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Ostholstein Dänen: Beltbaustelle gefährdet Schifffahrt nicht
Lokales Ostholstein Dänen: Beltbaustelle gefährdet Schifffahrt nicht
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19:59 25.09.2018
So könnte es auch im Fehmarnbelt aussehen: Schlepper ziehen Tunnelelemente über den Öresund. Quelle: Femern A/s
Fehmarn

Voraussichtlich 54 Monate wird es dauern, bis der Belttunnel auf See fertig ist. Saugbagger oder Schlepper sind im Dauer-Einsatz, während gleichzeitig Fährschiffe und Tanker den Fehmarnbelt queren. Trotzdem befürchtet Femern A/S keine Gefährdung für die Schifffahrt. Ganz im Gegenteil: „Die Schiffe werden zu jeder Zeit sicher im Fehmarnbelt verkehren können“, betont Prof. Jens Froese. Der Experte für maritime Logistik, der auch Wasser- und Schifffahrtsverwaltungen berät, hat eine umfangreiche Risikoanalyse erstellt. „Wir haben fast alles geprüft, was schiefgehen könnte. Nur nicht, was passiert, wenn ein Zeppelin aufs Fährschiff runterfällt“, scherzt er.

Auf Fehmarn haben jetzt Claus Iversen, zuständig für die seeseitigen Arbeiten bei Femern A/S, und Matthias Laubenstein, Leiter der Planfeststellung, das darauf aufbauende Sicherheitskonzept der dänischen Tunnelgesellschaft vorgestellt. Es ist kein Selbstgänger: Denn jährlich passieren etwa 40 000 Schiffe, darunter auch russische Tanker, den Fehmarnbelt. Dazu kommt laut aktuellen Scandlines-Zahlen die Fährverbindung von Puttgarden nach Rødby mit jährlich etwa 34 000 Abfahrten auf Fehmarn und Lolland im Halbstunden-Takt.

Tunnel wird östlich der Fährroute gebaut

Die Fährschiff-Passage auf der Vogelfluglinie ist für Femern A/S aber das kleinere Problem. Denn der Tunnel wird östlich der gegenwärtigen Fährverbindung liegen. Laubenstein: „Daher werden die Bauarbeiten den Fährbetrieb so wenig wie möglich beeinflussen.“ Die Arbeitsschiffe kreuzen die Fährroute nur kurz vor Rødby, wenn der ausgebaggerte Sand kurz vor der Küste Lollands westlich des dortigen Fährhafens aufgeschüttet wird.

Bleibt die stark befahrene Handelsroute als größte Herausforderung: Die Sicherheit im Fehmarnbelt soll vor allem durch die Revierzentrale der Seeschifffahrtsbehörde in Travemünde gesichert werden. Dort wird die Verkehrszentrale VTS Fehmarn (Vessel Traffic Service Center) angesiedelt. Iversen: „Hier laufen alle Fäden zusammen. Über die dortigen Bildschirme werden unsere Bauarbeiten auf See rund um die Uhr überwacht.“

Die Arbeit des deutsch-dänischen Teams sei vergleichbar mit der von Fluglotsen. Im Falle einer Gefahrensituation würden die beiden Verkehrssicherungsschiffe, die – wie in den LN bereits berichtet – ebenfalls rund um die Uhr auf See im Fehmarnbelt patrouillieren, rechtzeitig benachrichtigt und zum Einsatz gerufen. Iversen: „Dort werden stets Behördenvertreter sein. Sie sind also der lange Arm des VTS in Travemünde.“

Sie sichern die jeweilige Baustelle ab und halten die Schiffe von den gesperrten Gebieten fern, die teilweise monatlich wechseln. Diese werden auf den ebenfalls monatlich neu herausgegebenen digitalen Seekarten markiert und durch Tonnen deutlich sichtbar abgegrenzt. Außerdem legt ein Koordinator den Einsatz von Baufahrzeugen für die täglichen Arbeiten auf See fest. Grundsätzlich gilt: Je näher die Baustellen an die Handelsrouten heranrücken, desto kleiner fallen sie aus.

So nahe wie hier bei Arbeiten im Fährhafen Puttgarden werden sich Fähre und Arbeitsschiffe auf der Tunnelbaustelle nicht kommen. Quelle: Gerd-J. Schwennsen

Wie bei Bauarbeiten an Land gibt es auf See eine Reihe weiterer Vorkehrungen, um die maximale Sicherheit zu gewährleisten. Die täglichen seeseitigen Bauarbeiten werden minutiös geplant und in einer WVC-Zentrale (Work Vessel Coordination) koordiniert. Laubenstein: „Alle Arbeitsschiffe werden somit nur unter Aufsicht operieren und die Routen sowie Einsatzzeiten so koordiniert, dass mögliche Beeinträchtigungen minimiert werden.“

Dazu komme eine enge Zusammenarbeit zwischen der eigenen Bauzentrale in Rødby mit der Reederei Scandlines, um deren Fahrplan nicht durcheinander zu würfeln. Denn Femern A/S will nicht nur die Sicherheit, sondern auch die Leichtigkeit des Schiffsverkehrs während der Bauarbeiten gewährleisten, also zeitliche Verzögerungen vermeiden. Außerdem wird für die Sport- und Freizeitschifffahrt ein kleiner Korridor vorgehalten, damit auch Segler oder Angler die Baustelle sicher passieren können.

19 Millionen Kubikmeter Aushub aus dem Belt

Für den Aushub des Grabens plant Femern A/S etwa 18 Monate. Der Großteil der insgesamt 19 Millionen Kubikmeter Sand wird zur Landgewinnung östlich und westlich von Rødby verwandt, nur eine Millionen Kubikmeter werden zur Aufschüttung zwischen Puttgarden und Marienleuchte auf deutscher Seite vorgesehen. Für die Errichtung von Tunnelbett, Absenkung der Tunnelelemente und deren Verfüllung kalkuliert Femern A/S 38 Monate ein.

Bis zum Start der seeseitigen Bauarbeiten werden laut Laubenstein nach Vertragsabschluss mit den Baukonsortien noch etwa 18 Monate vergehen. Er rechnet – wie von Verkehrsminister Bernd Buchholz (FDP) in Aussicht gestellt – bis Ende des Jahres mit einem Planfeststellungsbeschluss, der danach aber vermutlich durch Naturschutzverbände beklagt werde.

Gerd-J. Schwennsen

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