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Ostholstein Cap-Arcona-Katastrophe als Filmprojekt
Lokales Ostholstein Cap-Arcona-Katastrophe als Filmprojekt
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12:34 14.03.2018
Die Schüler (v. l.): Janne, Lorenz, Eva, Keno, Johannes, Florian, Marvin, Ralf, Julie, Annalena, Sophie und Lara. Quelle: ROSENKÖTTER
Neustadt

Rückblick: Im September 2017 startet das Cap-Arcona-Projekt. Ideengeber ist das „Kinder und Jugend Netzwerk Neustadt“. Je vier Schüler der Förderschule am Rosengarten, der Jacob-Lienau-Gemeinschaftsschule und des Küstengymnasiums sollen sich fünf Tage dem Untergang der beiden Schiffe nähern.

Einer der Organisatoren ist Mano Salokat, Vorsitzender des Netzwerks. Er hofft, dass die „äußerst heterogene“ Gruppe zusammenwächst, Berührungsängste und Vorteile abbaut und Toleranz füreinander entwickelt. Es ist ein gewagtes Vorhaben und zugleich ein Zeichen gegen den von Intoleranz geprägten Nationalsozialismus. Ermöglicht wird das Vorhaben mit Geldern aus dem Bundesprogramm „Demokratie leben!“.

Sechs Monate später treffen sich die Akteure, Filmemacher Jens Westen, zahlreiche Schüler, Lehrer und Netzwerk-Unterstützer im Neustädter Kino. Der Saal füllt sich. Es gibt Freigetränke (natürlich alkoholfrei). Zeit für die Premiere von „Geschichte ganz nah ... die Erinnerung muss bleiben“.

Zeitzeugen besucht

Die Zuschauer sehen einen hochprofessionell produzierten Film. Die erste Szene zeigt die Gruppe im KZ Neuengamme. Hier war ein Großteil der späteren Opfer in der Neustädter Bucht untergebracht. Das Motiv wechselt. Zwei ältere Damen berichten vom Luftangriff der Royal Air Force. Sie sind Zeitzeugen, standen 1945 im Alter von zwölf Jahren am Strand, sahen die Bomben einschlagen. Fast 73 Jahre später sitzen sie bei der Premiere im Publikum. Die Schüler hatten sie ausfindig gemacht, besucht und ihre Geschichte angehört.

Ein Zuschauer erzählt nach dem Film von „zwangsweisen Besuchen der Gedenkfeier“ als er noch Schüler gewesen sei. Ihm hätte damals Hintergrundwissen gefehlt. „Der Film beleuchtet einiges, was man Jahrzehnte versucht hat totzuschweigen“, sagt er. Salokat nennt die Geschehnisse ein „bewegendes regionalhistorisches Thema“.

Die Bedeutung der Ereignisse ist auch den Schülern deutlich geworden. Ihre Wortbeiträge im Film wirken reflektiert, nachdenklich und zugleich warnend. Sie plädieren dafür, Menschen unabhängig von ihrer Herkunft, Rasse und anderen Merkmalen zu akzeptieren und zu respektieren. Dass dies möglich ist, haben sie fünf Tage lang erlebt. Die „Schlausten vom Gymnasium“, Gemeinschaftsschüler und Förderschüler sind ein Team geworden.

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