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Das Sterben der Dorf-Feuerwehren

Harmsdorf/Wangels Das Sterben der Dorf-Feuerwehren

Der Mitgliederschwund bei den Freiwilligen Feuerwehren in Ostholstein hat Konsequenzen: Die Zahl der Ortswehren sinkt; immer häufiger kommt es aufgrund mangelnder Personalstärke zu Fusionen oder gar zur Auflösung von Dorf-Feuerwehren.

Harmsdorf/Wangels. Die Retter auf dem Land bekommen den demografischen Wandel besonders hart zu spüren. Fehlender Nachwuchs, weniger Zuzüge und Einwohner, von denen viele außerhalb des Ortes arbeiten und deshalb tagsüber nicht für Einsätze verfügbar sind, können für kleinere Löschtruppen das Aus bedeuten. So auch für die Feuerwehr Güldenstein: In Harmsdorf gibt es nach deren Auflösung jetzt nur noch eine Einsatzgruppe; die neue Gemeindewehr soll heute Abend offiziell gegründet werden (siehe Infotext).

Die Situation ist im Kreis Ostholstein kein Einzelfall. In Bad Schwartau haben bereits zwei Ortswehren fusioniert, in Göhl wurden die ehemals zwei Ortswehren mittlerweile ebenfalls zusammengelegt.

Anderenorts rühren kleine Feuerwehren die Werbetrommel in der Hoffnung, durch neue Mitglieder doch noch wieder die geforderte Anzahl von Aktiven zu erreichen. So zum Beispiel in Bosau, wo die Freiwillige Feuerwehr Majenfelde-Quisdorf jüngst SOS gefunkt hat.

Nachwuchssorgen gibt es auch in Grammdorf (Gemeinde Wangels). Dort stand ebenfalls bereits eine Auflösung der Ortswehr beziehungsweise deren Angliederung an eine andere Feuerwehr im Raum. Jetzt sei in Abstimmung mit dem Kreisfeuerwehrverband jedoch zum Glück doch noch eine andere Lösung gefunden worden, berichtet Gemeindewehrführer Sven Voß: Die Grammdorfer Ortswehrführung tritt zurück, die Leitung übernimmt kommissarisch die Wehrführung der Wangelser Truppe. Das Ziel sei es, für die Grammdorfer Wehr nun Verstärkung zu finden und sie wieder einsatzfähig zu machen. Dann könnte dort auch wieder eine eigene Wehrführung eingesetzt werden.

Mit der jetzigen Lösung sei er sehr zufrieden, sagt Sven Voß. Dadurch habe die Auflösung der Ortswehr vermieden werden können, zeigt er sich erleichtert. Ein solcher Schritt „wäre fatal gewesen“ – er sei froh, dass die Grammdorfer Truppe nun die Chance habe, wieder auf die Beine zu kommen. Dafür solle nun massiv Mitgliederwerbung betrieben werden, kündigt der Gemeindewehrführer an. Die Einwohner seien bereits angeschrieben worden; als nächster Schritt wollen die Feuerwehrleute von Haus zu Haus gehen und persönlich mit potenziellen Neuzugängen sprechen. Zwei Aktive hätten schon dazugewonnen werden können. Insgesamt sind es damit jetzt zwölf. Vorgeschrieben sind laut Voß eigentlich 27, die dreifache Mannschaftsstärke, doch das sei für die meisten Dörfer ein utopisches Ziel. Voß: „Wenn wir an die 20 herankommen, wäre das toll.“

In Güldenstein hätte derweil selbst eine Anbindung an die Harmsdorfer Wehr nicht funktioniert, erklärt Gemeindewehrführer Norbert Suhm. Mit nur noch neun Mitgliedern – von denen zwei in Güldenstein eine Zweitmitgliedschaft hatten und zwei weitere im Prinzip mehr oder weniger „Karteileichen“ gewesen seien – „war die Personalstärke so dezimiert, dass wir die Wehr auflösen mussten“, bestätigt Güldensteins ehemaliger Ortswehrführer Gerhard Bedei. Er selbst und ein weiterer Aktiver wollen nun in die neue Gemeindewehr wechseln; auch die Ehrenabteilung wird dort angegliedert. Für ein Amt zur Wahl stellen wolle er sich dort aber nicht mehr, sagt Bedei. Mit seinen 62 Jahren habe er ohnehin noch maximal drei Jahre in einer Führungsposition vor sich gehabt – es sei in Ordnung, dass es jetzt vorbei sei. Norbert Suhm – der auch vorher schon Gemeindewehrführer war – wurde nun zunächst kommissarisch wieder eingesetzt; der bisherige Harmsdorfer Ortswehrführer Armin Evers wurde vorübergehend zu seinem Stellvertreter bestimmt. Beide stehen für ihren jeweiligen Posten heute Abend auch zur Wahl.

Es sei die richtige Entscheidung gewesen, die Feuerwehr Güldenstein aufzulösen, ist Bedei überzeugt. Auch wenn ihm die letzte Mitgliederversammlung „schon ein bisschen an die Gräten gegangen“ sei.

90 Jahre lang hat es die Ortswehr gegeben; er selbst war dort mehr als 45 Jahre aktiv. „Begeistert war keiner“, gibt er zu, „aber wir waren uns einig, dass es nicht anders geht.“ Der Trend gehe schon seit Längerem zu weniger Mitgliedern, berichtet er, „man hört von vielen Ortswehren, dass sie Probleme haben, sich zu halten“. Für Harmsdorf sei es mit Blick auf die Größe der Gemeinde in Ordnung, nur noch eine Feuerwehr zu haben. Und die ist laut Norbert Suhm mit dann 26 Aktiven dann auch zunächst gut aufgestellt.

 Jennifer Binder

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