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Chinaseuche rafft die Kaninchen dahin

Ostholstein Chinaseuche rafft die Kaninchen dahin

Viele Halter und Züchter im Kreis Ostholstein sind betroffen – Impfstoffe sind bislang schwer zugänglich. Auch das Friedrich-Löffler-Institut, Bundesforschungsinstitut für Tiergesundheit in der Nähe von Greifswald, bestätigt: „Der Virus ist bundesweit auf dem Vormarsch.“

Züchter Theodor Lehmberg aus Dahme hat 26 seiner Kaninchen verloren. Anders als beim älteren Virus-Typ RHD1 greift die neue Virusvariante auch Jungtiere an.

Quelle: Thomas Klatt

Ostholstein. Für Theodor Lehmberg kam der Aufruf zum Impfen einen Tag zu spät. Der Kaninchenzüchter aus Dahme war dem Appell seines Ortsvorsitzenden sofort gefolgt. Doch als eine Woche später der Impfstoff eintraf, war es bereits zu spät. Das erste Kaninchen lag tot im Stall. 25 weitere Kaninchen – darunter vor allem Jungtiere – starben in den darauffolgenden Tagen an dem Virus RHD2, einer Krankheit, die inzwischen unter dem Namen Chinaseuche bekannt ist. Lediglich einige ältere Tiere überlebten aufgrund der nachfolgenden Impfung.

Von seinem Verband, dem Zentralverband Deutscher Rassekaninchenzüchter (ZDRK), fühlt sich Lehmberg im Stich gelassen. „Es ist seit Jahren bekannt, dass dieser Virus über Südeuropa auf dem Vormarsch in Richtung Deutschland war. Getan wurde nichts. Jetzt, wo es fast zu spät ist, werden eilig Impfempfehlungen nachgeschoben.“

Lehmberg weiß alleine im Norden Ostholsteins von 15 Kaninchenhaltern, deren Ställe betroffen sind. Und auch in Züchterkreisen hat der Virus bereits gewütet. „Ich züchte seit 30 Jahren – aber so etwas Schlimmes habe ich bisher noch nicht erlebt“, berichtet ein Züchter aus dem Kreisverband, der auf einen Schlag 60 Tiere verloren hat, jedoch namentlich nicht genannt werden möchte.

Hans-Joachim Frühling, Vorsitzender des Kaninchenzuchtvereins U 102 in Ahrensbök, weiß von drei Züchtern, bei deren Kaninchen das Virus eindeutig nachgewiesen wurde.

Auch das Friedrich-Löffler-Institut, Bundesforschungsinstitut für Tiergesundheit in der Nähe von Greifswald, bestätigt: „Der Virus ist bundesweit auf dem Vormarsch.“ Die Zahl von 139 registrierten Fällen aus dem Vorjahr dürfte in diesem Jahr deutlich höher liegen, so die Prognose des Institutes. Jedoch werden lediglich die Fälle registriert, bei denen Züchter verendete Tiere einschicken und das Virus dann einwandfrei festgestellt wird. Eine hohe Dunkelziffer ergibt sich aus dem Umstand, dass sich viele Halter und Züchter diese Mühe nicht machen, zumal die Krankheit nicht meldepflichtig ist.

Hinzu kommt, dass Halter und Züchter bisweilen die hohen Kosten für die Impfung scheuen. Bei einem Bestand von rund 150 Tieren muss der Halter rund 1000 Euro berappen. Ein weiteres Problem: Der einzige hilfreiche Impfstoff ist in Deutschland nicht zugelassen und muss umständlich über den Tierarzt beim Landwirtschaftsministerium beantragt werden (siehe Infokasten).

Um die Kosten zu senken und die Ansteckungsgefahr im Zaum zu halten, rät der Oldenburger Tierarzt Thomas Wroblewski den Züchtern, sich zusammenzuschließen und Impfungen vom Tierarzt vor Ort durchführen zu lassen. Auch eine Impfung mit dem Wirkstoff gegen die ältere Virusvariante RHD1 könne helfen, jedoch eine Infektion grundsätzlich nicht ausschließen.

Und noch ein weiteres Problem: die Zuchtausstellungen, die dieser Tage wieder vielerorts stattfinden. Hier können Züchter – ohne es zu wissen – dazu beitragen, dass sich ihre Tiere untereinander infizieren. Bereits jetzt müssten Züchter bei Ausstellungen eine zweimalige Impfung zumindest mit dem alten Impfstoff nachweisen, sagt Züchter Hans-Joachim Frühling. Doch weder der alte noch der neue Impfstoff sind derzeitig erhältlich.

Theodor Lehmbergs Forderung lautetet deshalb: „Uns Züchtern muss endlich ein wirksamer Impfstoff zur Verfügung gestellt werden – sonst werden noch viel mehr Tiere sterben.“

Hohe Sterberate

Der Virus RHD2 ist eine modifizierte Variante des seit etwa zehn Jahren bekannten Virus RHD1 und weist bei den betroffenen Tieren eine hohe Sterberate aus. Ausgebreitet hat sich RHD2 vor allem über Länder Südeuropas wie Spanien und Frankreich. Die Krankheit tritt in der Regel ohne Vorwarnung auf. Die Tiere verenden innerhalb weniger Tage, oftmals sogar innerhalb weniger Stunden an inneren Verblutungen und Atemnot. Übertragen wird die Krankheit von Wildkaninchen sowie von Ratten und Insekten. Für Menschen und auch Haustiere ist der Virus zwar ungefährlich, jedoch können auch diese zu Überträgern des Virus werden.

Der Impfstoff gegen RHD2 ist zwar vorhanden, jedoch auf dem deutschen Markt bisher nicht zugelassen. Halter wie Züchter müssen das Präparat deshalb über den Tierarzt beziehen, der dafür eine Sondergenehmigung beim zuständigen Ministerium einholen muss. Gegen den neueren Virustyp hilft auch eine zweimalige Impfung mit dem älteren Wirkstoff, die danach jedes halbe Jahr wiederholt werden muss. Allerdings biete diese Impfvariante keinen 100-prozentigen Impfschutz, warnen Tierärzte und auch das Friedrich-Löffler-Institut.

 Thomas Klatt

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