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Ostholstein Cross-Strecke Kiesgrube: Anlieger erbost
Lokales Ostholstein Cross-Strecke Kiesgrube: Anlieger erbost
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12:08 28.03.2016
Dorfvorsteher Norbert Neu steht am Fuß einer Gefällstrecke, auf der die Crossfahrer von Abraumhalden herunterfahren. Quelle: Fotos: Peyronnet/lorenzen (hfr)
Malkwitz

„Die Dinger sind laut, fies, und das fünf Stunden lang, ein Bohrer beim Zahnarzt ist gar nichts dagegen.“ Erika Echterhof aus Malkwitz ist zornig, und damit hält sie nicht hinter dem Berg. „Machen Sie was!“, forderte sie die Kommunalpolitiker in der jüngsten Malenter Gemeindevertretersitzung auf. Was Echterhof so erzürnt, sind Motocross- und Quadfahrer, die vor allem an Wochenenden und Feiertagen in der Malkwitzer Kiesgrube und im Wald drumherum unterwegs sind.

Malkwitzer klagen über Lärm und wildes Fahren im Wald / Gelände liegt im Landschaftsschutzgebiet.

Seit Jahren außer Betrieb

Der Kiesabbau in Malkwitz begann in den 1960er-Jahren. Seit zehn Jahren ist die Grube, die mehrere Eigentümer hat, außer Betrieb. Von ihrer Bestimmung künden noch verrostete Förderbänder und Maschinen.

Wegen der Entsorgung von verrosteten Anlagen und Geräten ist die Abfallbehörde des Kreises bereits ordnungsrechtlich tätig geworden.

Der Malkwitzer Gerd Neumann hatte das Thema in der Einwohnerfragestunde angerissen. Er sprach von „penetrantem Motorradlärm“, von stetig zunehmenden Fahrten, von einer Kiesgrube, die Niemandsland und rechtsfreier Raum sei. Die Motorräder seien mit bewusst verschmutzten Nummernschildern unterwegs, die Fahrer trügen Helme, so dass niemand sie identifizieren könne. Wenn es gelinge, sie anzusprechen, reagierten sie aggressiv. Das verschlossene Tor zur Kiesgrube werde ständig aufgebrochen, und nach hinten sei das Gelände ohnehin offen. „Es ist ein Höllenlärm, allein schon durch die aufgebohrten Auspufftöpfe“, bestätigt der Malkwitzer Dorfvorsteher Norbert Neu.

Bärbel Lorenzen, die in Malkwitz den Ziegenhof im Wiesengrund betreibt, hat die Crossfahrer schon einmal gestellt. „Ich war so erbost. Wir haben hier den Uhu. Und die waren im Wald, sie kamen aus der Kiesgrube.“ Der Lärm der Motorräder sei vor allem bei Westwind „sehr nervig“. Und das in einem Ort, in dem Urlauber die Ruhe suchten. „Man sieht in der Kiesgrube auch Hufspuren, und wenn ich mir vorstelle, Reiter und Motorcrossfahrer begegnen sich . . .“, sagt Lorenzen und mag nicht daran denken, was passieren könnte.

Die Kiesgrube ist frei zugänglich, das Schloss und die Kette am Tor sind — wieder einmal, so Neu und Neumann — aufgebrochen, gestohlen, zerstört. Das etliche Hektar große Areal ist ein beliebtes Ziel für Hundebesitzer und Reiter, davon künden die Spuren im losen Sand und Kies. Vor allem aber ist jeder Hügel, jeder Hang mit Reifenspuren überzogen. An vielen Stellen hat sich das grobe Profil der Geländemaschinen in den Untergrund eingegraben. Laut Neumann fahren die Crossfahrer sogar mit ihren Hängern bis in die Kiesgrube.

„Wir waren viel zu lange viel zu geduldig“, sagt Neumann. Jetzt wollen die Malkwitzer nicht mehr stillhalten. „Die Kiesgrube liegt im Landschaftsschutzgebiet. Warum sind auf der Grundlage dieser rechtlichen Vorschriften, etwa dem Verbot jeglichen Lärms, keine Schritte unternommen worden?“, wollte Neumann von den Kommunalpolitikern wissen. Er fordert, dass sich der Umweltausschuss der Gemeinde Malente mit dem Thema befasst. „Wir haben den Eigentümer der Kiesgrube zu einem Gespräch gebeten, es gibt aber noch keinen Termin“, teilte Bürgermeister Michael Koch (CDU) in der Sitzung mit. Er werde die Anfrage von Neumann noch einmal zum Anlass nehmen, um ins zu Gespräch zu kommen. Die Kiesgrube gehört mehreren Eigentümern.

Die Untere Naturschutzbehörde (UNB) beim Kreis Ostholstein bestätigt, dass die Kiesgrube im Landschaftsschutzgebiet liegt. „Eine lärmintensive Sportart wie Motorcrossfahren ist mit dem Schutzzweck der Verordnung (unter anderem Naturgenuss und Erholung) nicht vereinbar“, heißt es von der UNB. Der Behörde sei das Problem bekannt. „Der Fachdienst Boden- und Gewässerschutz ist mit dem Fachdienst Naturschutz des Kreises und mit dem Wasser- und Bodenverband im Gespräch darüber, wie man das Befahren der Fläche verhindern kann“, teilte Kreissprecher Jan-Wendelin Henrich mit.

„Das Fahren mit Motorrädern auf Privatgelände ist erst einmal grundsätzlich nicht verboten“, heißt es von der Polizei Malente, die bereits mehrmals wegen der Motocrossfahrer nach Malkwitz gerufen wurde. Weiter heißt es von der Polizei, dass eine erhebliche Ruhestörung nach deren Einschätzung nicht vorliegen dürfte, da die nächsten Häuser relativ weit von der Kiesgrube entfernt und durch Hügel und Wald abgeschirmt seien.

Die Beamten empfehlen, dass der Eigentümer Verbotsschilder aufstellt und Tore schließt sowie gegen widerrechtliches Befahren vorgeht. Die Polizei könnte dann beim Durchsetzen von Hausverboten und Straftaten wie Hausfriedensbruch oder Sachbeschädigung tätig werden. Außerdem biete sie Gespräche zur Lösung des Problems an. Neumann machte gegenüber den Kommunalpolitikern unmissverständlich klar:

„Wir erwarten, dass jetzt endlich die Gemeinde umfassender und nachhaltig aktiv wird.“

Von Susanne Peyronnet

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