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Ostholstein „Das Stadtmarketing muss verbessert werden“
Lokales Ostholstein „Das Stadtmarketing muss verbessert werden“
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18:28 09.11.2013
Drei Schließungen in der Oldenburger Innenstadt — Bürgermeister Martin Voigt stellt die Gründe aus seiner Sicht dar. Quelle: Fotos: Peter Mantik
Oldenburg

Lübecker Nachrichten: Drei traditionsreiche Familienunternehmen schließen auf einen Schlag. Wie beurteilen Sie die derzeitige Situation des Einzelhandels in Oldenburg?

Martin Voigt: Die Schließung dreier Geschäfte in unmittelbar räumlicher und zeitlicher Nähe ist eine schlimme Entwicklung, denn mit jedem Leerstand sinkt die Attraktivität der Stadt. Gleiches gilt auch für den Leerstand im Einkaufszentrum. Mit dem Edeka-Laden ist zwar ein attraktiver Verbrauchermarkt entstanden, der für sich alleine jedoch nichts Halbes und nichts Ganzes ist. Der zweite Bauabschnitt wäre unbedingt notwendig, um hier einen attraktiven Einkaufsbereich zu schaffen, der durch einen Discounter und weitere Angebote eine echte Anbindung an die Kuhtorstraße erhält.

LN: Einige Gewerbetreibende sagen, dass die Vollsperrung der Göhler Straße noch bis heute negative Folgen hat. War die Vollsperrung ein Fehler?

Voigt: Durch die Vollsperrung haben wir erhebliche Kosten gespart. Andererseits hat es damals auch erhebliche Beeinträchtigungen für die Gewerbetreibenden gegeben. Ich habe zur Kenntnis genommen, dass man die Vollsperrung immer noch mit der heutigen Entwicklung in Verbindung bringt, kann mir das, ehrlich gesagt, aber nicht so recht vorstellen.

LN: Aufgrund der Entscheidung, einem ortsansässigen Discounter an der Kieler Chaussee die Expansion zu ermöglichen, wurden weitere Quadratmeter an Verkaufsfläche auf der Grünen Wiese geschaffen. Ist das nicht kontraproduktiv für die Innenstadt?

Voigt: Wir haben zwei Gutachten in Auftrag gegeben. Das Gutachten der Cima hat die Erweiterung des Einkaufsmarktes auch im Hinblick auf die Innenstadt durchaus befürwortet hat. Das ist eine Entscheidung, hinter der ich auch persönlich stehe. Zunehmende Leerstände im Eingangsbereich wären für die Stadt auch nicht gerade förderlich. Wogegen wir uns gewandt haben, war die Ausweitung der Gesamtverkaufsfläche. Die Grundstückseigentümer konnten sich jedoch nicht einigen, der Markt drohte uns somit ganz wegzubrechen. Wir haben auch versucht, den Markt innerstädtisch anzusiedeln, was aber nicht gelungen ist. Der Wegfall des Einkaufmarktes hätte zu einer drastischen Verschlechterung dieses Bereiches geführt. Tatsächlich hält die Cima die Gefahr jedoch für gering, dass nach der Vergrößerung des bestehenden Marktes dort noch ein weiterer Lebensmitteldiscounter hingeht. Das wäre dann aber in der Tat eine ungewollte negative Entwicklung.

LN: Der Wochenmarkt ist in Burg auf Fehmarn und in Neustadt ein Event, das maßgeblichen Anteil an der Belebung der Innenstadt hat. Warum gelingt das in Oldenburg nicht?

Voigt: Wir haben Gespräche mit den Marktbeschickern geführt, das Rezept, das wirklich helfen könnte, ist dabei aber nicht herausgekommen. Es scheint so, dass die Markthalle am Stadtrand offensichtlich auch das Publikum anspricht, das ansonsten auf dem Wochenmarkt einkaufen ginge und so zumindest eine gewisse Auswirkung auf den Wochenmarkt hat. Der Markt ist klein und es fehlt ihm von daher auch an Attraktivität. umgekehrt ziehen die wenigen Besucher aber auch keine Marktbeschicker nach Oldenburg — ein Teufelskreis.

LN: Gewerbetreibende in Oldenburg bemängeln ein fehlendes „Wir-Gefühl“ in Oldenburg. Wie kann man hier nachbessern?

Voigt: Auf Sitzungen des Fremdenverkehrs- und Wirtschaftsvereins war die Beteiligung nach meiner Einschätzung sehr gering. Gerade solche Treffen dienen aber dazu, Pläne zu schmieden und Erwartungen zu äußern. Der Weihnachtsmarkt im vergangenen Winter hat aber gezeigt, dass die Oldenburger Gewerbetreibenden sehr wohl etwas gemeinsam in der Innenstadt auf die Beine stellen können.

LN: Bisher scheint es der Stadt an einem schlagkräftigen Stadtmarketing zu fehlen. Könnte hier nicht eine hauptamtliche Stelle Abhilfe schaffen?

Voigt: Die Finanzierbarkeit einer solchen Stelle ist das ganz große Problem. Wenn es zu einer Reform des Finanzausgleichs — wie vorgesehen — kommen würde, würde sich die Situation für Oldenburg deutlich verbessern, dann könnte man so etwas umsetzen, sofern nicht eine Erhöhung der Kreisumlage uns die zusätzlichen Mittel wieder raubt. Ein Teil könnte wohl auch über die Fremdenverkehrsabgabe umgelegt werden, doch müsste das auch auf das Einverständnis der Unternehmer stoßen, die zu diesen Kosten beitragen. Ganz klar kann ich jedoch sagen: Das Stadtmarketing in Oldenburg muss verbessert werden. So nebenbei und ehrenamtlich scheint Marketing nicht zu funktionieren. Das ist aus meiner Sicht nur hauptamtlich zu schaffen. Der Impuls muss jedoch aus dem Einzelhandel und der Gastronomie kommen. Im Zukunftsausschuss wurde ein Stadtmarketing schon angeregt und jetzt ist die Diskussion auch durch die LN-Berichterstattung nochmal in Gang gekommen.

LN: Was können Sie als Bürgermeister tun, um die Innenstadt wieder attraktiver zu gestalten.

Voigt: Die Innenstadt muss attraktives Einkaufsziel für Bewohner und Touristen sein und so wird sie auch noch wahrgenommen. Voraussetzung ist dafür auch ein Erhalt beziehungsweise die Erneuerung der Infrastruktur. So haben wir unter anderem Mittel für die Erneuerung des Belages in der Kuhtorstraße in den Haushalt eingestellt. Das Wallmuseum, aber auch eine Schwimmhalle könnten ebenfalls wichtige Akzente setzen, um die Innenstadt zu beleben. Allerdings werden wir langfristige gesellschaftliche Entwicklungen, wie zum Beispiel die Konkurrenz aus dem Internet, auch nicht aufhalten können. So halte ich es nicht für wahrscheinlich, dass wir eine Einkaufszone von der Mittleren Schuhstraße bis zur Kuhtorstraße aufrecht erhalten können. Dreh- und Angelpunkt wird sein, wie gut es uns gelingen wird, die Touristen nach Oldenburg zu holen. Das machen die Zahlen der Einzelhändler in den Sommermonaten deutlich.

Interview: Thomas Klatt

LN

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