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Ostholstein „Buy local“ soll Einzelhandel stärken
Lokales Ostholstein „Buy local“ soll Einzelhandel stärken
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21:21 05.07.2013
Gabriela Bendfeldt, Inhaberin der Neustädter Buchhandlung „Buchstabe“, setzt auf persönliche Beratung und Kundenbindung. Quelle: Foto: Rosenkötter

Neustadt — Große Ketten und Internetversandhändler setzen dem Einzelhandel immer stärker zu — auch in Ostholstein. Um diesem Trend entgegenzuwirken, engagiert sich die Neustädter Buchhändlerin Gabriela Bendfeldt für die Initiative „Buy local“. Den LN sagte sie warum es so wichtig sei, dass das Geld der Kunden und die Steuern der Unternehmen in der Region bleiben.

Lübecker Nachrichten: Beschreiben Sie, wofür sich die Initiative genau einsetzt?

Gabriela Bendfeldt: Wir wollen, dass die Innenstädte lebendig und vielfältig bleiben. Dafür brauchen wir inhabergeführte Geschäfte, die auch Produkte aus der Region verkaufen.

LN: Warum ist es so wichtig, dass das Geld in der Region bleibt?

Bendfeldt: Wenn ich mehr Umsatz mache, dann muss ich auch mehr Steuern zahlen. Dieses Geld geht an alle Bürger zurück. Sprich die Stadt hat mehr Geld und kann somit mehr investieren, zum Beispiel in Straßen und Schulen.

LN: Zu was verpflichten sich „Buy Local“-Mitglieder?

Bendfeldt: Dass ihre Geschäfte inhabergeführt sind, sich in der Innenstadt befinden, Steuern vor Ort gezahlt werden und vor allem zu fairen Arbeitsbedingungen. Wir zahlen nach Tarif. Bei mir gibt es Urlaubs- und Weihnachtsgeld. Zudem bieten wir den Kunden geschultes Personal und legen Wert auf eine enge Kundenbindung.

LN: Haben Sie ein Problem mit großen Unternehmen, zum Beispiel Mode- oder Baumarkt-Ketten?

Bendfeldt: Ja, weil ich gerne regional einkaufe und das Geld bei diesen Geschäften meist nicht in der Region bleibt. Das heißt, die Gewerbesteuer bleibt nicht hier vor Ort. Es wäre interessant zu erfahren, wie viele Unternehmen hier in Neustadt überhaupt Gewerbesteuern zahlen müssen.

LN: Wäre es nicht effektiver, vor Ort — also in Neustadt — eine eigene Initiative ins Leben zu rufen mit ähnlichen Zielen?

Bendfeldt: Es ist einfacher, das Konzept von „Buy local“ zu nutzen. Die Organisation steht bereits und der Bekanntheitsgrad wächst. Zudem erhalten wir für einen Jahresbeitrag von 120 Euro Werbemittel wie Plakate und Taschen aus Stoff.

LN: Kaufen Sie im Internet ein?

Bendfeldt: Ja. Ich versuche aber regionale Produkte zu kaufen. Das letzte, was ich im Internet gekauft habe, war ein Beamer. Den habe ich weder in Neustadt noch in Lübeck bekommen.

LN: Die Liste der Vorteile des Internet-Shoppings ist lang. Ich kann bequem vom Sofa aus einkaufen, die Ware ist immer vorrätig und die Preisunterschiede sind marginal. Was sagen Sie dazu?

Bendfeldt: Das Internet ist ja gar nicht das Problem. Das Problem sind große Versandhändler wie Amazon und Zalando. Viele Schüler, die bei mir ein Praktikum machen, kaufen nur dort ihre Bücher ein. Ich sage ihnen dann, dass ich auch einen Internetshop habe. Das wissen sie meist gar nicht. Die Lieferzeiten sind genauso kurz wie bei Amazon. Der Unterschied ist aber, dass das Geld in der Region bleibt. Zudem kann man sich die Ware nach Hause schicken lassen oder hier bei mir im Laden abholen.

LN: Wie sieht Ihr Wunsch für die Neustädter Innenstadt aus?

Bendfeldt: Neustadt soll „Buy local“-Stadt werden. Bislang kenne ich aber kein anderes Geschäft in Ostholstein, dass in der Initiative mitarbeitet. Dies würde die Strahlkraft erhöhen und sicherlich andere inhabergeführte Geschäfte anlocken, sich hier anzusiedeln. So könnten wir Leerstände beseitigen und wären vielfältig aufgestellt. Ich würde die Idee gerne schon bald beim Gewerbeverein vorstellen.

Interview: Sebastian Rosenkötter

Konzept aus den USA

70 Prozent der Mitglieder in der „Buy Local“-Initiative sind Buchhändler. Jedoch entdecken auch andere Branchen-Vertreter wie Schuhgeschäfte und Apotheker das Konzept für sich. Allein im Juni gab es nach Angaben der Organisatoren 44 neue Mitglieder.

2010 wurde die Initiative in Oberschwaben gegründet. Anfangs beschränkte sie sich auf den Buchhandel, öffnete sich 2012 aber für alle Branchen. Aktuell gibt es 166 Mitglieder in Deutschland — Tendenz steigend.

Weitere Informationen über die Bewegung, deren Idee auf einem amerikanischen Konzept beruht, gibt es auf der Internetseite www.buylocal.de.

LN

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