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Ostholstein Bürgermeister-Stichwahl einmal ganz ohne Parteien
Lokales Ostholstein Bürgermeister-Stichwahl einmal ganz ohne Parteien
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19:16 16.06.2016
Einer wird gewinnen: Die beiden unabhängigen Kandidaten Christian Witt und Tanja Rönck gestern Vormittag in Malente. „Wir müssen uns nicht beharken“, sagt er. „Auf diese Stufe begeben wir uns beide nicht“, erklärt sie. Quelle: Arnold Petersen

Tanja Rönck oder Christian Witt? Am Sonntag entscheiden die Malenter über den künftigen Bürgermeister ihrer Gemeinde. Wie immer die Stichwahl ausgeht, Malente liegt im Trend: Eine Parteilose oder ein Parteiloser wird ins Rathaus einziehen. Und darüber freuen sich die beiden verbliebenen Konkurrenten des ursprünglichen Kandidaten-Quartetts schon jetzt. „Wir sind froh, dass die Unabhängigkeit in Malente gesiegt hat“, meint Witt – und Rönck stimmt ihm zu. Beide bescheinigen einander einen sauberen Wahlkampf, als sie gestern Vormittag unabhängig voneinander noch einmal ihre Info-Stände auf dem Lenter Platz aufschlagen.

Für den Wahlkampf insgesamt gilt das Fairness-Siegel aus Sicht von Tanja Rönck aber nicht. „Ich hätte nicht gedacht, dass es in einer kleinen Kommune so ausarten könnte“, kommentiert die 46-Jährige Gerüchte und anonyme Vorwürfe, die kursierten. Im Frühjahr habe es angefangen. Rönck nennt Beispiele: Mal sei gestreut worden, sie sei an ihrer bisherigen Arbeitsstätte, dem Amt Oldenburg-Land, degradiert worden oder gar nicht mehr Beamtin. Dann habe es geheißen, sie sei mit einer Bierflasche in der Hand, begleitet von merkwürdigen Gestalten, durch die Gemeinde gezogen.

Offenkundiger Anlass, so Rönck: „Ich habe auf dem Malenter Musikfest in Gesellschaft ein alkoholfreies Bier getrunken, das in Flaschen ausgegeben wurde.“

Anfang der Woche schließlich wurde anonym eine Sitzungsniederschrift aus dem Amt Oldenburg-Land durchgestochen. Das Schiftstück legte nahe, Röncks dortiger Rückzug sei unfreiwillig erfolgt, sie habe ihrer Abwahl zuvorkommen wollen. Der Amtsvorsteher und sein Stellvertreter dementierten prompt, der Rücktritt sei sehr wohl Röncks Wille gewesen. „Es gibt wohl einige Leute, die es lieber hätten, wenn ich nicht Bürgermeisterin werde“, kommentiert die Kandidatin die anonymen Anwürfe. Man spürt, dass diese sie getroffen haben. Aber sie gibt sich gelassen. Niemand habe sich im Wahlkampf dafür interessiert.

Rönck geht als klare Favoritin in die Stichwahl, in der ersten Runde holte sie 2304 Stimmen oder 48,4 Prozent. Christian Witt kam als Zweiter auf 952 Stimmen oder 20 Prozent. Als chancenlos betrachtet er die Ausgangslage aber keineswegs. Viele entschieden sich erst jetzt, zudem signalisierten ihm immer wieder Anhänger von CDU und SPD Unterstützung. „Ich bin unverändert optimistisch, sonst wäre ich gar nicht in die Kandidatur eingestiegen“, sagt der 45-jährige Polizeibeamte. In dieser Woche absolvierte er unter anderem weitere Stationen seiner Radtour durch die Dörfer. „Es lohnt sich, mit allen ins Gespräch zu kommen“, verweist Witt auf ein ungebrochenes Interesse und die vielen Ideen und Anregungen, die er einsammeln konnte. Hauptthemen nach seinen Worten: die gesperrte Schwentinebrücke und der marode Holzbergturm.

Auch Rönck sieht keinen Anlass, sich zu sicher zu fühlen. „Ich bin zuversichtlich, unterschätze es aber nicht und mache Wahlkampf bis zum letzten Tag.“ Beide Kandidaten haben den Schlussspurt neben ihrer beruflichen Arbeit absolviert. Mehr als ein freier Tag (Rönck) oder halbe freie Tage (Witt) waren nicht drin, Urlaubs- und Überstundenkonten sind inzwischen leer. Geschlaucht wirken beide trotzdem nicht. „Es kommt unheimlich viel von den Leuten zurück. Diese Euphorie und Begeisterung lässt einen den Stress nicht merken“, erklärt Rönck. Für Witt, der erst im April seine Kandidatur bekanntgab, könnte der Wahlkampf sogar noch weitergehen. „Nach zehn Wochen bin ich richtig drin in den Themen und nah dran am Bürger“, sagt er. Ihren Wahlkampf mit Plakaten und Flyern haben beide komplett aus eigener Tasche bezahlt. Über 6000 Euro kämen wohl zusammen, schätzt Rönck. Ihr Konkurrent will keine Summe nennen, dürfte aber in ähnlicher Höhe investiert haben. Er hat 350 Plakate geklebt und 6000 Flyer unter die Malenter gebracht. Rönck setzt auf die Wirkung von 55 Plakaten und knapp 20 000 Flyern.

Zweiter Wahlgang

9194 Wahlberechtigte ab dem 16. Lebensjahr sind am Sonntag aufgerufen, in der Stichwahl einen neuen Bürgermeister oder eine neue Bürgermeisterin für Malente zu wählen. Wahlberechtigt sind auch EU-Ausländer.

16 Wahllokale im Zentralort Bad Malente-Gremsmühlen und den Dorfschaften sind von 8 bis 18 Uhr für die Stimmabgabe geöffnet.

Alle Ergebnisse werden ab 18 Uhr im Foyer der Schule an den Auewiesen präsentiert.

• Aktuelle Informationen gibt es auf www.ln-online.de

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