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Ostholstein Das große Apfelmatschen
Lokales Ostholstein Das große Apfelmatschen
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18:19 17.10.2015
Stefan Domke befüllt Fünf-Liter- Boxen oder Zehn-Liter-Säcke.

Nur wenige Arbeitsplätze duften so süß: „Wir riechen es schon gar nicht mehr“, lacht Stefan Domke. In diesen Wochen herrscht auf seinem Obsthof in Altgalendorf bei Oldenburg Hochbetrieb. „Hier geht‘s gerade rund“, sagt er. Von Mitte September bis Ende Oktober sind die Tage hier besonders lang. Es ist Apfelsaison. Auch Kunden bringen ihr Obst aus dem Garten. Dann gibt es jede Menge „Apfelmatsch“, wie er die zerhäckselte Maische nennt.

Seine Familie hat dabei wohl den größten Obstgarten im nördlichen Ostholstein. Auf 40 Hektar wachsen mehrere zehntausend Apfelbäume, zum Zählen sind es zu viele. Sie betreiben die einzige große Mosterei in der Region. Die nächsten größeren Betriebe gibt es in Grebin (Kreis Plön) und Eutin. Wer im Nordkreis Saft aus seinen eigenen Gartenfrüchten haben möchte, kommt nach Altgalendorf.

„Unsere Geschäftsidee ist, dass jeder das wiederbekommt, was er bringt“, sagt der Inhaber. Nicht jeder glaubt das sofort. „Ich kann‘s beweisen“, sagt Domke. Die Aufträge werden „immer schön Kunde für Kunde“ abgearbeitet. Die Früchte kommen auf den Verlesetisch, werden gewaschen und zu Maische geschreddert. Dieser Brei wird in ein Leinentuch geschaufelt, das zusammengefaltet wird. Von diesen Kissen werden mehrere übereinander gestapelt. Dieser Turm wird durch einen Hydraulikzylinder mit einem Druck von 200 bar gepresst. Der Saft sprudelt nur so, und wird in unterschiedlichen Bottichen aufgefangen. Im Großkocher wird er auf rund 80 Grad erhitzt und so haltbar gemacht. Was von der Maische übrig bleibt, wird Trester genannt. Landwirte verfüttern es gern an junge Rinder oder Schweine.

„Es wird unter Maissilage gemischt, die bekommt dadurch einen leckeren Apfelgeschmack“, sagt Domke. Einmal pro Woche geht so ein Anhänger vom Hof.

In der Mosterei sind fast alle Kunden Privatleute. Dabei erkennt Stefan Domke einen Trend: Es gebe inzwischen mehrere Familien, die durchs Dorf fahren, die Ernte der Bewohner sammeln und nach Altgalendorf bringen. Besonders für die vielen älteren Bürger sei das ein Gewinn. „Da kommt schon mal über eine Tonne zusammen“, sagt er. Der Saft wird anschließend geteilt. Ein wenig wie früher, meint er. Andere Kunden bringen nur kleine Mengen, manch einer vier Tonnen. Die werden dann mit dem Gabelstapler abgeladen und gewogen. Außer aus Äpfeln wird auch Saft aus Birnen, Quitten, Melonen oder Ingwerknollen gewonnen — beziehungsweise ein Mix davon. Daneben läuft der Betrieb mit den eigenen Äpfeln: Arbeiter pflücken momentan Holsteiner Cox. Rund 170 Kilo schafft einer in einer Stunde — eine halbe Großraumkiste.

Der Hofladen setzt nur einen Bruchteil des Obstes um. Die Masse wird über Händler vermarktet und von Lebensmittelketten verkauft. Die Früchte müssen bestimmte Anforderungen erfüllen. Am Band wird genau ausgesiebt: Eine Kamera macht vier Bilder pro Apfel, schafft zwölf Äpfel pro Sekunde. Jeder wird aufs Gramm genau gewogen. Die richtige Größe liegt zwischen 60 und 85 Millimetern. Drei Mitarbeiter sortieren weiter aus: Mini-Äpfel, Riesen-Äpfel oder welche mit Schönheitsfehlern werden zu Apfelmus, im Hofladen verkauft oder anders verarbeitet. Auch wenn Anfang November die große Erntezeit vorüber ist, zu tun gibt es immer: Denn in den Kühllagern des Hofes überdauern bis zu 2000 Tonnen Äpfel über mehrere Monate.

40 Hektar voller Bäume
22 Mitarbeiter sorgen jetzt zur Hochsaison für einen reibungslosen Betrieb: 16 Pflücker, drei Sortierer, zwei Logistiker und einer an der Saftpresse.
Von 40 Hektar Anbaufläche sind vier Hektar mit Sauerkirschen bepflanzt. Es gibt zudem einige Bäume für Pfirsiche und Birnen für den Hofladen.

Irene Burow

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