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Ostholstein "Condor": Staatsanwaltschaft stellt ihre Ermittlungen ein
Lokales Ostholstein "Condor": Staatsanwaltschaft stellt ihre Ermittlungen ein
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20:40 14.01.2017
Nur noch ein Wrack: Am 6. Februar sank der Fischkutter „Condor“ vor Fehmarns Ostküste. Zwei Fischer ertranken, ihr Rettungsfloß war nicht ordnungsmäßig verstaut worden.
Burgstaaken a. F.

Es sollte eine ganz normale Tagesfahrt werden. Unterwegs gelang dem 52-jährigen Kapitän und seinem Decksmann (45) offenbar ein besonders guter Fang.

Dänische Wartungsfirma war im Visier – BSU-Bericht kommt im März.

Doch in seinen Heimathafen Burgstaaken ist der Fischkutter „Condor“ nie mehr zurückgekehrt. Fast ein Jahr liegt diese dramatische Tragödie zurück, die bis heute viele Insulaner bewegt: Am 6. Februar sank das Schiff östlich von Fehmarn. Die beiden Männer, zwei erfahrene Fischer, konnten Stunden später nur noch tot geborgen werden. Von der über 70 Jahre alten „Condor“ fehlte zunächst jede Spur.

Erst einen Monat später wurde das Unglücksschiff von einem Rostocker Bergungsbetrieb aus 22 Meter Wassertiefe gehoben.

Rätselhaft bleiben die genauen Umstände bis heute. Traurige Gewissheit gibt es dagegen in der Frage, warum sich die beiden Fischer nicht auf das Rettungsfloß retten konnten. „Der Container mit dem Rettungsfloß war nicht ordnungsgemäß verpackt“, bestätigt Dr. Henning Hadeler von der Staatsanwaltschaft Kiel „Versäumnisse“ wenige Woche zuvor in einer dänischen Wartungsfirma. Folge: Die Leine des Rettungsfloßes hat sich verklemmt, deshalb trieb es auch nicht auf die Wasseroberfläche auf.

Die Staatsanwaltschaft Kiel hat deshalb ein Ermittlungsverfahren gegen einen Service-Mitarbeiter wegen fahrlässiger Tötung eingeleitet, es inzwischen aber eingestellt. Die Begründung: „Die Verletzung der Sorgfaltspflicht reicht nicht aus für eine Strafverurteilung.“ Hadeler wird auf LN-Nachfrage noch konkreter. Einer der beiden Fischer habe bei einem Sturz eine Verletzung an der Schläfe erlitten:

„Eine Bewusstslosigkeit ist nicht unwahrscheinlich.“ Hätten die beiden Fischer das Rettungsfloß, wenn es sich aufgeblasen hätte, überhaupt erreichen können? Hadeler: „Da sind zu viele Eventualitäten, um jemanden dafür mit einer Verurteilungswahrscheinlichkeit verantwortlich zu machen.“

Für die Staatsanwaltschaft Kiel ist die Tragödie um den Kutter „Condor“ damit strafrechtlich abgeschlossen, zumal für Hadeler auch die genaue Ursache unklar bleibe. Dabei sind ausgerechnet kurz vor Weihnachten – als in den betroffenen Familien der beiden Toten die Erinnerungen an das schreckliche Unglück besonders schmerzte – erste Untersuchungsdetails durchgesickert. Danach deutet vieles darauf hin, dass die beiden Fischer ihren Fang falsch gestaut haben könnten – oben an Deck und nicht unten im Laderaum. Die mögliche Folge: Das Ruder zeigte nach Steuerbord. Mit fatalen Folgen: In einer Rechtskurve könnte der Kutter schon mit leichter Schlagseite gekentert sein.

Ein Jahr Zeit bleibt der Bundesstelle für Seeunfalluntersuchung (BSU) mit Sitz in Hamburg, in diesem als „sehr schweren Seeunfall“ eingestuften „Untergang mit Todesfolge“ zu ermitteln. Zeit, die die Ermittler auch dringend benötigen. Dabei ist der Fall der „Condor“ keine Ausnahme.

BSU-Direktor Volker Schellhammer hat die NDR-Recherchen vom Dezember über mögliche Stabilitätsprobleme der „Condor“ zwar bestätigt. Allerdings betonte er auch, es hätten noch weitere Faktoren zum Untergang beigetragen. Glücklich ist man bei der BSU über die vorzeitige Veröffentlichung nicht – allein schon aus Schutz für die betroffenen Familien.

Der Abschlussbericht ist noch in Arbeit. Konkret heißt das: Voraussichtlich Mitte Februar soll er vorliegen. „Es muss noch einiges geklärt werden“, so ein BSU-Sprecher. Dann liegt er vier Wochen aus, damit alle Beteiligten Gelegenheit zur Stellungnahme – und möglicherweise zu Korrekturen – bekommen. Wahrscheinlich werde der Bericht im März veröffentlicht.

Bei allem Verständnis für die Ungeduld der Betroffenen: Wichtig ist es der BSU auch, zuverlässig Spekulationen über angebliche Kollisionen mit Minen oder U-Booten zu entkräften. Das könne hier ausgeschlossen werden: „Ein U-Boot taucht nicht plötzlich in 20 Meter Tiefe in Küstennähe auf.“

 Gerd-J. Schwennsen

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