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Das Geister-Rathaus von Süsel

Süsel Das Geister-Rathaus von Süsel

Als Folge der Verwaltungsgemeinschaft mit Eutin regiert im Süseler Rathaus seit fast zehn Jahren der Leerstand oder genauer: der Überfluss. Büros stehen leer, Eutin schickte kaum Mitarbeiter. Der Bürgermeister fordert jetzt klare Verhältnisse.

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Bürgermeister Holger Reinholdt im Sitzungssaal des Rathauses Süsel. Regulär wird der Saal noch drei Mal pro Quartal für Ausschusssitzungen genutzt. Bei Bedarf tagen hier noch Seniorenparlament oder VHS-Beirat.

Quelle: Fotos: Petersen

Süsel. Ein so komfortabler Arbeitsplatz ist in der Verwaltung nicht selbstverständlich: das Haus gepflegt und lichtdurchflutet, ein großer Parkplatz gleich nebenan, die Büros hell und großzügig bemessen. Aber sie werden zu einem Gutteil gar nicht richtig genutzt — und das seit bald einem Jahrzehnt. Klingt nach Schilda, doch die Rede ist vom Rathaus Süsel. Als Folge der Verwaltungsgemeinschaft mit Eutin regiert hier seit neun Jahren der Leerstand oder genauer: der Überfluss.

LN-Bild

Seit bald zehn Jahren stehen Büros leer, Eutin schickte kaum Mitarbeiter — Bürgermeister will klare Verhältnisse.

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„Wenn man genügend Bürofläche zur Verfügung hat, kann man großzügig damit umgehen. Hier ist es der Fall“, erklärt Süsels ehrenamtlicher Bürgermeister Holger Reinholdt (FWS). Einzelbüros sind Standard, auch die nur an einzelnen Tagen präsente Flüchtlingsbetreuerin vom Kinderschutzbund konnte im Untergeschoss sofort ein eigenes Büro beziehen. Nebenan dient ein Raum für gelegentliche Besprechungen. Fraktionen, Volkshochschule oder Schiedsamt können sich bei Bedarf gerne einquartieren. Ein Raum ist vermietet, etwa sechs weitere unterschiedlicher Größe wären wohl entbehrlich, meint Reinholdt. Doch die Gemeinde kann nicht einfach Mieter für diese Büro-Kapazitäten suchen. Das Sagen hat die Stadt Eutin, sie müsste diese freigeben.

Als im Februar 1997 das neue Rathaus bezogen wurde, war Süsel noch eine selbstständige Gemeinde mit hauptamtlichem Bürgermeister und eigener Verwaltung. Der Neubau zum Preis von damals rund drei Millionen Mark (1,5 Millionen Euro) wurde erforderlich, weil das alte Verwaltungsgebäude in Röbel abgebrannt war. Finanziert wurde das neue Backstein-Gebäude in Süsels Ortsmitte aus der Feuerversicherung, dem Verkauf des Grundstücks in Röbel und etwa 1,5 Millionen Euro Fördergeldern vom Land.

Knapp zehn Jahre später musste sich die Gemeinde auf Druck der Landesregierung eine Partnergemeinde suchen, weil sie unter der 8000-Einwohner-Grenze lag. Süsel entschied sich für Eutin. In der Ende 2006 besiegelten Verwaltungsgemeinschaft war eine Weiternutzung des Süseler Rathauses vereinbart worden — „mit dem Grundtenor, dass in der Größenordnung Personal aus Eutin nach Süsel wechselt, wie dort zuvor beschäftigt war“, erläutert Reinholdt.

Doch obwohl seine Vorgänger immer wieder darauf drängten, sei dies von Seiten Eutins nicht in vollem Maße geschehen. Gekommen seien die Steuer-Abteilung, die Geschäfts- und die Anlagenbuchhaltung.

Zusammen mit Stabstelle und Bürgerbüro acht Mitarbeiter, wie Reinholdt aufzählt. Die verabredete Kompensation hätte mindestens sechs weitere Posten in Süsel bedeutet. „Insofern hat sich Eutin nicht vertragsgerecht verhalten“, hält Reinholdt fest, der ansonsten auf die Verwaltungsgemeinschaft nichts kommen lässt. „Sie hat ohne Frage Kosten gespart und funktioniert gut.“

Fördermittel in Gefahr

Was absehbar war, hat Eutins scheidender Bürgermeister Klaus-Dieter Schulz (CDU) 2013 bestätigt. Eutin wird nicht mehr als die schon belegten Räume in Süsel nutzen. Seitdem sind die Überkapazitäten ein Thema. Alle drei Fraktionen in der Gemeindevertretung sind sich einig, den Vertrag mit Eutin so zu verändern, dass die Gemeinde wieder Zugriff auf die nicht benötigten Räume hat, für deren Betriebskosten sie aber voll aufkommen muss. Ein entsprechender Antrag wurde jetzt beschlossen. „Ich erwarte, dass dem in der Eutiner Stadtvertretung gefolgt wird“, sagt Reinholdt. Er hat dabei auch den Bürgermeister-Wechsel in der Partnerstadt im Blick. „Es ist wichtig, dass es klare Verhältnisse gibt. Ich möchte wissen, woran ich bin.“ Doch warum kommt erst jetzt, nach fast zehn Jahren Leerstand, Bewegung in die Sache? „Wir haben einen Vertrag, der etwas Anderes vorsieht“, verweist der Süseler Bürgermeister nach Eutin. Dort hätte man reagieren müssen.

Reinholdt räumt aber auch ein: „Die Möglichkeit der Rückzahlung von Fördermitteln hat nicht unbedingt zum Handeln aufgefordert.“ Die Zweckbindung der Förderung läuft bis 2023. Werden Teile des Rathauses vorher vermietet, müssen möglicherweise Gelder an das Land zurückgezahlt werden. Ganz klar ist das nicht, schließlich hat ja letztlich das Land mit seiner Verwaltungsreform den Leerstand verursacht. Dennoch: Im ungünstigsten Fall könnten noch immer mehrere zehntausend Euro Rückzahlung fällig werden, sollte das Rathaus zur Hälfte anderweitig genutzt werden.

Kleingewerbe statt Verwaltung

Miet-Interessenten für die überflüssigen Räume gibt es. „Wir hatten schon Anfragen“, bestätigt der Bürgermeister. Gedacht ist daran, örtliches Kleingewerbe ins Rathaus zu holen, etwa Freiberufler, die jetzt oft ihr Büro zu Hause haben. Die SPD hatte bereits vor anderthalb Jahren einen entsprechenden Vorstoß gemacht, wollte diese Nutzung auch jetzt wieder festschreiben. CDU und FWS lehnten das mit ihrer Mehrheit ab. Solange nicht absehbar ist, wie sich der Flüchtlingszustrom entwickelt, will Reinholdt das Rathaus als mögliche Reserve-Unterkunft in Hinterhand haben. „Ich möchte mir diese Option offen halten, statt womöglich teuer Container anzumieten.“ In zwei bis drei Monaten, hofft Reinholdt, könnte etwas klarer werden, ob diese Reserve noch gebraucht wird.

Von Arnold Petersen

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