg: „Alles, was hier beschrieben wird, hatten wir schon, auch gab es vor vier Jahren schon eine Firma, die ein solches Konzept erstellt hat.“ Poppendiecker zeigte sich zumindest davon begeistert, dass die Brückstraße als Fußgängerzone angedacht sei. Woraufhin Ascheberg sagte: „Ach Gerhard, die Idee hatten wir doch schon vor zig Jahren und wurden damit in der Stadtvertretung abgebügelt.“ Ansonsten gab „Poppi“ zu, nicht mit allem einverstanden zu sein, was dort geplant werde: „Aber wir sind ja hier, um uns alles anzuhören.“

Innovation sieht anders aus
Wie ist sie einzuschätzen, diese Zwischen-Präsentation des Stadtentwicklungskonzeptes für Heiligenhafen?
Die 200 Bürger, die extra in den Pavillon am Binnensee gekommen waren, dürften wenig erhellt worden sein. Zu viele Allgemeinplätze, zu viel Bekanntes und eindeutig zu wenig Innovation und Kreatives — nicht aus den Arbeitskreisen, sondern von der hochbezahlten CIMA.
Als kritische Fragen im Raume auftraten, war allzu oft die Antwort Schulterzucken. Kompetenz? Was sich der kritische Beobachter dabei gefragt haben dürfte: Wird hier nicht viel Geld verbrannt? Viel mehr, als den Thulboden anders herum zu befahren, wurde nicht entwickelt.
Das ist der Weg
Stadtentwicklung: Sechs Arbeitskreise und das Kompetenzzentrum für Stadt- und Regionalentwicklung „CIMA“ entwickeln das Stadtkonzept. Der Endbericht (März 2014) soll den Stadtvertretern als „roter Leitfaden“ für die Entwicklung der Altstadt dienen. Schwerpunkte sind die vier Hauptaspekte: Bauen und Wohnen, Einzelhandel, Gewerbe und Altstadt.

Peter Mantik

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