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Ostholstein CDU und SPD: Probleme lösen statt Eutin vermarkten
Lokales Ostholstein CDU und SPD: Probleme lösen statt Eutin vermarkten
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23:30 13.12.2017
Das acht Jahre alte Tourismusleitbild für Eutin soll aktualisiert werden. 2018 wird auch die Sanierung der Reithalle (Mitte) beginnen. Quelle: Foto: Sylent

„Das Thema Markenbildung ist vorerst vom Tisch. Es gab keine Mehrheit in den Ausschüssen, obwohl wir dafür stark geworben haben. Offenbar ist es uns nicht gelungen, das Thema hinreichend zu vermitteln – vielleicht war die Überschrift falsch gewählt“, erklärt der Bürgermeister (parteilos).

Eines der ersten eigenen Projekte seiner Amtszeit, und bisher wohl das bedeutsamste, hat Bürgermeister Carsten Behnk nicht durch die städtischen Gremien gebracht: Von der Verwaltung beantragte 100000 Euro für eine Markenbildung für Eutin fielen komplett aus dem Etat 2018 heraus. Und nun?

Während die Mitglieder des Hauptausschusses die Summe im September zunächst noch mit einem Sperrvermerk für den Haushalt vorgesehen hatten, entschieden sie sich in ihrer jüngsten Sitzung, diese Gelder ganz und gar zu streichen. Einem dementsprechenden Antrag der SPD schlossen sich CDU und Freie Wähler an.

„Es gibt sicher Ideen für die Stadt, die man verfolgen kann. In Sachen Tourismus ist dafür die Eutin GmbH prädestiniert“, sagt Hans-Georg Westphal, Fraktionsvorsitzender der SPD. Seine Fraktion habe sich daran gestört, „dass alles mit Geld gelöst werden soll. Wir haben einen hochdefizitären Haushalt, die Bürger klagen über Ausbaubeiträge. Da hat keiner Verständnis, wenn wir für einen so diffusen Prozess so viel Geld ausgeben.“ Die SPD sei dem Vorhaben zur Markenbildung im September zwar nicht abgeneigt gewesen. „Aber ich habe noch Bodenhaftung und bin fast täglich auf das Thema angesprochen worden. Wir wollen nicht selbstherrlich handeln“, erklärt Westphal den Schwenk, eine für ihn „logische Konsequenz“.

Beide großen Fraktionen, SPD und CDU, argumentieren damit, dass die Stadt derzeit ganz andere Dinge in die Hand nehmen müsse. „Allem voran müssen wir sehen, dass wir nach der wohl unausweichlichen Sky-Schließung einen anderen Markt dorthin bekommen. Der Fokus hat auf aktuellen Dingen zu liegen“, sagt CDU-Fraktionschef Matthias Rachfahl. Er bekräftigt: „Uns nützt keine Marke, wenn wir die bestehenden Probleme nicht in den Griff kriegen.“

Gleichwohl bleibe die Werbung für die Stadt eine zentrale Aufgabe, betont der Bürgermeister. „Wir arbeiten unermüdlich weiter daran, ein attraktiver Standort für Jung und Alt zu bleiben. Die Umgestaltung der Innenstadt geht im nächsten Jahr weiter, wir werden den Zob modernisieren und die Historische Reithalle sanieren. All das sind Maßnahmen, die den Standort weiter nach vorne bringen werden. Das begleiten wir natürlich auch mit Öffentlichkeitsarbeit und Marketing.“ Sein Ziel für die Zukunft: Eutin müsse sich zusammen mit der Holsteinischen Schweiz und den Ostseebädern der Lübecker Bucht positionieren und gemeinsam entwickeln. Dass die Entwicklungsstrategie des Landes das Hinterland verstärkt fördern wolle, werde sich Eutin zunutze machen.

Die Grünen hätten gleich nach Scheitern der Anträge zur Markenbildung (ihr Vorschlag lautete, die Stadt solle einen mit 10000 Euro dotierten Wettbewerb ausschreiben, um ein Motto zu finden, mit dem sich möglichst viele Bürger identifizieren können) geäußert, man könne jetzt nicht nichts tun, sagt Monika Obieray. „Der Bürgermeister wird sicher bald einen neuen Vorstoß machen. Er hat ja auch Martin Klehs zum Tourismusmeister ernannt.“ Ihre Fraktion sei nach wie vor der Meinung, ein Markenbildungsprozess müsse von unten kommen. „Das kostet einen Bruchteil, und wir haben genügend schlaue Leute in der Gegend. Außerdem hätte ein solches Verfahren den Charme einer Jury, die nicht aus Politikern besteht.“

Der Eutiner Tourismuschef Per Köster verweist auf das Tourismus-Leitbild Eutin, das vor acht Jahren in einem Arbeitskreis mit der Politik erarbeitet und damals auch von der Stadtvertretung verabschiedet worden sei. „Das müssen wir jetzt aktualisieren und konkreter machen“, sagt Köster. Die Tourismuszentrale Holsteinische Schweiz (TZHS) werde im ersten Halbjahr 2018 das Tourismusentwicklungskonzept (Tek) fortschreiben, zurzeit liefen Auswahlverfahren für die zu beauftragende Agentur. „Im Tek werden auch Profile für die einzelnen Orte erarbeitet“, berichtet Per Köster.

Von Ulrike Benthien

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