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Ostholstein Bürgerbus: Kostenlose Fahrten in der Testphase
Lokales Ostholstein Bürgerbus: Kostenlose Fahrten in der Testphase
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23:55 17.10.2015
Das Testfahrzeug, ein Fiat Ducato, wurde im Sommer in Malente vorgestellt. Der Bürgerbus soll auch Rollstuhlfahrer, sogar solche mit Elektrorollstühlen, mitnehmen können. Quelle: hfr
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Malente

Die Malenter können bald mit dem Bus fahren, ohne dafür bezahlen zu müssen. Der Bürgerbus soll nach den jetzigen Plänen ab Ostern nächsten Jahres die sogenannte Malenter Acht — zwei Schleifen über den Hauptort und durch alle Dorfschaften — fahren. Die Gemeindevertretung beschloss jetzt einstimmig, dass die Gemeinde Malente die Hälfte des jährlichen Defizits bis zu einer Summe von maximal 10000 Euro jährlich trägt. Die andere Hälfte kommt vom Kreis Ostholstein.

Dass die Malenter kein Fahrgeld bezahlen müssen, ist Voraussetzung dafür, dass der Bürgerbus überhaupt den Betrieb für eine Testphase aufnehmen kann. Der Trägerverein musste erhebliche bürokratische Hürden nehmen, berichtete dessen ehemaliger Vorsitzender Michael Winkel, der Fraktionsvorsitzender der Grünen in der Malenter Gemeindevertretung ist. „Voraussetzung war, dass wir unterhalb des Radars des Personenbeförderungsgesetzes fahren“, so Winkel. Und der Vorsitzende des Vereins und Gemeindevertreter der Grünen Ingo Wagner ergänzte gegenüber den LN: „Mit den kostenlosen Fahrten haben wir eine Möglichkeit gefunden, die Testphase in Angriff zu nehmen.“

Diese Testphase soll drei Jahre dauern. In Phase 1, erläuterte Winkel, wird genau dokumentiert, wie viele Fahrgäste mit dem Bürgerbus fahren und wie viele Spenden eingehen. Denn auch wenn kein Fahrpreis erhoben wird: Spenden sind jederzeit willkommen. Ab 2017 sollen die Erfahrungen aus der ersten Phase umgesetzt werden und sich im Fahrplan niederschlagen. 2018 beginnt Phase 3, in der eine bedarfsorientierte Streckenführung ermöglicht wird. „Spätestens Mitte 2018 steht das Projekt auf dem Prüfstand, ob und wie es weitergeht“, so Winkel. Und Wagner ergänzt: „Wir wollen die Testphase machen, um hinterher mit der Nord-Ostsee-Bahn zusammenzuarbeiten.“ Nach den drei Jahren könne der Fahrpreis dem Schleswig-Holstein-Tarif angepasst werden. Doch auch bis dahin kostet der Betrieb des Bürgerbusses Geld. Die Betriebskosten aus Leasingrate oder Kaufpreis für den Kleinbus, Wartungskosten, Versicherungen und Treibstoff beziffert der Verein auf etwa 20 000 Euro pro Jahr.

Welche Firma den Malenter Bürgerbus — er wird individuell auf die Bedürfnisse zugeschnitten — liefern wird, steht noch nicht fest. „Darüber stehen wir jetzt in Verhandlungen“, so Wagner. Als Testfahrzeug war schon mal ein Fiat Ducato in Malente. Der hatte acht Sitze und eine Möglichkeit, Rollstuhlfahrer mitzunehmen.

Ein Auto braucht natürlich auch einen Fahrer, und daran scheint es nicht zu mangeln. Neun Fahrer haben sich bereits gemeldet, die gemäß dem Motto „Bürger fahren ehrenamtlich für Bürger“ bereit sind, sich an das Steuer des Busses zu setzen. „Wir müssen noch ein paar mehr haben und werden demnächst dafür werben“, kündigt Wagner an. Um den Fahrplan sicherzustellen, werden mindestens 15 Fahrer benötigt.

Den Gemeindevertretern nannte Winkel Details zum Fahrplan. Der Bürgerbus soll drei Mal täglich vom Malenter Marktplatz aus in einer Nord- und einer Südschleife alle Dorfschaften anfahren: gegen 10 Uhr, gegen 16 Uhr und gegen 18.30 Uhr. Auf Wunsch kann auch die eine oder andere Stichfahrt, etwa in ein Wohngebiet, hinzugenommen werden.

Klare Kante gegen höhere Kreisumlage
Die Gemeinde Malente ist chronisch unterfinanziert und verschuldet. Deshalb kommt das Ansinnen des Kreistages, die Kreisumlage im kommenden Jahr um bis zu einen Prozentpunkt anzuheben, mehr als ungelegen. Einstimmig beschloss die Gemeindevertretung deshalb eine Stellungnahme, mit der die Erhöhung abgelehnt wird.



96000 Euro müsste Malente jedes Jahr mehr aufbringen, wenn die Erhöhung beschlossen wird. „Das ist Geld, das wir schlichtweg nicht haben“, sagte Bürgermeister Michael Koch (CDU). „Wie soll eine Fehlbedarfskommune das wuppen?“



Der Bürgermeister warf dem Kreis Ostholstein vor, dass er nur seinen eigenen Haushaltsausgleich im Auge habe, dabei aber die Schwierigkeiten, die die Gemeinden damit hätten, vernachlässige.

Susanne Peyronnet

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