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Ostholstein Bürgerentscheid soll ein Hotel an der Stadtbucht abräumen
Lokales Ostholstein Bürgerentscheid soll ein Hotel an der Stadtbucht abräumen
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10:47 08.06.2016
Sie wollen das „Haus des Gastes“ an der Eutiner Stadtbucht retten: Malte Tech (v.l.), Christa Maria Hillebrand und Ulrike Wörle. Quelle: Petersen
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Eutin

Die Eutiner Bürger sollen Pläne für einen Hotelbau an der Stadtbucht auf dem Areal vom „Haus des Gastes“ endgültig vereiteln. Die Bürgerinitiative für dessen Erhalt will einen zweiten Bürgerentscheid durchsetzen, der die Instandsetzung des Ende der 1960er-Jahre errichteten Gebäudes und seine frühere Nutzung festschreibt. Spätestens nach den Sommerferien sollen Unterschriften für das vorgeschaltete Bürgerbegehren gesammelt werden. Genau 1312 Unterstützer, neun Prozent der Wahlberechtigten bei der Kommunalwahl 2013, müssen das Anliegen unterstützen, damit es zum Bürgerentscheid kommt. Der wird für den Herbst angepeilt.

„Wir müssen jetzt handeln, sonst ist die Sache gelaufen und verloren“, sagt Ulrike Wörle vom Förderverein, der das Haus vor der Abrissbirne retten will. „Die Stadt zwingt uns dazu“, meint Malte Tech von den Freien Wählern. Der Bürgerentscheid für den Erhalt vom Februar 2015 ist für zwei Jahre bindend, also bis Februar 2017. Da die große Mehrheit der Stadtvertreter für den Abriss ist, sehen die Gegner die Gefahr, dass schon Anfang nächsten Jahres die Bagger anrollen. „Man hat den Eindruck, im Februar ist das ,Haus des Gastes‘ weg“, kommentiert Christa Maria Hillebrand die Entwicklung.

Die vor zwei Wochen von dem Geschäftsmann Alexander Herrmann vorgestellten Pläne für einen 160-Betten-Hotelkomplex haben für Hillebrand, Tech und Wörle das Fass zum Überlaufen gebracht. In ihren Augen wurde der Bürgerentscheid von 2015 von Anfang an missachtet. Statt zu sanieren, hätten die Stadtvertreter das Votum für den Erhalt uminterpretiert in einen Erhalt des traurigen Status quo. „Eine Verhöhnung des Bürgerentscheids“, schimpft Tech. Auf das Angebot eines Stillhalteabkommens während der Landesgartenschau hätten die Stadtvertreter meist gar nicht reagiert. Stattdessen seien 100 000 Euro Abrisskosten in den Haushalt 2017 eingestellt worden. „Unglaublich provokant“ und „eine absolute Frechheit“, so Wörle, sei zudem das Abräumen des Brunnens gewesen, der architektonisch zum Gebäude-Ensemble gehörte. „Und jetzt taucht ein Hotel-Konzept mit Investor in der Zeitung auf“, argwöhnt Tech.

Die drei machen keinen Hehl daraus, dass sie die Planungen für unseriös halten. Herrmann, der unter anderem einen Adresshandel auf der britischen Kanalinsel Jersey betreibe, wolle kein eigenes Geld investieren, aber bei den Eutinern 1,5 Millionen Euro per Crowdfunding einsammeln. Für die angegebenen neun Millionen Euro sei ein Vier-Sterne-Haus dieser Größenordnung nicht zu realisieren, wendet Tech ein, der selbst Architekt ist. Der Platzbedarf sei auch viel größer, als die präsentierten Zeichnungen vermuten ließen. Wörle: „Es ist erschreckend, wie leichtfertig hier Eutins Zuckerseiten verscherbelt werden sollen, abgesehen davon, dass dieses Hotel-Schlachtschiff eine Verschandelung der Stadtbucht bedeutet.“

Auch den Bedarf bezweifelt das Trio, das am Freitag, 18 Uhr, im Riemann Haus mit allen Interessierten über das weitere Vorgehen beraten will. Die Urlauber ziehe es vor allem an die Küste, wo es viele Luxushotels gebe. Und Rothensande werde ebenfalls gerade umgebaut. Da bleibe für ein See-Hotel in Eutin kein Markt. Statt das einzigartige Gelände zu privatisieren, sollte aus dem „Haus des Gastes“ wieder eine Begegnungsstätte für Eutiner und Touristen gleichermaßen werden. Dass die notwendigen Unterschriften für das Bürgerbegehren schnell zusammen sind, davon sind die drei überzeugt. „Wir werden als Untertanen behandelt, nicht als Bürger“, meint Hillebrand. Diese Stimmung sei weit verbreitet. Das könne sie auf ihren Hundespaziergängen oft wahrnehmen.

pet

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