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Ostholstein Curau in historischen Ansichten
Lokales Ostholstein Curau in historischen Ansichten
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15:07 06.10.2018
Curau-Kalender 2019. Alte Ansichten bis 1950 hat eine vierköpfige Arbeitsgruppe für den Kalender zusammengetragen.. Quelle: Doreen Dankert
Curau

Geboren wurde die Idee vom Curauer Kalender 2019 genau genommen als eine Schnapsidee in einer gemütlichen Runde nach einer Feuerwehrversammlung zu Beginn dieses Jahres. Doch die vier Curauer verfolgten ihre Idee, gründeten eine Arbeitsgruppe – und präsentierten jetzt den Kalender.

Eigentlich ist der Kalender mit alten schwarz-weiß Ansichten aus Curau noch druckfrisch. Doch weil der Buschfunk im Dorf funktioniert, sind bereits jetzt schon über 20 der 40 Exemplare verkauft.

Curauer Kalender

Irgendwie kamen Stefan Piontek, Hartmut Zimmermann, Klaus Boese und Klaus Hinz nach dem offiziellen Teil bei besagter Versammlung auf alte Zeiten zu sprechen. Auf alte Curauer Zeiten, als Pferdekutschen noch Hauptverkehrsmittel waren und der Name für das Dorf noch zwei Schreibweisen hatte – Curau und Kurau. Bis auf Stefan Piontek, der erst vor 16 Jahren aus dem Umland nach Curau gezogen war, gelten die anderen drei Mitglieder der Arbeitsgruppe als alteingesessene Curauer. Sie alle haben geerbte Schätze in Form von uralten Fotos von Curau gefunden – die Basis für den Curauer Kalender.

„Und noch gibt es Menschen hier, die noch Geschichten von früher aus dem Dorf erzählen können“, sagt Klaus Boese, „und mit diesem Kalender wollen wir an diese Geschichten erinnern, denn irgendwann wird es hier niemanden mehr geben, der das weiß.“

Frühschoppen in der Schankwirtschaft

Einer, der Curau wie seine Westentasche kennt, ist Klaus Hinz. Der 75-Jährige kann viele Geschichte erzählen. Und das familiäre Netz der Familie Hinz ist auch heute noch weit in Curau gespannt. Klaus Hinz senior war genau wie sein Sohn Klaus junior heute einmal Wehrführer der Freiwilligen Feuerwehr Curau. Und Klaus Hinz senior hat auch einmal die Gaststätte Hinz geleitet, bis er sie vor vielen Jahren an seinen zweiten Sohn Dirk übergeben hat. „Die Posten werden in den Familie Hinz vererbt“, sagt Hartmut Zimmerman scherzhaft. Wie dem auch sei – Klaus Hinz hat – seit er 1970 mit seiner Frau Edeltraud die einstige Schankwirtschaft übernommen hat – noch mehr Geschichten aus dem Dorf gehört. „Denn die Leute sind damals zum Trinken und Erzählen in die Gaststätte gekommen“, erinnert sich Klaus Hinz. Aufgrund eines spärlichen TV-Programms, mangels Internet und anderer digitaler Betätigungsfelder hatte die soziale Begegnung in Schankbetrieben seinerzeit einen enormen Stellenwert. Reales Leben war angesagt, die digitale Welt existierte damals noch nicht, deswegen war die Schankwirtschaft in Curau früher der Treffpunkt schlechthin – heute würde man so einen begehrten Treffpunkt als „Hotspot“ bezeichnen.

„Das ging schon morgens los“, erinnert sich Klaus Hinz. „Da kamen die Bauern vom Feld für die erste Pause, haben angehalten vor der Schankwirtschaft, getrunken und sich dann die neuesten Nachrichten erzählt.“ Und damals waren nur Getränke gefragt, gegessen hat man zu Hause. Das hat sich in den 70er-Jahren ganz langsam geändert. Mit Schinkenbroten, Bauernfrühstück und Ochsenschwanzsuppe. Ein richtiges Restaurant ist die Gaststätte Hinz aber erst unter der Leitung von Dirk und seiner Frau Marika Hinz geworden – und dank der viel gelobten Kochkünste von Dirk Hinz bis heute geblieben – auch für viele auswärtige Gäste.

Zwei Schulen, zwei Feuerwehren

Die Fotos, die die Arbeitsgruppe für den Kalender ausgesucht hat, zeigen Curau im Zeitraum von 1900 bis 1954. Wer zu dieser Zeit in Curau gelebt hat, der weiß, dass Curau vor gut 100 Jahren ungefähr 500 Einwohner hatte, zwei Bürgermeister, zwei Feuerwehren und sogar zwei Schulen – das alles wegen einer unsichtbaren Grenze, die kreuz und quer durchs Dorf führte. Die eine Hälfte des Dorfs gehörte zu Lübeck, die anderen Hälfte zu Oldenburg in Niedersachsen. Lübeck hat Curau mit K geschrieben, „und die Oldenburger fanden das Französische schick und haben deshalb Curau mit C geschrieben, was sich seit der Zwangsgebietsreform 1937, als Curau zur Gemeinde Stockelsdorf verortet wurde, durchgesetzt hat“, erklärt Klaus Hinz.

1200 Einwohner nach dem Krieg

Mit der Flüchtlingswelle im Zweiten Weltkrieg erhöhte sich die Einwohnerzahl in Curau plötzlich auf 1200, sagt Hinz. „Und zur Spitzenzeiten sind in Curau 260 Kinder zur Schule gegangen“, weiß Klaus Hinz. Bis zur Einführung der D-Mark Mitte 1959 seien die meisten Flüchtlinge, aber auch einige Curauer ausgewandert nach Australien und in die USA, so Hinz. Heute leben rund 600 Einwohner in dem Dorf.

Curau hat noch viel mehr Geschichten, die darauf warten, nach langer Zeit wieder einmal erzählt zu werden.

Preis

Im A4-Format gibt es diesen Kalender zu einem Preis von 19 Euro. Erhältlich ist der Kalender in der Gaststätte Hinz und im Büro der Kirchengemeinde Curau. Wer alte Fotos von Curau hat, ist eingeladen, diese der Arbeitsgruppe zu zeigen als mögliches Motiv für weitere Kalender. Kontakt über Hartmut Zimmermann unter 04505/323. Die Fotos werden dann gescannt, jeder bekommt seine Fotos zurück.

Die Arbeitsgruppe jedenfalls hat schon jetzt angekündigt, auch einen historischen Kalender für 2020 zu machen. „Unser Bildmateriale reicht jedenfalls noch für viele Jahre“, erklärt Klaus Boese.

Doreen Dankert

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