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Ostholstein Ein Haus wie ein Roman
Lokales Ostholstein Ein Haus wie ein Roman
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16:45 29.10.2018
Das „Abendrote Haus“ in Gömnitz: Die Hauptfassade mit den großen Linden ist nach Westen ausgerichtet, zum Abendrot. Quelle: PEYRONNET
Gömnitz

Seit zwei Jahren sind Anna-Lina Harms und Jan Etzelsberger Hausherren im „Abendroten Haus“. Die gelernte Hauswirtschafterin und der Klempner und Anlagentechniker haben das ehemalige Bauernhaus gekauft und den Betrieb übernommen. Ferienhaus war es schon vorher. Vor allem aber hat es eine lange und spannende Geschichte.

Da ist der Name. Das „Abendrote Haus“ verdankt ihn einem Roman gleichen Titels, den Walter Lehmann (1883–1941), Pastor in Borby bei Eckernförde, verfasste. Er hat dem Gömnitzer Bauernhaus, das ihm als Vorbild diente, damit ein Denkmal gesetzt. Im Roman steht das Haus allerdings an der Nordsee, berichtet Anna-Lina Harms. Lehmann war ein direkter Vorfahr der vorherigen Hofbesitzer.

Milch, Kunst und Feriengäste

Das Haus gehörte lange einer Schriftsteller- und Künstlerfamilie namens Green. In den spärlichen Unterlagen zu dem Anwesen steht, dass es erstmals 1848 an einen neuen Besitzer übergeben wurde und dass dort Milch und Käse produziert wurden. Deshalb trug das Haus den Namen Holländerhof. Zwischendurch war es wieder ein normaler Bauernhof. 1983 bauten die Vorbesitzer, die Greens, es zum Ferienhof um. Im hinteren Teil gab es damals noch ein Künstleratelier. Dort arbeitete der Bildhauer Walter Green an seinen Holzskulpturen.

Das ehemalige Bauernhaus bietet heute Ferienwohnungen für große Gruppen

900 Quadratmeter Nutzfläche erstrecken sich unter dem riesigen Dach des „Abendroten Hauses“. Harms und Etzelsberger vermieten Ferienwohnungen, wie es sie sonst kaum gibt. „Alles, was viel Platz braucht, ist bei uns richtig“, sagt der Hausherr. Familientreffen, gemeinsame Unterbringung von Hochzeitsgästen, große Geburtstage, aber auch Gruppen, die Seminare abhalten wollen. Im Sommer waren Auszubildende einer IT-Firma da. „Es kommen viele esoterische Gruppen, bis hin zum schamanischen Reisen“, berichtet Harms. Ihnen bietet das „Abendrote Haus“ nicht nur geschmackvoll eingerichtete Zimmer mit bis zu drei Bädern und Küche pro Ferienwohnung, sondern auch zwei Seminarräume unterm Dach – ausgestattet mit Beamer, Leinwand und Yogamatten. Ein Schmuckstück ist die große Diele. Mit 30 Stühlen an einem langen Tisch dient sie als Versammlungsraum. Auf Wunsch bietet Harms Vollpension. „Es ist viel Arbeit, aber es macht auch viel Spaß.“ Die Zutaten fürs Essen kommen vielfach aus dem eigenen Garten, wo Gemüse und Obst wächst, wo Gänse, Hühner und Schafe leben.

Zwischen zwei Bergen

Dass sich gerade esoterische Gruppen vom „Abendroten Haus“ angezogen fühlen, mag nicht nur am lyrischen Namen liegen. Auch die Lage ist einmalig. Von einer Seite des Grundstück haben Besucher einen guten Blick auf den Bungsberg, Schleswig-Holsteins höchste Erhebung (167,4 Meter über Normalnull), auf der anderen Seite erhebt sich der Gömnitzer Berg, der dritthöchste des Kreises Ostholstein (94 Meter). Der zweithöchste Berg des Kreises ist der Weiberberg bei Harmsdorf mit 100 Metern Höhe, aber der ist weit weg vom „Abendroten Haus“.

Es ist nicht nur die Lage zwischen zwei Bergen, die die Gäste anlockt. „Die Umgebung und die Alleinlage reizen sie“, sagt Anna-Lina Harms. „Hier können sie ganz für sich sein.“ Das alles in einem Haus, das Geschichte atmet. Holzdielen und Balken sind in vielen Räumen noch im Originalzustand. Nur das Reetdach wurde irgendwann einmal durch ein konventionelles ersetzt. Das hat dem Haus nichts von seinem Charme gekommen, vor allem dann nicht, wenn die Sonne untergeht und sich das Abendrot in den Fensterscheiben des nach Westen ausgerichteten Hauptgiebels spiegelt.

Susanne Peyronnet

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