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Ostholstein Das Unmögliche möglich machen
Lokales Ostholstein Das Unmögliche möglich machen
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11:09 07.09.2016
Großer Spaß auf der Ostsee: Lincoln Budge aus Australien lernt am Sund Kitesurfen und Paddling. Quelle: Peter Mantik
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Großenbrode

Vor neun Jahren passierte es. Lincoln Budge wurde Opfer eines schweren Autounfalls. Seither ist der 31-jährige Australier an den Rollstuhl gefesselt. Er ist einer von vielen internationalen Teilnehmern eines Kite-Workshops für Rollstuhlfahrer in Großenbrode. Was Lincoln Budges und seine Mitstreiter aus Holland, Frankreich, Polen, Kanada und den USA eint, das ist ein Gedanke: „Das Unmögliche möglich machen.“

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Rollstuhlfahrer lernen in Großenbrode, dass Wassersport trotz Behinderung möglich ist.

Sail United and Watersports

Das Projekt: Der gemeinnützige Verein Sail United e.V. veranstaltet noch bis zum 10. September in Kooperation mit der Wassersportschule Sailaway Watersports das „Erste Deutsche Rollstuhl Kiter Camp“.

Homepage: www.sail-united.eu

E-Mail: kontakt@sail-united.eu

Telefon: +49 (0)172/427 98 24

„Hier herrscht ein unglaublich positiver Geist. Das ist eine tolle Gruppe“, sagt Lincoln Budge begeistert, während er sich, ohne seine Beine benutzen zu können, in den Neoprenanzug zwängt. Elf Tage ist er am Sund. Es ist sein erster Besuch in Europa. „Ich habe mich mit einem Freund aus Melbourne spontan vier Tage vor Abflug entschlossen, nach Großenbrode zu kommen.“

In Sachen Rollstuhl- Wassersport ist Sail United von Tobias Michelsen dieser Tage der Nabel der Welt. „Es gibt weltweit gerade mal zwei ausgebildete Wassersportlehrer, die mit Rollstuhlfahrern kiten.

Und beide sind hier“, erklärt Dirk Hückstädt von der Insel Föhr. Er ist einer von beiden. 2002 sei der Erste gewesen, der auf die Idee kam, mit Rollstuhlfahrern aufs Wasser zu gehen. „2003 war es dann so weit.“ Hückstädt, Michelsen und diverse Helfer unterstützen Budge und die anderen Rollstuhlfahrer auf dem Wasser. Alle Mitstreiter – ob Lehrer, Helfer oder Behinderte – lernen hier voneinander. „Ich finde hier die unglaublichsten Prototypen von behindertengerechten Boards“, schwärmt der 43-jährige Hückstädt. „Manche Sitzaufbauten sehen aus wie Raumfahrzeuge aus Star Wars.“

Hückstädt hilft gerade Budge dabei, von seinem Rollstuhl auf die Spezialkonstruktion eines Kiteboards umzusteigen. Danach schiebt er den Australier, der mit einer Rettungsweste ausgestattet ist, in die an diesem Tag beachtlichen Wellen. Hückstädt testet mit kritischen Blick den Kite. Aber heute ist auflandiger Wind, eine laue Brise weht zur Küste. „Das wird leider doch nichts“, sagt Hückstädt schließlich, „der Wind reicht nicht aus“. Dennoch geben die beiden nicht auf. Stattdessen steht eine Tour mit dem SUP-Paddelboard auf dem Programm. Budge lässt sich lässig in den Wellen treiben. Er sei erst vor drei Monaten auf diese Sportart gestoßen, hätte seit seinem Unfall nie geglaubt, dass er Wassersport treiben könne. Hückstädt kommt, Budge wechselt das Board – und paddelt Momente später über den ersten Wellenkamm. „Diese Tage hier sind der Wahnsinn“, sagt Hückstädt. „Einige der Jungs hier sind Profis, von denen auch ich viel lernen kann.“ Er sei fasziniert davon, wie schnell und professionell die Teilnehmer auf ihren Konstruktionen unterwegs seien. Einziges Manko im Camp: es könnten noch mehr ehrenamtliche Helfer dabei sein, um die Teilnehmern auf dem Wasser zu unterstützen. Dennoch sind alle begeistert.

Tom Gorman aus den USA sagt: „Für mich ist dieser Workshop ein neuer Lebensabschnitt.“ Das geht ihm in diesen Tagen nicht allein so. Sie alle nehmen viel mit: Selbstvertrauen, viel Freude und neue Erfahrungen sowie völlig neue Perspektiven.

Von Peter Mantik

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