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DFDS zieht Angebot zurück: Poker um Scandlines geht weiter

Fehmarn DFDS zieht Angebot zurück: Poker um Scandlines geht weiter

Dänische Fährschiffreederei ist offenbar nicht bereit, die siebenstellige Verkaufssumme alleine zu stemmen. Der Kaufpreis soll bei rund 1,4 Milliarden Euro liegen.

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„Das hat mich absolut erstaunt. Ich hatte fest mit der DFDS gerechnet.“ Bernd Friedrichs, Betriebsrat Scandlines

Puttgarden. Im Verkaufspoker um die deutsch-dänische Reederei Scandlines gibt es eine faustdicke Überraschung. Die dänische Fährschiffreederei DFDS mit Sitz in Kopenhagen, zuletzt der am heißesten gehandelte Kandidat, ist endgültig ausgestiegen. Gegenüber der dänischen Presse gab die Reederei jetzt in einer Stellungnahme bekannt, „kein weiteres Angebot zum Scandlines-Erwerb“ mehr abzugeben.

Offenbar war DFDS nicht bereit, die siebenstellige Verkaufssumme alleine zu stemmen. Im Gespräch sind nach LN-Informationen rund 1,4 Milliarden Euro für die Routen Puttgarden—Rødby und Rostock—Gedser. Außerdem gehören noch 50 Prozent der Öresund-Route Helsingör—Helsingborg, die Scandlines und Stena je zur Hälfte betreiben, mit zum Verkaufspaket. DFDS hatte nach dänischen Presseinformationen ein Angebot abgegeben, welches von den jetzigen Scandlines-Eigentümern aber „nicht akzeptiert“ worden sei.

Weitere Details nannten weder DFDS noch die Reederei Scandlines, die grundsätzlich zu den Verkaufsverhandlungen keine Stellungnahme abgibt. Noch Anfang Mai hatte sich DFDS als bislang einziger potenzieller Interessent öffentlich zum Kaufinteresse bekannt. „Wir sind im Rennen um Scandlines“, bestätigte Vizechef Gert Jakobsen, früher Pressesprecher von Scandlines Dänemark, gegenüber dem „Wall Street Journal“. Es hieß seinerzeit aber auch, für den teuren Deal wolle sich DFDS noch einen Finanzinvestor als Partner mit ins Boot holen.

Der plötzliche Rückzieher kommt auch für Scandlines-Konzernbetriebsrat Bernd Friedrichs (Puttgarden) unerwartet. „Das hat mich absolut erstaunt. Erst gab es ein Dementi, dann eine Zusage, nun die Absage. Ich hatte fest damit gerechnet, dass DFDS bei der Zusage bleibt“, so Friedrichs gestern auf LN-Anfrage. Bis zuletzt habe er nicht an den Kaufabsichten der Reederei aus Kopenhagen gezweifelt — und dass der Schritt ins Fährgeschäft auf den verbliebenen Scandlines-Routen ernsthaft gewollt sei.

Völlig unklar ist, wie es jetzt weitergeht. Noch immer wird der Verkauf von Scandlines offenbar noch in diesem Jahr angestrebt. Erst 2007 hatten der Londoner Finanzinvestor 3i und die deutsche Allianz Capital zusammen mit der Deutschen Seereederei (DSR) für 1,56 Milliarden Euro Scandlines übernommen. 2010 trennte sich die DSR von ihrem bis dahin 20-prozentigen Anteil, seither halten 3i und Allianz Capital jeweils 50 Prozent.

Ob überhaupt noch weitere Reedereien im Rennen sind, weiß auch der Betriebsrat nicht. Dem Vernehmen nach gibt es aber mehrere Finanzinvestoren, die Scandlines übernehmen wollen. Im Mai kursierten in der Wirtschaftspresse einige Namen: Antin Infrastructure Partners (Frankreich), ein Bieterkonsortium aus Star Capital und einem Macquarie Infrastruktur-Fonds sowie der Finanzinvestor TGP Capital.

Offiziell bestätigt wurde aber keine der angeblichen Offerten.

Aktuelle Zahlen
2012 erzielte Scandlines mit 193 Millionen Euro Gewinn vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen ein Rekordergebnis. Es übertraf damit das Ergebnis von 2011 um sechs Prozent. 2012 trennte sich die Reederei aber auch von sämtlichen Frachtrouten.

946 Mitarbeiter sind bei Scandlines Deutschland beschäftigt, davon 650 in Puttgarden.

Gerd-J. Schwennsen

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