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Ostholstein DRK reagiert auf Kritik: Strukturen des Fahrdienstes werden überprüft
Lokales Ostholstein DRK reagiert auf Kritik: Strukturen des Fahrdienstes werden überprüft
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20:22 06.09.2013
Der Kreisverband des DRK hat rund 400 Mitarbeiter, 54 sind im Behindertenfahrdienst, einem Tochterunternehmen, beschäftigt. Quelle: Fotos: Benthien

Der Kreisverband Ostholstein des Deutschen Roten Kreuzes (DRK) wird sein Tochterunternehmen, die Ostholsteiner Behindertenfahrdienst (BFD) gGmbH, mit Hilfe des Landesverbandes auf den Prüfstand stellen. Das kündigte Hans-Jürgen Clausen, Präsidiumsmitglied des Kreisverbandes, gestern bei einem Pressegespräch an.

Hintergrund waren die Kündigungen zweier Fahrer, die sich über geringe Bezahlung, ausgedehnte Arbeitszeiten und eine unangemessene Umgangsweise beklagt hatten. Einer hatte seine Beschwerden zuvor auch öffentlich gemacht. Nach Angaben der beiden Männer aus Neustadt und Eutin hätten sie ihre Entlassungsschreiben für ihre Minijobs unmittelbar nach ihren Äußerungen erhalten.

Martin Broziat, Geschäftsführer des DRK-Kreisverbandes, war auch gestern nicht bereit, „zu diesen konkreten Personalfällen Stellung zu nehmen“. Die Kündigungen seien aus „Sachgründen“ notwendig geworden. Was er darunter verstehe, wollte er nur allgemein formulieren. Mitarbeiter dürften sich nicht rufschädigend über ihren Arbeitgeber äußern, er erwarte Loyalität, Menschlichkeit, Respekt, Umgangsformen und bei Fahrern zusätzlich eine vernünftige Fahrweise. „Wenn jemand das nicht erfüllen kann oder will, ist das ein Kündigungsgrund.“ Der Geschäftsführer sagte auch, bei den 400 Mitarbeitern des Kreisverbandes seien Kündigungen eher die Ausnahme. „Das sind keine angenehmen Momente. Ich spreche sie nicht gern aus, aber wenn es rechtlich geboten ist, muss es eben sein.“

Eine Mitarbeiterversammlung am Mittwoch habe ihm bewiesen, so Broziat, dass die 54 Fahrerinnen und Fahrer, die zusammen insgesamt 41 Touren bedienen, zu „ihrem“ Fahrdienst stünden. Einige hatte er zu dem Pressegespräch dazugebeten. Susanne Metzech, seit knapp einem Jahr beim BFD, räumte ein, sie wäre froh über ein paar Euro mehr, aber der Verdienst und die Arbeitszeiten — „man fährt auch mal an einem Tag länger, an einem anderen kürzer“ — seien ja von Anfang an klar gewesen. „Wagenpflege mach‘ ich aber gern, das gehört dazu“, versicherte sie. Dass die Fahrer ihren Bus am Wochenende mal aussaugten, sei ja wohl selbstverständlich, fügte Kerstin Siebrecht, Disponentin, die die Touren einteilt und seit 2001 beim DRK arbeitet, an.

Auch das war ein Kritikpunkt der beiden entlassenen Fahrer gewesen: Einer hatte angegeben, er habe Pflegemittel zum Säubern des Busses selbst kaufen müssen, der andere hatte berichtet, es gebe Fahrer, die ihre Wagen per Hand in der Selbstwaschanlage reinigen müssten. „Alles Unsinn“, sagt Siebrecht. „Alles, was die Fahrer benötigen, können sie anmelden und bekommen es auch. Außerdem werden kleine Busse in einer Waschstraße in Pansdorf, größere in Neustadt gereinigt.“ Harry Lohrke, seit sieben Jahren Fahrer, legt Wert darauf, dass seine Kollegen und er eine verantwortungsvolle Aufgabe wahrnehmen. „Wir kennen unsere Fahrgäste und ihre ,Macken‘ und kommen auch mit schwierigen Situationen zurecht, denn wir absolvieren regelmäßig Erste-Hilfe-Kurse.“

Er glaube, sagen zu können, in beiden Fällen seien die Kündigungen nicht unverdient gewesen, bemerkte Hans-Jürgen Clausen. Auf die Äußerungen der Gewerkschaft Ver.di, die das Verhalten des DRK aufgrund der Bezahlung von 5,62 Euro pro Stunde und weniger als sittenwidrig bezeichnet hatte, entgegnete der Eutiner Rechtsanwalt: „Das sind starke Worte, aber nicht haltbar. Der Begriff ist gar nicht angemessen. Zugegeben, das ist ein relativ niedriger Lohn. Aber wir haben eben Mitarbeiter, die dienen vor verdienen stellen.“

Bereits in der kommenden Woche werde Klaus Crijns, Vorstand des Landesverbandes, nach Eutin kommen und mit dem Kreisverband gemeinsam den BFD überprüfen. „Wir werden nach Einsparmöglichkeiten suchen, vielleicht lässt sich der Tourenplan optimieren. Sollten wir durch Strukturveränderungen Mittel frei setzen können, werden sie unseren Fahrern zugute kommen“, stellte Clausen in Aussicht. Ihren Stundenlohn einfach zu erhöhen, sei nicht denkbar: „Das müssten wir refinanzieren, indem wir an unsere Auftraggeber herantreten und mit ihnen über höhere Zahlungen verhandeln.“

Ulrike Benthien

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